Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 56. Rudolf Till (Wien): Der Sicherheitsausschuß des Jahres 1848

Der Sicherheitsausschuß des Jahres 1848. 123 für die Regierung sollte er sein. Ja noch mehr. Man sprach es offen aus, die Regierung des Volkes selbst, eine Art provisorische republikanische Regierung. Die Betreuung der Sicherheitsagenden sollte nicht Zweck, sondern nur Mittel zum Zweck, zur Erreichung der Macht im Staate durch Beherrschung der Exekutive sein. Der Sicherheitsausschuß war eigentlich für die ganze Zeit seines Bestandes keines ganz und ausschließlich, wie ein gründliches Studium seiner Protokolle beweist. Er ver­suchte vielmehr, in einer gewissen Vermittlerrolle das politische Wollen der verschiedenen Elemente auf einem Nenner zu bringen, auszugleichen, die Wogen zu glätten, dem Arbeiter zu seinem Rechte zu verhelfen, aber auch den Auswüchsen eines arbeitsscheuen Proletariats entgegenzutreten. Er erreichte dies besonders unter dem Druck der Straße nicht immer und rief zum Teil durch halbe, unbefriedigende, zum Teil durch zuweitgehende radikale Lösungen Enttäuschung hervor. Das konservative Bürgertum, das seine Einsetzung am 26. Mai anregte und erstrebte, wandte sich bald von ihm ab. Ebenso die liberalen Elemente, die anfänglich in ihm den Garanten der errungenen Freiheit sahen, durch seine zu stark betonte Politik der Straße aber entfremdet wurden. Die Radikalen hinwieder waren enttäuscht, daß der Sicherheitsausschuß seine eigentliche Sendung nicht begriff, Träger des repu­blikanischen Gedankens in Wien zu sein und diesen Gedanken durch seine Selbstauflösung ernstlich gefährdete. Daher ist es erklärlich, daß er, der ursprünglich ein Gegenstand unbedingter Verehrung des Volkes war, Ende August fast unbeachtet sich auf lösen konnte und kaum eine Anerkennung seiner Leistungen fand. Er, der in seinem Memorandum vom 24. August an den Reichstag das Vertrauen des Volkes als den einzigen Zensus seiner Mit­glieder bezeichnete J), hatte dieses Vertrauen zum Großteil verloren und konnte es nicht wieder gewinnen. Daher mußte diese Institution das Feld räumen und es fand ihre zweifellos anzuerkennende unermüdliche Tätigkeit eine verschiedene Beurteilung bis zum heutigen Tage. *) *) Staatsarchiv, R. T. Akten 145/64 A.

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