Walter Goldinger: Ergänzungsband 5. Geschichte des Österreichischen Archivwesens (1957)
Die österreichischen Archive und die Geschichtswissenschaft
86 Walter Goldinger die Veröffentlichungen der historischen Landeskommission für Steiermark erinnert* 48). Aus späterer Zeit stammen die Archivberichte aus Niederösterreich, die der Archivrat nach seiner Rekonstruktion in zwei Heften 1915 und 1916 herausgegeben hat. Nach dem ersten Weltkrieg diente die Archivalische Beilage der Historischen Blätter des Haus-, Hof- und Staatsarchivs solchen Zwecken 48a). Diese zunächst wissenschaftlichen, quellenkundlichen Zielen dienenden Arbeiten hatten auch Rückwirkungen für die praktische Archivarbeit. So haben manche Anleitungen, die für die Ordnung von Pfarr- und Familienarchiven herauskamen, daraus Anregung geschöpft49). Wie weit war man schon von der Zeit entfernt, da Archivalien als Arcana gehütet, der Bearbeitung verschlossen waren! Ein Zustand, der dem Pauliner Mathias Fuhrmann am Ende des 18. Jahrhunderts das Parodoxon entlockte, solche Archive seien divitiae pauperes, opes inutiles50). Viel kam dabei auch darauf an, über welchen Bildungsgrad die Archivare verfügten. Wir wissen, daß die höheren Beamten, zumal jene der Reichskanzlei, in der Regel juridische Vorbildung genossen 51) und darum ist es auch kein Zufall, daß Diplomatik, Heraldik und Sphragistik früher als an den Universitäten an den Ritterakademien, so etwa am Theresianum in Wien, gelehrt wurden52). Es entsprach eben einem zeitgemäßen, weltlichen und höfischen Bildungsideal, den jungen Adeligen auch einen Blick in diese Fächer tun zu lassen53), nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Erfordernisse des praktischließlich ein Inventar des Marktarchivs Aussee herausgekommen. Eine zweite Abteilung umfaßt Übersichten über die im landschaftlichen Archiv verwahrten Urkunden und Gültschätzungen sowie den Katalog der ständigen Ausstellung des Landesarchivs. 48) Die Hefte 2, 4, 7, 11, 22, 25, 26, 27, 29 enthalten Inventare, meist über Adelsarchive. 48a) Die Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs eröffnet im I. Band (1950) Erich Tr inks mit einer Arbeit „Die Bestände des oberösterreichischen Landesarchivs“, S. 7—105. Sie enthält ein wohlgelungenes Inventar dieser Anstalt. 49) Siehe oben, 60, Anm. 26. Aus Adelskreisen stammt eine Broschüre von C. M. (Carl Graf Montjoye), Über Einrichtung und Ordnung von Familien- Archiven (1901), was mit den um diese Zeit einsetzenden Bestrebungen der Gesellschaft für neuere Geschichte Österreichs in Beziehung steht. 50) In der Einleitung zu dem von ihm verfaßten Katalog des Stadtarchivs Wiener Neustadt. Vgl. G. Winter, Bruchstücke aus der Geschiche eines österreichischen Stadtarchivs. Mitt. d. Zentralkomm. f. Kunst u. hist. Denkm., N. P. 4 (1878), 20. sl) L. Groß, Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559 bis 1806. Inventare österr. staatlicher Archive V/T (1933), 120 f. 52) E. Pfohl, Die Entwicklung der Urkundenlehre an der Wiener Universität 1773—1854. Wiener phil. Diss. 1948. 53) F. Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts auf den deutschen Schulen und Universitäten, 3. Aufl., 1 (1919), 514ff.