Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 53. Josef Karl Homma (Eisenstadt): Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes

Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes. 69 läßt König Sigmund vom Stuhlweißenburger Domkapitel die Patlyschen Besitzungen nach dem ohne Nachkommen verstorbenen Leonard, des Sohnes des Johann, des Sohnes des Tamas Pathly, nämlich: die Orte Apothlon (Apetlon), Selegd (Illmitz) l), Bikifelde 2), Morthonhaza (Martenhofen) und Thard 3), sowie Portionen in Pathly (Pöttelsdorf), Bydus- kuth (Stinkenbrunn), Zemenge (Zemendorf), Zanthow (Antau) und Neusiedl, sowie einen Weingarten in Hewffling (Großhöflein) und drei Weingärten in Zyl (Rust) auf Erzbischof Johann Kanizsai und dessen Geschwister übertragen 4). Im Urbar von 1527 scheint Martenhofen als Zugehör der Herrschaft Eisenstadt auf; in der Aufzählung ist es dortselbst zwischen Illmitz und Apetlon genannt. Das Dörfchen umfaßte damals elf Lehen, von denen drei verödet waren 5). Es ist aber weder im Eisen­städter Herrschaftsurbar von 1515 noch in jenem von 1569 enthalten. Die wenigen Häuser der Siedlung dürften dem Türkenzug von 1529 zum Opfer gefallen sein. Die Martenhof-Äcker liegen südlich des Nix Sees und der Langen Lacke, nördlich der Straße Apetlon—Wallern. Der Martentalsee erinnert an den verödeten Ort. Götsch (Kötsch, Ke[j]es, Kees, Keych)6): Die Siedlung wird 1262 urkundlich erst­malig genannt. Aus dieser Urkunde König Karl II. von Ungarn für die Edlen Nikolaus und Mika de Keych erfahren wir die Lage von Götsch 7). Der König gibt den Beschwerde­führern die Besitzung Vytezfelde (Vitézföld—Heldenplatz), die von Banus Stephan, dem Bruder des Ban Nikolaus von Mayad (St. Margarethen) gewaltsam genommen worden war, zurück. Dieses Vytezfelde nun liegt nach der Urkunde zwischen den Besitzungen Keych und Tord am Neusiedler See und wurde vom Okkupator Nikolaus in Bánfáivá umbenannt. Bánfáivá ist nun das heutige Apetlon. Keych (Götsch) befand sich demnach östlich von Apetlon am heutigen Götschsee und dessen Hotter umfaßte Gebiete von Apetlon und Pamhagen. Urkundlich wird der Ort 1362 letztmalig genannt. Bei Götsch dürfte wie auch bei den anderen abgekommenen Siedlungen des Lackengebietes die Annahme nicht fehlgehen, daß außer Kriegseinwirkungen die Ungunst des Bodens und die Tücken des Neusiedler Sees zur Verödung und Auflassung kleinerer Dörfer beigetragen haben mögen. Altdorf oder Fischldorf: Der urkundlich nicht belegte Ort wurde von Mühlhofer auf Grund seiner Grabungen eindeutig 2000 Schritte südöstlich des Dorfes Wallern an der West­seite des Dorfsees festgestellt 8). Vielleicht handelt es sich bei Altdorf um eine spätere Sied­lung auf dem 300 Joch Ackerland umfassenden Lampertfeld 9), das 1411 dem Stift Kloster­marienberg gehörte. Tard (Tord): Der Ort wird 1291 zusammen mit Lous (Loos) und Loblo von Andreas III. für Comes Belud de Osl neu bestätigt. 1282 war er dem Genannten von König Ladislaus IV. geschenkt worden. Auch er befindet sich in der Nachbarschaft seiner Besitzung Kechel (Keych-Götsch). 1342 wird der Ort wieder genannt. In diesem Jahre setzt der Landrichter *) Es bestanden zwei Dörfer Illmitz. Selegd al. nőm. Kis Ilmeuch und Illmitz. Letzteres war im 14. Jahrhundert im Besitz des Eisenburger Domkapitels, dem es 1217 von Propst Hercules geschenkt worden war. Klein Illmitz (Selegd) aber war gleichzeitig in Händen der kleinadeligen Witwen und Söhne nach Johann de Chaua (Csava — Stoob ?), die mit Waffengewalt den Besitz des Domkapitels überfielen. Vgl. Nagy, I., Nr. 236, S. 338 (1363) und Nagy, I., Nr. 249, S. 365 (1366). 2) Wüstung im Wulkatal bei Antau. 3) Wüstung im Gebiete der Lacken. 4) Nagy, I., Nr. 437, S. 633. 5) Urbar der Herrschaft Eisenstadt von 1527, Orig, auf Schloß Forchtenstein. •) 1262, 1318: Századok, 1883, VII., 40, 41, 45. — 1269: Fejér, ív., 3., 541; VI., 2., 120. — 1362: ebendort, IX., 3., 326. Századok, 1877, S. 32. 7) Nagy, I., Nr. 68, S. 81. 8) Mühlhofer hat die vollständige Dorfanlage mit dem Kapellenhügel am Südostrande des Ortes bloßgelegt. Vgl. Mühlhofer, ebendort. 9) terra Lamperti ad possessionem Bala (Wallern) pertinentia penes lacum Ferthew; vgl. Nagy, I., Nr. 443, S. 646.

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