Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 4. Anton Largiadér (Zürich): Schweizerisches Archivwesen. Ein Überblick

50 Largiadér, das Archivwesen eine wichtige Bedeutung zu. Die Ordnung der Gemeindearchive im Kanton Graubünden ist das Werk der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft dieses Kantons, die diese Aufgabe später dem bündnerischen Staatsarchiv abgetreten hat. Der Historische Verein des Kantons St. Gallen erklärte die Aufarbeitung, Inventarisierung und Überwachung der Gemeindearchive zu seiner Arbeit. Die Historische Gesellschaft des Kantons Aargau hat nicht nur die Inventarisierung der Stadtarchive dieses Kantons durchgeführt, sie hat sich auch durch die Herausgabe städtischer und klösterlicher Urkundenbücher ein Verdienst er­worben. Viele der historischen kantonalen Gesellschaften haben im 19. Jahrhundert Urkunden­sammlungen angelegt und so die massenhaft auf dem Antiquitätenmarkt auftauchenden Per­gament- und Papierbestände vor dem Untergang oder vor der Abwanderung ins Ausland ge­rettet; solche Sammlungen größeren Umfanges besitzen die Antiquarische Gesellschaft in Zürich, der Historisch-Antiquarische Verein in Schaffhausen, der Historisch-Antiquarische Verein der Stadt Winterthur, die Historisch-Antiquarische Gesellschaft von Graubünden; die Allgemeine Geschichtforschende Gesellschaft der Schweiz ließ Regesten der Urkunden schweizergeschichtlichen Inhaltes in der Urkundensammlung des Germanischen Museums in Nürnberg bearbeiten. Seit dem Jahre 1922 besteht eine ,Bereinigung Schweizerischer Archivare“ (Association des archivistes suisses), deren Mitgliedschaft jedem Archivbeamten, sei er hauptamtlich oder nebenamtlich beschäftigt, oflfensteht. Die Vereinigung versammelt sich einmal im Jahr zur Besprechung von Fachfragen und besichtigt bei dieser Gelegenheit die am Tagungsort gelegenen Archive. Das Publikationsorgan der Vereinigung ist die von der Allgemeinen Geschichtforschenden Gesellschaft herausgegebene ,,Zeitschrift für schweizerische Geschichte“, seit 1947 wurde der Versuch der Herausgabe eines maschinengeschriebenen Mitteilungsblattes unternommen, das den Zusammenhang unter den Mitgliedern fördern soll. In der „Zeitschrift“ erscheint jährlich ein Bericht über die Jahresversammlung und alle fünf Jahre eine zusammenfassende „Rundfrage über wichtigen Zuwachs und größere Erschließungs­arbeiten der schweizerischen Archive“. Diese Rundfragen und weitere, die Archive betreffende Veröffentlichungen werden als Sonderdrucke aus der „Zeitschrift“ herausgegeben und bilden eine besondere Schriftenreihe der Archivarenvereinigung J). Von den zum Teil bedeutenden Nebensammlungen der Staatsarchive erwähne ich zunächst die Schweizerische Siegelsammlung im Staatsarchiv zu Basel. Sie geht auf die Schenkung einer Privatsammlung vom Jahre 1878 zurück, wurde später ausgebaut und setzte sich zum Ziel, „auf dem Wege methodischer Durchforschung der Siegelbestände schweizeri­scher Archive eine möglichst reiche Sammlung von Siegelnachbildungen zusammenzubringen und diese in einer Weise zu organisieren, daß sie für historische, speziell genealogische, und für kunsthistorische Arbeiten ein umfassendes Material darbietet“. Das Staatsarchiv Basel besitzt ferner das Historische Grundbuch, begründet und ausgebaut durch einen Gönner, Dr. Karl Stehlin; in Form von Regesten über die Liegenschaften sind im Laufe der Jahre *) Die Vereinigung gab sich Statuten, die vom 13. September 1941 datiert sind. — Die bisher erschienenen Schriften der Vereinigung sind folgende: Nr. 1: Rundfrage über wichtigen Zuwachs und größere Erschließungsarbeiten der schweizerischen Archive im Zeitraum 1930—1934. In: Zeitschrift für Schweizerische Geschichte, 14. Jahrgang (1934), S. 393—400 und 535—552. Nr. 2: Anton Largiadér, Unsere Gemeindearchive; mit besonderer Berücksichtigung des Kantons Zürich, a. a. O., 15. Jahrgang (1935), S. 97—118. Nr. 3: Léon Kern und Edgar Bonjour, Summarisches Verzeichnis der Abschriften aus ausländischen Archiven, die im Bundesarchiv aufbewahrt werden, a. a. O., 15. Jahrgang (1935), S. 422—432. Nr. 4: Rundfrage über wichtigen Zuwachs und größere Erschließungsarbeiten der schweizerischen Archive im Zeitraum 1935—1939, a. a. O., 21. Jahrgang (1941), S. 798—828. Nr. 5: Richard Newald, Das erste Auftreten der deutschen Urkunde in der Schweiz, a. a. O., 22. Jahr­gang (1942), S. 489—507. Nr. 6: Dritte Rundfrage über wichtigen Zuwachs und größere Erschließungsarbeiten der schwei­zerischen Archive im Zeitraum 1940—1944, a. a. O., 25. Jahrgang (1945), S. 268—303.

Next

/
Thumbnails
Contents