Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)
V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 54. Paul Roth (Basel): Baslerisch-Vorderösterreichische Schiffahrtsstreitigkeiten im Lichte geheimer Korrespondenzen (1760-1765)
82 Baslerisch-Vorderösterreichische Schiffahrtsstreitigkeiten im Lichte geheimer Korrespondenzen (1760—1765). Von Paul Roth (Basel). In den Bestrebungen der Errichtung eines großen, auch die Schweiz umfassenden Staates am Oberrhein durch die Habsburger blieben die Stadt Basel und das Territorium der Bischöfe von Basel die empfindlichsten Lücken. Weder den Staufern noch den Zähringern war es gelungen, sich diese Kernstücke zwischen dem Aargau, dem Breisgau und dem Sundgau anzueignen, und Rudolf von Habsburg hatte die Belagerung der Stadt Basel und damit die habsburgische Staatsbildung am Oberrhein abgebrochen, als er die Nachricht von seiner Wahl zum deutschen Kaiser erhielt. Der Verlust des Aargaus 1415 leitete dann den Zusammenbruch des ganzen territorial-politischen Systems im Oberrheingebiet ein, und der Eintritt Basels in den Bund der Eidgenossen, nach dem unglücklichen Endkampfe gegen die Schweizer, riegelte dem Hause Habsburg die letzten Ausstrahlungsmöglichkeiten nach dem Süden ab. Für die Behauptung der errungenen Unabhängigkeit vom Reiche war Basel die Entwicklung förderlich, daß sich die kaiserliche Macht am Rhein nach dem Osten, in die Donauländer, verlagerte und die Vorderösterreichischen Lande, wie man das übriggebliebene politische Gebilde nun nannte, Neben- und Grenzland wurden 1). In die Rolle einer Art von Landeshauptstadt im Breisgau wuchs langsam die Kleinstadt Freiburg hinein. Sie war im 18. Jahrhundert nur noch ein unbedeutendes Landstädtchen mit etwa dreieinhalbtausend Einwohnern. Ihre Universität, die zur Zeit ihrer Gründung (1460) als eine Konkurrenzanstalt zur Basler Hochschule gedacht war, war seit den ersten Jahren des Dreißigjährigen Krieges in eine Jesuitenanstalt umgewandelt, deren Leistungen auf das Gebiet des rein kirchlichen beschränkt blieben 2). In diesem politisch und kulturell geschwächten und zerrissenen „Vorland“ einer europäischen Großmacht konnte sich naturgemäß auch kein größeres Wirtschaftsleben entwickeln. Die Schiffahrtsstreitigkeiten, die wir im folgenden ins Auge fassen, betreffen zunächst solche mit dem Basel im Osten benachbarten habsburgisch-österreichischen Oberamte Rheinfelden. Ein zweiter Handel wurde durch die Zollgerechtigkeiten der vorderösterreichischen Stadt Burkheim am Rhein unterhalb von Altbreisach entfacht. Wir vergegenwärtigen uns zunächst die beidseitigen allgemein-politischen Verhältnisse und den Rahmen, innerhalb dessen sich die Gegensätze entwickelten. 1. Drei Wegstunden oberhalb Basels bildete das Städtlein Rheinfelden, der Verwaltungssitz der gleichnamigen, zu beiden Seiten des Rheins sich ausdehnenden J) Vgl. dazu: Ritter Gerhard, Der Oberrhein in der deutschen Geschichte. Freiburg 1937. — Mayer Theodor, Die Habsburger am Oberrhein im Mittelalter. Festgabe für Heinrich Ritter von Srbik. München 1938. — Derselbe, Der Staat der Herzoge von Zähringen. Freiburg 1935. — Derselbe, Die historisch-politischen Kräfte im Oberrheingebiet im Mittelalter, in Z. G. O., N. F., Bd. 52, 1938. 2) Ritter Gerhard, Freiburg als vorderösterreichische Stadt. Jahrbuch der Stadt Freiburg, Bd. 2, 1939. — Schaub Friedrich, Elsässische Studenten an der Freiburger Hochschule im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation. Archiv für Reformationsgeschichte, Leipzig 1941. — Derselbe, Die Matrikel der Universität Freiburg i. Br. von 1656 bis 1806. 1. Lieferung, Freiburg 1944.