Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 70. Walter Sturminger (Wien): Die Kundschafter zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung Wiens im Jahre 1683

358 Sturminger, von anno 1683 der Caffeeschankh allhier angefangen, hätten sie Wasserbrenner denselben mit und neben jenen Razen getrieben, welche zu sothanen Caffeeschank wegen ihrer Verdienste, doch ohne Privatgerechtigkeit vom Hoff privilegiert waren.“ Und weiter „Die gehorsambste Canzley hat in facto richtig befunden, dass vor der letzten türkischen Belagerung die alleinige Wasserbrenner alle Lustgetränke ausgeschänkt und dass dazumahl, d. i. 1683 der Cafiee allhier noch nicht ganz in Schwung gegangen; Nach der Belagerung Wiens hat ein gewisser Griech Namens Theodat, welcher in Zeit der Belagerung alle Brief! aus- und eingetragen, zur Billichen Belohnung die freyheit erhalten den Caffee in einem offenen Gewölb ausschänken zu mögen . . .“ 1). In einem weiteren, im Archive der Stadt Wien erliegenden Aktenstücke von 1751 heißt es, daß den Armeniern in der Stadt und in den Vorstädten Kaffeehäuser angeblich deswegen bewilligt worden wären „alldieweilen sie Anno 1683 in äusserster Feindgefahr die Correspondenz geführet, von Succurs und sicherem Entsatz in die Haupt- und Residenzstadt Wienn gute Nachricht gebracht, auch die erste Urheber und Anhänger des Caffee-Schanks gewesen wären . . . “ 2). Sonderbarer­weise fehlt in diesen Akten ganz der Name Kolschitzky, dagegen erfahren wir von einem neuen Kundschafter während der Belagerung namens Theodat, der mit dem Hofbefreiten Diódat identisch ist, den wir bereits anläßlich der Ausweisung der Raizen im Jahre 1678 kennengelernt haben. Für Diódat wurde damals eine Ausnahme gemacht, aber am 14. Juni 1678 wTar ein neuerliches Dekret der niederösterreichischen Regierung an den Stadtmagistrat von Wien ergangen, Diódat möge verwarnt werden, sich jeder verdächtigen Korrespondenz zu enthalten, ebenso des Umganges mit verdächtigen Landsleuten3). Kolschitzky war also wahrscheinlich nur einer der ersten Kaffeesieder Wiens, einer von mehreren, aber so, wie er alle anderen Kundschafter während der Türkenbelagerung aus dem Felde schlug, ebenso durch seine Reklamesucht und seine Gewandtheit auch die Bewerber um den Nachruhm, der erste Kaffeehausbesitzer Wiens gewesen zu sein. Das weitere Leben Kolschitzkys vollzog sich in Ruhe. Er betrieb seine Kaffeeschenke beim Stephansplatze und dann auf der Brandstätte, wobei er sich durch seine halb­orientalische Kleidung und sein Gehaben, er ließ sich vom Publikum „Bruderherz“ nennen, eine gewisse Popularität schuf. Seinen Lebensabschluß finden wir im Sterbebuche des Dompfarramtes St. Stephan zu Wien, Tom. 16, Fol. 92, laut welchem er am 19. Februar 1694 gestorben und an dem gleichen Tage bei St. Stephan mit kleinem Geläute beerdigt wurde. Im Totenprotokolle im Archiv der Stadt Wien findet sich am 20. Februar 1694 die Ein­tragung: Herr Georg Kolschitzky, kaiserlicher Hofkurier beim Roten Kreuz im Grünen Anger ist an der Hectica (d. i. Schwindsucht) beschaut, 54 Jahre. Sein Sterbehaus, heute Domgasse 6, war seinerzeit mit Nr. 845 bezeichnet. Was war nun der Lebenslauf des verdienteren, aber bescheideneren Michaelowitz, der bisher ganz unbekannt war ? Alle Geschichts- und Geschichtenschreiber haben Michaelowitz bei seinem letzten Botengänge je nach ihrer Phantasie einen mehr oder minder qualvollen Tod sterben lassen. Bermann stellt sogar 4) in seinem erwähnten „Wienerischen Ehrenkränzlein“, wie wir gehört haben, die Vermutung auf, daß der angebliche Diener des armenischen Arztes und Michaelowitz ein und dieselbe Person seien. Er spinnt seine falsche Hypothese mit der Behauptung weiter, daß Michaelowitz eben danach trotz seiner Notlüge vor dem Großwezir ganz verschollen und wahrscheinlich zugrunde gegangen sei. Denn hätte er den Rückweg aus dem kaiserlichen Feldlager nicht mehr angetreten, so würde er sich später wohl um den Lohn seines wiederholten Wagnisses gemeldet haben, wie es ja auch der verdiente Kolschitzky getan hat. Bermann will nun das Verschwinden des Michaelowitz auf mehrfache Art erklären. Vielleicht sei Kara Mustapha infolge des hart­x) Gugitz, S. 12; Staatsarchiv des Inneren, IV, F, Kaffeesieder Nr. 28 ex 1747. 2) Gugitz, S. 12; Archiv der Stadt Wien: Alte Registratur Nr. 78 ex 1751. 3) Anhang II. 4) (Bermann), Ehrenkränzlein, S. 22/23.

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