Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)
VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 69. Otto Forst-Battaglia (Wien): Michal Wiániowiecki. Ein Kapitel aus einer politischen Geschichte Polens
346 Forst - Battaglia, sich her. Vom 5. bis zum 14. Oktober hat er 305 km bewältigt, dabei, ähnlich wie im Vorjahre, mehrere feindliche Gruppen einzeln auseinandergesprengt, er hat Tausende von Gefangene befreit und die Landstriche bis in den Bereich der türkischen Hauptarmee vom Feinde gesäubert. 1500 Mann unter einem genialen Führer haben das vollbracht und sie sind es, die den harten Frieden ein wenig gemildert und erheblich beschleunigt haben. Am 18. Oktober 1673 verkündeten die Herolde des Sultans, dem Polenkönig sei „Aman“ gewährt worden, die Gnade, die man reuigen Aufrührern schenkt. Podolien wurde durch diesen in Buczacz unterfertigten Frieden an die Pforte abgetreten, die Ukraina kam unter türkischer Hoheit an die Kosaken und Polen selbst hatte vom nächsten Jahrestag dieser Schande angefangen, 22.000 Goldgulden Tribut zu zahlen. Mohamed befahl Michals Delegierten Dankbarkeit gegen den Tatarenchan, dem sie so „gute“ Bedingungen schuldeten; dann reiste er heim, sehr erfreut, vor dem ersten Schneefall den vollkommenen Sieg errungen zu haben. In diesem Moment schwoll der Szlachta zu Golqh der patriotische Zorn, stieg ihr der Mut. Allerdings nur gegenüber den verhaßten Magnaten. Mochte man den Prazmowski den Ausbruch der kochenden Volksseele gönnen, so waren die Ausschreitungen wider den großmütigen Sobieski um so widerwärtiger, der eben erst seine Haut zu Markt getragen hatte und der stets innere Eintracht wollte. Am 16. Oktober beschloß die Konföderation zu Golq-b die Absetzung des Primas und Strafverfolgung aller Königsfeinde. Aus Angst vor der Masse mußten sich die anwesenden Senatoren fügen. Die Magnaten aber, die fern weilten, ob französisch, ob kaiserlich gesinnt, gerieten ganz aus dem Gleichgewicht. Bischof Trzebicki erbat vom Kaiser, Österreich solle Krakau und ganz Kleinpolen besetzen, ein anderer Oligarch wollte Polen in Frankreich einverleibt wissen. Fast alle forderten mit Nachdruck den Ersatz Michals; durch Condé, Conti, Turenne, durch den Herzog von Braunschweig, durch Lothringen, durch wen immer, wenn nur der Affe, der Halbmann, von der Bildfläche verschwände. Zuletzt, am 24. November 1672, verband sich das Kron- heer zu einer Konföderation, gegen die Beschlüsse von Gol^-b und für die Rechte des in seiner Ehre besudelten Sobieski. Dieser weilte damals in Polnisch-Preußen. Er hatte seine Truppen so verteilt, daß Wisniowiecki von jedem auswärtigen Beistand abgeschnitten war. Am 30. Dezember schickte der Kronhetman nach Versailles die Nachricht, alles sei zum Handeln fertig. Nur der französische Gegenkönig — Condé oder ein anderer Capetinger — fehle. Wenn Ludwig XIV. zögere, dann müsse man sich einen Thronkandidaten sonstwo suchen, den Pfalzgrafen oder selbst Karl von Lothringen. Jedenfalls schien Michals I. Entthronung unvermeidbar und ein Bürgerkrieg war vorauszusehen. 5. Michals I. Ausgang und der Aufbruch der Nation. Nochmals warben Trzebicki und Olszowski um den Frieden innerhalb der grausam geprüften Volksgemeinschaft. Sie wurden dabei von dem eben eingetroffenen neuen Nuntius Buonvisi unterstützt, einem jener seltenen Männer, die, wo sie erscheinen, Weisheit und Segen verbreiten. Den drei Kirchenfürsten kam der rettende Einfall: ein Schiedsspruch der Königin Eleonore. Die liebliche kleine Majestät — „die Zwergin“ nannte sie eifersüchtig der Spott Maria Kazimiera Sobieskas, während der Gatte Sobieski sie „schön und gut“ befand — war sowohl den in Warschau tagenden Getreuen des Hofes als auch den zu Lowicz um den Primas gescharten Mißvergnügten als Vermittlerin sehr genehm. Prazmowski selbst verhieß ihr „im Katalog der großen Monarchinnen“ einen vordersten Rang. Binnen zweier Wochen hatte man eine Kompromißformel zusammengebraut. Und als aus Versailles auf die Anfrage des Kronhetmans hin kein Bescheid kam, da erklärten am 19. Februar 1673 die Führer der Opposition: „. . . daß wir niemand andern, denn Seiner