Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 72. Hans Lentze (Innsbruck): Joseph von Spergs und der Josephinismus

404 Lentze, oder contra verbot, scheint ihn kalt gelassen zu haben, während doch für jeden strengen Jansenisten die Bekämpfung der Bulle Unigenitus eine Herzensangelegenheit war. Wie wenig er von der Studienreform Rautenstrauchs x) und von der Bedeutung der Pastoraltheologie, die als theologisches Fach damals neu eingeführt wurde * 2), verstand, zeigt seine Bemerkung: ,,die Doctrina Pastoralis, oder wie das Ding heißt“3). Bereits Wittola betonte, daß seine Freundschaft an keine Parteien gebunden war 4). So verkehrte er mit dem Vertrauensmann des Nuntius, dem obersten Kanzler Graf Blümegen5) und dem Haupte des streng konservativen Katholizismus, dem Kardinal-Erzbischof Graf Migazzi von Wien 6). Vom Nuntius Garampi 7) sagt Spergs, er sei ,,ein sehr gelehrter und bescheidener Mann, bey dem ich auch öfters zu speisen die Ehre gehabt habe“. Auch ver­sichert er dem Bruder: ,,die von dem Monsignore Garampi, Päpstlichen Nuncio, auf seiner Rückreise anher, zu Wilten genossene Gastfreyheit freuet mich ganz sonderbar“ 8). Eng befreundet war Spergs mit Martini 9), der wie er von dem Gedankengut italienischer Aufklärung in Muratorischer Prägung ganz durchdrungen war 10 *). Er stand überhaupt der mehr konservativen Geistesrichtung n) Martinis nahe. Auch mit Rautenstrauch 12) und Kresl 13) stand Spergs in gesellschaftlichen Beziehungen, wie das seiner Stellung entsprach, sie scheinen aber durchaus formeller Natur gewesen zu sein, wie ihm überhaupt die radi­kalere böhmische Gruppe in der hohen Beamtenschaft ferner stand. Als er im Jahre 1779 die Wahl des Wiltener Professen Alderic Jäger 14), Professor der Theologie an der Inns­brucker Universität, zum Rektor ermöglichen wollte, beklagte er sich des öfteren über das hinterhältige Verhalten Rautenstrauchs in der Studien-Hofkommission, dem er ausdrücklich ,,nicht redliche“ Gesinnung vorwirft 15 *). Den neuen radikalen Geist, der sich immer deutlicher geltend machte, lehnte er gefühlsmäßig ab. Darum erregten auch die Vertreter der radikalen kirchlichen Aufklärung an der Innsbrucker Universität, Schwarzl X6) und Günterode 17), sein Mißfallen. Von Schwarzl sagt er: „Weder sein Name noch seine Figur gefallen mir . . . Vielleicht ist er ein braver *) Vgl. über diese: Winter, a. a. O., S. 93 f. 2) Winter, a. a. O., S. 94; Posch, a. a. O., S. 101 ff.; Dorfmann, Ausgestaltung der Pastoral­theologie zur Universitätsdisziplin. Wien 1910, S. 48 ff., 76 ff., 99 ff; Sissulak, Zeitschrift für kath. Theologie, Bd. 71, 1949, S. 57 ff. 3) Br. Wilten, f. 25, Nr. VII, 16. Dezember 1778. 4) A. a. O., S. 847. 5) Z. B. Br. Wüten, f. 167, Nr. XXXXII, 26. Juni 1782. Über Blümegen siehe Winter, a. a. O., S. 117. 8) Br. Wilten, f. 13, Nr. IV, 19. August 1778; ebenda, f. 77, Nr. XX, 18. Dezember 1779; Centuria, S. 277 f.; über Migazzi siehe Wolfsgruber, Christoph A. Kardinal Migazzi, 2. Aufl., Ravensburg 1897. 7) Uber diesen siehe Dengel, Artikel Garampi, Lexikon für Theologie und Kirche. Hrsg, von M. Buchberger, Bd. IV, Sp. 287 f., mit Literaturangaben. 8) Br. Wilten, f. 77, Nr. XX, 18. Dezember 1779. 9) Über diesen siehe Winter, a. a. O., S. 37; Wurzbach, a. a. O., Bd. 17, S. 33 ff.; Holzknecht, a. a. O., S. 55 ff; Klein-Bruckschwaiger, Karl Anton von Martini in der Zeit des späten Natur­rechts, Festschrift für Karl Haff zum 70. Geburtstag, Innsbruck 1950, S. 120 ff. 10) Br. Wilten, f. 126, Nr. XXXII, 18. März 1781. n) Vgl. dazu Holzknecht, a. a. O., S. 57 ff. 12) Über diesen siehe Winter, a. a. O., S. 90 ff.; Wurzbach, a. a. O., Bd. 25, S. 67 ff. 13) Über diesen siehe Winter, a. a. O., S. 89 f.; Wurzbach, a. a. O., Bd. 13, S. 201 ff. 14) Über diesen siehe Goovaerts, Ecrivains, artistes et savants de l’ordre de Prémontré, Bd. I, Bruxelles 1899, S. 918 f. 15) Br. Wilten, f. 71, Nr. XVIII, 26. Oktober 1779; vgl. auch ebenda, f. 53, Nr. XIV, 30. Juni 1779; f. 61, Nr. XVI, 4. August 1779; f. 57 f., Nr. XV, 21. Juli 1779; f. 65, Nr. XVII, 3. September 1779; f. 82, Nr. XXI, 26. Jänner 1780. 18) Probst, Geschichte der Universität in Innsbruck, Innsbruck 1869, S. 205, 212 f.; Winter, a. a. O., S. 178. 17) Probst, a. a. O., S. 221 ff.; Brunner, Mysterien, S. 45 f.; Wurzbach, a. a. O., Bd. VI, S. 15 f.

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