Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 59. Benno Roth (Seckau): Das Seckauer Oblaywesen

197 Das Seckauer Oblaywesen. Dargestellt nach archivalischen Quellen und Akten der Grazer und Seckauer Archive: Sonderarchiv Domstift Seckau im steiermärkischen Landesarchiv, Fürstbischöfliches Ordinariatsarchiv, Katastralmappenarchiv in Graz, Abtei- und Pfarrarchiv in Seckau. Von Benno Roth (Seckau). Abkürzungen: FK = Franzisceischer Kataster: Bauparzellenprotokolle, Indikationsskizze mit Protokoll: Steier­märkisches Landesarchiv Graz. KG = Katastralgemeinde. OG = Ortsgemeinde. BH = Bezirkshauptmannschaft. 1543 z= Mell A., Das älteste Grundbuch des Stiftes Seckau vom Jahre 1543 (Stud. u. Mitt. aus d. Benediktinerorden usw., XIV. (1893), S. 539—559. Orig. Pp.hs.Nr. 2934imstmk. Landesarchiv Graz). Roth B., Besitzgesch., I. u. II. = Besitzgeschichte des ehemaligen Augustinerchorherren- u. Domstiftes Seckau, Zeitraum: 1140 bis 1270 (I.) und 1270 bis 1782 (II.) in: Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 3 (1933) und Heft 7 (1940). Roth B., lib. benefac. = Liber benefactorum ecclesiae Seccoviensis, ebenda, Heft 8 (1948). StLA = Steiermärkisches Landesarchiv in Graz. Die übrige Literatur ist in den Anmerkungen angegeben. Das Seckauer Oblaywesen. Bedeutet oblei, oblay, obleia, oblegium, obliaria, oblagium, oblata, in der Liturgie­sprache zunächst die geopferte Gabe, Brot und Wein für die Konsekration der hl. Messe *), so ist in der Urkundensprache des 14. Jahrhunderts das Wort oblaium (oblayum) gleich­bedeutend für Präbende = ein Teil des Einkommens, den ein Kanoniker eines weltlichen Stiftes oder ein Mönch eines Klosters von den Gesamteinnahmen des Kapitels, bzw. des Klosters für seinen Unterhalt erhielt* 2). Im gleichen Sinne wurde auch das Wort Präbende (praebenda, sc. pars = entsprechender Teil des Gesamteinkommens) gebraucht. Schließlich gebrauchte man das Wort in den klösterlichen Urkunden auch für das Amt, das der sogenannte oblaiarius inne hatte, dem die Verwaltung, bzw. die Einbringung der oblai (oblata) oblag. So bedeutet oblay (oblei) einen bestimmten Fonds zur Aufbesserung oder Erhaltung der Lebensweise in den Klöstern, in den weltgeistlichen Stiften hingegen die stiftungsmäßige Ergänzung der Präbenden 3). Der Admonter Benediktiner und steirische Geschichtsschreiber A. Muchar gibt u. a. auch die Gründe an, die zur Errichtung des Oblaiwesens, bzw. -amtes führten. In seiner „Geschichte des Herzogtums Steiermark“ berichtet er, daß im Stifte Admont selbst infolge der unfruchtbaren Jahre, der Steuern, ferner durch Verkauf und Verpfändung vieler Güter die jährlichen Einnahmen so sehr vermindert wurden, daß sie kaum mehr für die Versorgung der Mönche mit Kost und Kleidung hinreichten 4). x) Lexikon für Theologie und Kirche, VII. Bd. (1935), S. 663. 2) oblaium (oblayum) = administratio seu mensa rerum ecclesiis oblatarum seu concessarum ad cultus divini augmentum. Tradit. Diesens. ad annum 1335, Du Cange, Glossarium mediae et infimae Latinitatis, Tom. VI. (1886), S. 6. 3) Ebenda, wie Anm. 1. 4) Muchar A., Geschichte des Herzogtums Steiermark, VI. Bd. (1859), S. 211.

Next

/
Thumbnails
Contents