Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)
VIII. Kunstgeschichte - 79. Walter Luger (Lambach): Joachim von Sandrart und seine Beziehungen zum Kloster Lambach. (Mit 4 Tafeln.)
Joachim von Sandrart und seine Beziehungen zum Kloster Lambach. 509 P. S. Jehnige Zwehe Italienische Musikanten alß Superant der Cuhrfürst Hofmusica vnd auß verdacht daß sie von Frantzosen Subornirt Worten Ihr Cuhrf Dhlt x). vnnd Hertzog Maximilian gift bey zubrengen gefencklich eingezogen Worten, seint von München ab durch Pfaffenhoffen wohl verwahrt nacher Amberg gebracht man wil sagen vmb willen daß alta der Proces mit weniger Hinderung anderer vermögender mit Interessenten, könne seinen lauff behalten zumahl dauon sehr verdechtig gereht wirt vnd daß dieser anschlag viel langsamer alß die meinung were gewest, erst herführ kommen sey. Brenger dieses sambt den Stir vnd kistlen dauon ichalles Franck biß Lintz gemacht, ist Hanß Stritzinger * 2) von Lambach, anjetzo mein vnderdahn, welcher vmb ihnn verfallen Erbschaft sich nacher Lambach begeben dahero ich selbst vor diesem Armen gueden man billig Intercediren wollen ob Ihmd zu sein verlang (da ichohnne daß nicht an gezweyfellt) vorderlich mochte geholfen werten. Hans Stritzinger kam aber um eine halbe Stunde zu spät nach Ingolstadt. Sandrart entschuldigt sich daher in einem dem Brief beigelegten Zettel, er werde den Stier bei nächster Gelegenheit nach Lambach schicken. Das im Brief erwähnte Kistchen werde er hingegen mit der Post abschicken. In einem Brief vom 26. Dezember 16583) berichtete Sandrart, nachdem er dem Abte alles Gute zum neuen Jahr gewünscht hat, daß er vor 6 Wochen die Modelle zum Julian- und Joseph-Altarbild nach Lambach geschickt habe, ebenso, daß das Altarbild zum Plazidus- Altar fast fertig sei. Er ersuchte, die Modelle, da sie infolge des Winterwetters nicht zu Wasser gesandt werden können, zu Land über Salzburg zu schicken. Herr Johann Kellenberger sei genau informiert, um die Modelle möglichst rasch an Sandrart zu schicken. Am 16. Jänner 1659 4) schrieb Sandrart an den Prior Johannes Schmitzberger5), da er auf seine letzten Briefe keine Antwort erhalten hatte, daher annahm, daß der Abt verreist wäre. Sandrart ersucht daher den Prior um Beantwortung der letzten Schreiben, vor allem wegen der übersandten Modelle zum Julian- und Joseph-Altarbild. Der zweieinhalb Seiten lange Brief lautet folgendermaßen: Wohl Ehrwürdiger Hochgelehrter vnd Hochge Ehrter Herr P. Prior. Neben Vorstellung meines Alle Zeit bereitwilligen Dienst wil ich verhoffen Ewer wohl Ehrw: werten mein Antwort auf dero an mich abgang Schreibens vnder dato deß 24. Aug. 6) zurecht Empfangen haben, darauß von allen der grosen Altar Pieters betrefent volgens Abret mit Ihr Hochwurden vnd Genaden vor mein vereiß gepflogen, wir solche Histories auß zubilden vermeint, mit mehrer vernomen haben, nachdehne ohngefehr vor 2 monaten 7) hab ich daß model von Sto Jullian vnd von St Josepf (dandie andern waren dahmals noch nicht fertig) mit etliche Stockawsche käßlen vnd ander auf Lintz an Ihr Hochw. vnd Gnaden herr Prelat vbersant, dahmit dieselbe solche historen mögen besehn vnd neben bericht infahl etwaß darin welches nicht nachbelieben, neben zurück Sendung der Model, mir gros günstig beliebt zu berichten, dahmit inden grosn Stücken solches konte obseruiren vnnd weiln sowohl hierauf also auf mein anderes Schreibens an Ihr Hochw. vnd Genaden vor 1 monat 8) abgehen lassen, worin vmb willen daß St Plasidus Altar Plat fast volzogen vnd vor die modeln neben gebetten guetachtung zurück Empfangen, mit denen angefangen grosn Pietern nicht gern weyter verfahrr, kein antwort erhalten, alß mueß ichmir Einbilden, sie werten vieleicht verreist sein, dahero ich solches nochmahls widerhollen wollen, zu mahl ichgern gegen nechste Lambacher kirchwey St Julians vnd St blacido Altar Pietern gantz verfertigt abgereter maßen einlif wolte, zumahl darin viel arbeyt, die Zeit mich vber Eylen mochte, Freundlichst Ersuchen Cuhrfürst Durchlaucht. 2) Die Familie Stritzinger war in Lambach ansässig (vgl. dazu die Tauf- und Totenbücher im Lambacher Pfarrarchiv). 3) Original im Lambacher Klosterarchiv. 4) Original im Lambacher Klosterarchiv. 5) Johannes Schmitzberger war unter Abt Plazidus Prior in Lambach. 1669 kam er als Lambacher Prior zu den Schotten nach Wien, die ihn zum Abt wählten. Als Weihebischof von Wien war er Bischof von Hellenopolis. Er starb am 28. August 1683 (Eilenstein, a. a. O., S. 51, Nr. 238). 8) Dieser Brief befindet sich nicht mehr im Klosterarchiv. 7) Der Brief ist mit 16. November 1658 datiert. Vgl. dazu S. 508, Anm. 1. 8) Der Brief ist mit 26. Dezember 1658 datiert. Vgl. dazu S. 509, Anm. 3.