Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 69. Otto Forst-Battaglia (Wien): Michal Wiániowiecki. Ein Kapitel aus einer politischen Geschichte Polens

344 Forst - Battaglia, in hellem Aufruhr. Die polnischen Garnisonen und die Anhänger Hanenkos sehen sich allerorts in die Verteidigung gedrängt. Am Weihnachtstag wurden die Truppen Wyzyckis, des unfähigen Nachfolgers Sobieskis im Kommando, durch Dorosenko und die Tataren bei Batoh am Boh vernichtend geschlagen. Und schon vernahm Warschau die lange befürchtete Unheilskunde: Sultan Mohamed hatte am 9. Dezember 1671 an Polen den Krieg erklärt. 4. Innere Wirren, äußere Not. Während fast eines Jahres war die Magnaten Verschwörung gelähmt. Ludwig XIV. untersagte dem Grafen von St. Paul die Ausreise und das Zögern der Versailler Diplomatie brachte die polnischen Großen gegen die „undankbaren“ Franzosen auf. Den Bischöfen Trzebicki und Olszowski gelang infolgedessen eine kurz währende Versöhnung der beiden feindlichen Magnatengruppen. Auf der Hochzeit zwischen Fürst Dymitr Wisniowiecki und der Schwestertochter Sobieskis, Prinzessin Ostrogska (10. Mai 1671) waren Anhänger und Gegner des Hofes friedlich miteinander vereint. Der Verrat des litauischen Hetmans Pac riß jedoch die alten Wunden wieder auf. Abbé Paulmiers, der seine Zeit abzuwarten wußte, weckte nun neuerlich Gehör. Angesichts der Türkengefahr glaubte auch Sobieski, daß die Beseitigung der Kamarilla nötig sei, die das Chaos in den Ostmarken auf dem Gewissen hatte. Der Reichstag vom Winter 1672 zeigte der Abordnung des Kronheeres das abscheuliche Schauspiel einer, im Angesicht der furchtbarsten Gefahr für die Nation, zankenden und maulenden Schwätzerschar. Eine erschütternde Denkschrift Sobieskis, die zur höchsten Anstrengung mahnte, um Kamieniec zu befestigen, Proviant und Geld zu beschaffen, um „dem Feind entgegenzuschreiten und mannhaft einzustehn für den Heiligen Glauben und für die Unversehrtheit des Vaterlands, wie für die gesamte Christenheit“, sie weckte als Echo jene denkwürdigen, fluchwürdigen Worte einer in den Sitzungssaal eingedrungenen Megäre „was liegt mir an der Verteidigung des Vaterlands, wenn ich keine Gerechtigkeit erhalte“. Soweit führte der Mißbrauch der Demokratie. „Lieber gehe Podolien und die Ukraina verloren, als die Freiheit“, riefen die Unverbesserlichen. Der Wunsch war der Erfüllung näher als sie meinten. Doch nach dem Scheitern der Beratungen, durchs Veto eines französischen Partei­mannes, hatten die Politiker andere Sorgen als den feindlichen Vormarsch. Sie glaubten das Mittel entdeckt zu haben um den verhaßten Michal seines Schutzengels zu berauben. Dieser, die holdselige Eleonore, trug mit Würde ihr Los, an den jämmerlichen Zwitter gekettet zu sein. Doch die Wände des königlichen Schlafzimmers hatten Ohren und man erfuhr, die erlauchte „Frau“ sei noch Mädchen. Darauf baute Erzbischof Prazmowski den Plan, die Ehe Michals I. ungültig erklären zu lassen und die alsdann von schändlichen Fesseln befreite, allbeliebte Monarchin mit dem Grafen von St. Paul, dem neuen Herrscher, zu vermählen. Das wurde dem Wiener Hof vorgestellt, während inzwischen gefälschte Briefe Leopolds I. dessen Zustimmung vorausnahmen und der Szlachta mitteilten. Der Kaiser lehnte jedoch empört ab. In seiner Weisung vom 9. April 1672 kündete er im Gegenteil an, er werde Wisniowiecki beschirmen. „Dieses erforderte unsre Convenienz, respect und Exempel. Es ist auch kein weiss und manier, dergestalt mit denen gekrönten Häubtern umzugehen.“ Zugleich mobilisierte Österreich einige Regimenter, die „alla personale preservatione del Re di Polonia“ bestimmt waren. Michal aber wurde ermahnt, sich an die Spitze des Pospolite Ruszenie zu begeben, alle Kräfte des Reichs gegen die Türken aufzubieten und sich mit Sobieski zu vertragen. Rat und Tat waren dem Schwager Leopolds I. bitter nötig, denn es drohten nicht nur die Muselmanen, sondern auch ein gar unbequemer Rivale, der ehemalige König Jan Kazimierz, den seine Abdankung tief reute. Zum Glück für Wisniowiecki wollten die Franzosenfreunde in Polen nichts von ihrem

Next

/
Thumbnails
Contents