Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 5. Karl Lechner (Wien): Das Archiv der ehemaligen Propstei Gloggnitz, seine Geschichte und seine Bestände, nebst Regesten

Archiv der ehemaligen Propstei Gloggnitz. 79 Urkunde Nr. 5 stellt die Inserierung und Bestätigung der Urkunde Nr. 2 von 1146 dar. Sie ist bei Martin, Salzburger Urkundenbuch III, 898, nach einem Formbacher Copial- buch aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (Formbacher Literale Nr. 4, Hauptstaats­archiv München) abgedruckt; dieses hat aber zweifellos gegenüber dem Original, das dem Druck in Mon. Boica IV (S. 153 f., Nr. 22) zugrunde liegen dürfte, Fehler aufzuweisen. Vor allem soll es bei den Zeugen richtig heißen: ,,Rudegerus de Lonsdorf“ statt ,,de Lantstrass“, aber auch nicht ,,de Lantsdorf“, wie der Abdruck in Mon. Boica hat. Auch hier scheinen noch zwei gleiche Stücke ausgestellt worden zu sein. Ganz andere Probleme stellt die Urkunde Nr. 6. Sie gehört nicht dem alten Gloggnitzer Bestand an. Sie ist die erste einer Reihe von Urkunden, die nicht unmittelbar mit Gloggnitz zu tun haben, wenn sie sich auch auf benachbarte Gebiete beziehen. Sie zeichnen sich dadurch aus, daß in dorso ein grüner Zettel aufgeklebt ist, der in einer Schrift aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts ein kurzes Regest verzeichnet mit einer selbständigen Numerierung. Unser Stück trägt so die Bezeichnung Nr. 1. Es bezieht sich auf einen Indulgenzbrief des päpstlichen Legaten Konrad, Propst von St. Guido in Speyer *), für das Augustiner Nonnen­kloster St. Peter (an der Sperr) in Wr. Neustadt. Den Inhalt der Urkunde gibt J. Mayer in seiner Geschichte von Wr. Neustadt, I. Bd., erschienen 1924, einige Male an: S. 90 f., 152 und besonders 184, ohne daß er seine Quelle nennt oder etwas über den Lagerort des Originals angibt. Zweifellos schöpft er aus einer copialen Überlieferung. Doch läßt sich der Nachweis für die Herkunft unseres Stückes erbringen. Es ist klar, daß es aus dem Archiv des ehemaligen Klosters St. Peter in Wr. Neustadt stammen muß. Dieses ist unter Bischof Khlesel dem Bistum Wr. Neustadt einverleibt worden. Die Urkunde erlag also wohl im Bis­tumsarchiv. Dafür spricht eindeutig, daß sich eine Abschrift unserer Urkunde in dem nach­gelassenen zweibändigen handschriftlichen Werk über das Bistum Wr. Neustadt von P. Mar­cus Hansiz S. J. (1683—1766) findet, das in der Wiener Nationalbibliothek erliegt. Eine Ab­schrift dieses Werkes befindet sich in der Bibliothek des Neuklosters in Wr. Neustadt, wo — dank einer freundlichen Mitteilung von Prof. G. Niemetz, Wr. Neustadt — im II. Band, p. 4, die Urkunde wörtlich eingetragen ist 2). Wie aber und wann das Original — so wie die anderen ähnlichen Stücke — nach Gloggnitz gekommen ist (mit der Übersiedlung des Bis­tums von Wr. Neustadt nach St. Pölten ist es keineswegs mehr dorthin gekommen), bleibt zweifelhaft; in dem oft erwähnten Archivindex von 1790 ist sie noch nicht verzeichnet3). Die nächstfolgenden Urkunden, die sich zwar letztlich auf Gloggnitz beziehen, in denen aber Abt und Konvent von Formbach als Geschäftsherren auftreten, sind wohl ursprünglich auch im Archiv des Mutterklosters Formbach gelegen und vermutlich erst später nach Glogg­nitz gebracht worden. Unter den späteren Urkunden sind besonders erwähnenswert: einige landesfürstliche Urkunden (vom Jahre 1334, 1393, 1430, 1489), die bei Lichnowsky nicht einzugehen. Aber es wird damit wohl die Annahme bestätigt, daß auch diese Urkunde ursprünglich in zwei Exemplaren ausgestellt war. — Übrigens bleibt die Möglichkeit bestehen, daß auch die Urkunde von 1163 in zwei Gleichstücken ausgestellt war, von denen etwa das eine auf Grund des Schiedsspruches von 1217 vernichtet wurde, während das andere sich in Formbach bzw. Gloggnitz erhalten hat. *) Conrad von Steinach ist als Propst von St. Guido von 1224 bis 1258 nachgewiesen, in welch letzterem Jahr er starb. Er ist im Gefolge der Erzbischöfe von Speyer weit herumgekommen und war zuletzt noch in Burgos in Spanien bei Alfons von Kastilien; vgl. F. H. Remling, Urkundenbuch zur Geschichte der Bischöfe von Speyer, I. Bd., und Hilgard, Urkunden zur Geschichte der Stadt Speyer, S. 36 f., 45, 50. 2) P. Hansiz’ Hauptwerk ist bekanntlich die Germania Sacra in drei Bänden (Diözese Passau, Salzburg, Regensburg), erschienen 1727, 1729 und 1754. In seinem handschriftlichen Nachlaß in der Wiener Nationalbibliothek, der 13 Bände in Folio umfaßt, findet sich neben dem Werk über das Bistum Wiener Neustadt auch ein solches über das Zisterzienserkloster zur hl. Dreifaltigkeit (Neukloster) in Wiener Neu­stadt. Hansiz ist auch bekannt durch seine Kontroversen mit dem Melker Benediktiner P. Bernhard Pez. 3) Nach Ablösung des grünen Zettels mit dem Regest aus dem 19. Jahrhundert zeigen sich folgende alte Dorsualvermerke auf der Urkunde: aus dem Ende des 14. Jahrhunderts: „privilegium bonum“, und aus dem 15. Jahrhundert: ,,valetEin Registraturzeichen findet sich nicht.

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