Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)
V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 53. Josef Karl Homma (Eisenstadt): Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes
62 Hómmá, Gründungen aus der Zeit nach 1074 *). Die Gründung von Chunigesbrunnen fällt zusammen mit jener vom heutigen Neudorf bei Parndorf in die Zeit von 1025 bis 1030 * 2). Die Ortschaft lag südlich von Pachfurth in der heute als „Deutsche Scheiben“ benannten Flur an der Leitha. Über die Ursache der Verödung ist nichts auf uns gekommen. Immerhin dürfte die Siedlung frühzeitig abgekommen sein, da nach 1074 eine urkundliche Erwähnung nicht bekannt ist 3). Königshof (Ödes Kloster): Die Gründung des Zisterzienserklosters Königshof ist durch eine Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1203 belegt, in der König Emerich von Ungarn den ausgedehnten Landbesitz südlich des heutigen Wilfleinsdorf der Abtei Heiligenkreuz überläßt 4). Königshof wurde 1529 von den Türken zerstört 5). Ungarisch Rohr (unger Rar): Der landesfürstliche Richter von Bruck a. d. Leitha vermerkt 1441/42 in seinem Rechnungsbuche, daß er zu „jedem Quottember von den Visch- wassern auf unger Rar“ 12 Pfd. Pfg. einnahm 6). Gelegen war die Siedlung östlich Bruck a. d. Leitha in der Flur „Rohrwiesen“. Die Ursache der Verödung ist nicht bekannt. 2. Im Gebiet der Parndorfer Heide. In der Markbeschreibung von Parndorf aus dem Jahre 1264 wird die Siedlung Kaal genannt, die zwischen Parndorf und Neusiedl am See gelegen ist. Desgleichen ist eine zweite Ortschaft Dobron zwischen Neusiedler See und Zurndorf 1399 und 1405 urkundlich bezeugt 7). Kaal scheint frühzeitig abgekommen zu sein, während Dobron entweder ein Opfer der Cholera oder der Grenzkämpfe im 15. Jahrhundert geworden ist. 3. Im Bereiche der Herrschaft Ungarisch Altenburg. Über die Wüstungen der Herrschaft Ungarisch Altenburg geben uns die Urbare, bzw. Grundbücher der Herrschaft aus den Jahren 1546, 1555 und 1566 Auskunft. Diese Wüstungen sind durchwegs mit dem Türkenzug von 1529 in Verbindung zu setzen. Das Urbar von 1546 bezeichnet von den 35 Ortschaften der Herrschaft, von denen 13 auf das heutige Burgenland entfallen, 9 als „gantz ödt“. Von diesen öden Gemeinden befinden sich 5 im Gebiete des Burgenlandes, u. zw. Zythmandorff, Haberndorff (wenigstens mit einem Teil des Gemeindegebietes), Sannt Andree, Parrenndorff (der Anteil der Herrschaft Ungarisch Altenburg) und Neudorff. Im Urbar aus 1555 werden nur mehr Zitmanndorff, Haberndorff und Sannt Andree als ganz verödet bezeichnet. Es entfallen also Parndorf und Neudorf. Im Urbar von 1566 sind es wieder Zitmanndorf, Haberndorf und St. Andrae, die verödet sind; es kommen aber als neue Wüstungen Lehndorf und Halbturn hinzu. Der zweite Teil des Grundbuches der Herrschaft aus dem Jahre 1546 läßt uns nähere Schlüsse auf die Art der Veränderungen in den einzelnen Ortschaften bezüglich der Ansässigkeiten wie der Bevölkerungsziffer ziehen. Es werden in diesem Teil des Grundbuches die Befreiungsmaßnahmen von den üblichen Gaben aus dem Jahre 1530 verzeichnet. Nicht genannt werden die 5 Orte Zitmannsdorf, Haberndorf, Sankt Andrae, Parndorf und Neudorf. Sie sind jedenfalls im Zuge der Kriegshandlungen von 1529 entweder voll*) Bednar, Zur dritten deutschen Besiedlung des nördlichen Burgenlandes, III. T., in: Mitteilungen des Bgld. Heimat- und Naturschutzvereines, 3. Jg., 1929, S. 32 f., und Bednar, Das verödete Königsbrunn a. d. Leitha, in: Bgld. Lehrerblatt, Jg. 1932/33, Nr. 4 bis 5. 2) Vgl. Bednar, ebenda. 3) Vgl. Tachezi, Wüstungen des Kreises Bruck a. d. Leitha und seiner nächsten Umgebung. Manuskript. 4) Weis, Urkunden des Stiftes Heiligenkreuz, I., 35, und Fejér, Cod. dipt, V., I., 292. 6) Winkler, a. a. O. und Barb, in „Volkszeitung“ von 1911, 1937. 6) Hofkammerarchiv: Urbarsammlung Nr. 923, Blatt 6 und 15, vgl. Tachezi, ebenda. 7) Moor Elemer, ebenda.