Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VIII. Kunstgeschichte - 79. Walter Luger (Lambach): Joachim von Sandrart und seine Beziehungen zum Kloster Lambach. (Mit 4 Tafeln.)

501 Joachim von Sandrart und seine Beziehungen zum Kloster Lambach. Von Walter Luger (Lambach). (Mit 4 Tafeln.) Der Aufschwung des Kunstlebens in Österreich und im süddeutschen Raum im 17. und 18. Jahrhundert war bedingt durch das Ende des 30jährigen Krieges und der Türkenkriege. Allgemein machte sich eine Erstarkung der europäischen Kultur bemerkbar. Das Freiwerden von Kräften und der wirtschaftliche Aufschwung gaben die materielle und moralische Grundlage zum neuen Kunstschaffen. In Österreich waren es die Herrscher, die Geschlechter, Bischöfe und Äbte, die die Kunst förderten. Vielfach standen Bauherr und Künstler in engster Verbindung bei der Schaffung von Bauten und Kunstwerken. In dieser Zeit finden wir im Kloster Lambach eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten. Diese waren Plazidus Hieber von Greifenfels (Abt von 1640 bis 1678) x), Severin Blaß (Abt von 1678 bis 1705) * 2) und Maximilian Pagl (Abt von 1705 bis 1725) 3). Auch Lambach hatte unter den vergangenen Kriegen viel zu leiden gehabt, vor allem in den Bauernkriegen von 1626 und 1632 4). Unter Abt Plazidus Hieber begann die große Bautätigkeit. Trotz seiner Jugend — er war schon mit 25 Jahren Abt geworden — war es ihm in kurzer Zeit gelungen, Lambach wieder zu einem Aufstieg zu verhelfen 5). Innerhalb des Klosters führte er eine strenge Disziplin ein, sein Einfluß reichte aber über Kloster, Markt und Oberösterreich weit hinaus. 1643 war er vom Erzherzog Leopold Wilhelm, dem Bischof von Passau und Halberstadt, zu dessen Rat ernannt worden. Er förderte die Benediktiner-Universität in Salzburg und errichtete dort zwei Stipendien. Ebenso hatte er sich als ständischer Abge­ordneter und kaiserlicher Rat große Verdienste erworben. Die Robottleistung der Schiffsleute in Stadl wurde neu geregelt und ein schon langandauernder Streit geschlichtet. Abt Plazidus errichtete den sogenannten Spaliergarten 6) mit einer Schießstätte 7). Das St.-Joseph-Spital vergrößerte er und errichtete eine Josephikirche zum Spital 8). 1652 kaufte er das Lambacher Haus in Linz und ein Jahr später Schloß Au bei Roitham 9). Die Stiftsschule erreichte eine Blütezeit. Musik und Gesang wurden eifrig gepflegt. Die Bibliothek wurde durch Ankauf von Büchern erweitert. Die Pfarren Neukirchen und Aichkirchen wurden endgültig dem Kloster inkorporiert. Das Kloster selbst erhielt unter ihm seine heutige Form. 1651 wurde der Torturm erhöht, Süd- 10) und Nordtrakt des ersten Hofes wurden umgebaut und auf gleiche Höhe *) Eilenstein Arno, Die Benediktinerabtei Lambach in Österreich ob der Enns und ihre Mönche. Linz 1936, S. 47 (Nr. 219). 2) Eilenstein, a. a. O., S. 55 (Nr. 255). 3) Eilenstein, a. a. O., S. 60 (Nr. 272). 4) Breve chronicon monasterii beatae Mariae Virginis Lambacensis ordinis Sancti Benedicti, Lentii 1865, S. 31 f. — Pritz Franz Xaver, Geschichte des Landes ob der Enns. Bd. II, Linz 1847, S. 382 und 425. 5) Vgl. zu folgenden Ausführungen über Abt Plazidus Hieber von Greifenfels Breve chronicon, S. 35—38, und Eilenstein, a. a. O., S. 47 (Nr. 219). Quellenmaterial im Klosterarchiv. ®) Heute wird er als Galeriegarten bezeichnet. 7) Dieses Gebäude steht heute noch, ist aber als Wohngebäude umgebaut worden. 8) Diese mußte beim Bau der Westbahn abgebrochen werden. 9) Beide befinden sich heute nicht mehr in Stiftsbesitz. 10) Der Südtrakt hatte 7 unterbrochene Dächer.

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