Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 27. Albert Bruckner (Basel): Die „Jura Curie in Woffenheim“, ein unbekanntes Weistum des 13. Jahrhunderts
438 Bruckner, Im folgenden sei ein sehr frühes elsässisches Weistum mitgeteilt, die „Jura curie in Woffenheim“, das bisher in der Literatur kaum bekannt ist. In seiner sonst ausgezeichneten und gründlichen Zusammenstellung der Elsässischen Weistümer hat Karl Rudolf Kollnig das Stück nicht vermerkt *). Es findet sich als eigentlicher Pergamentrodel des frühen 13. Jahrhunderts in der Abteilung StA. Basel, Adelsarchiv, H 3 w 34. Eine ältere Hand notierte dorsual „Rodell von Woffenheim, Caps. 1 (?) no. 76 (?)“, eine jüngere, des 18. Jahrhunderts, „Dinghoffrecht in Wolfenheim“. Das Dorf Woffenheim (Kr. Colmar) ist 1444 von den Armagnaken zerstört worden * 2). In seiner Nähe entstand um 1047 die Benediktinerinnenabtei Heiligenkreuz, eine Stiftung des Nordgaugrafen Hugo und seiner Gemahlin Heilwig von Dagsburg, berühmt durch die Mitwirkung Papst Leos IX. Die Hattstätter waren in Woffenheim bereits im 13. Jahrhundert begütert 3). Das Material darüber ist außerordentlich dürftig. Hingewiesen sei u. a. auf den Eintrag in dem Urbarpergamentrodel des 13. Jahrhunderts (ibidem H 3 v, 1. Schachtel), worin vom Korngelt zu Woffenheim die Rede ist 4). Der Text des fraglichen Weistums lautet wie folgt: Hec sunt jura curie in Woffenheim. In medio Agusto est placitum3) curie in Woffenheim. Tunc advocatus illius curie veniet in prima vespera mettercius b) et villicus dabit eis siccum stabulum et presepe aridum et accipiet trituratum pabulum ab hominibus curie, et villicus solvet illa nocte expensas advocati illius, et villicus hostium anterius custodiet et advocatus posterius; et si amiseritc) ad anterius villicusd) solvet. Die vero placiti veniet dominus, qui dicitur castvogt, et suos equos locabit iuxta equos advocati, et advocatus solvet expensas illa die faciendas; villicus residebit in eadem curia, quod si extra ipsam tamen nichilhominus parebit advocatus in iure suo, eadem curia in tali conswetudine habetur, quod si homines ad predictam curiam pertinentes intrabunt, ter in anno de suis corporibus et non de rebus, primum in medio Agusto, secundum post XIIIIor dies, tercium post septem dies, et cum primo pulsatum est, secundario non pulsetur, donec unus possit venire de extremo usque ad curiam, et ita ter pulsetur. Item hominum illorum ad curiam pertinentium nullus uxorabit0) extra curiam sine licentia, quod siquis fecerit, emendabit res et corpus usque ad gratiam advocatis, quocumque diverterint. *) Karl Rudolf Kollnig, Elsässische Weistümer. Untersuchungen über bäuerliche Volksüberlieferung am Oberrhein. Frankfurt am Main 1941 (Schriften des Wissenschaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer im Reich an der Universität Frankfurt, NF. no. 26). Der Rodel ist bei Scherlen, a. a. O. 158 und Anmerkung 732 erwähnt. 2) Zu Woffenheim vgl. Das Reichsland Elsaß-Lothringen III, 2, s. v. ferner J. M. B. Clauss, Historisch-topographisches Wörterbuch des Elsaß, 453—455 (Heiligkreuz); Germania Pontificia, vol. II, pars II, Helvetia pontificia, 1927, 282—284, mit weiterer Literatur. 3) Das egisheimische Woffenheim gelangte als bischöflich—straßburgisches Lehen 1251 an Graf Theobald von Pfirt, der es damals an die Hattstatt weiter verlieh. 1324 wurde es habsburgischer Besitz. Die Hattstatt verkauften 1344 das Dorf, samt Dinghof und Meiertum, an das Bistum Straß bürg, vgl. Scherlen 134 und 158. — Neuerdings erhielten die Hattstatt 1263 IX 3 die pfirtischen Güter zu Woffenheim zu einem rechten Mannlehn von Graf Ulrich von Pfirt verliehen, vgl. StA. Basel, Adelsarchiv H 3 a, no. 377a, Papierkop. des 15. Jhs. 4) Der Text lautet: Diz ist daz korngelt ze Woffenheim. Zem ersten von dem hftpgiite, so git meiger Ludewig ahte vierteil beider kornes roggen und gersten un meiger Rutliep vier vierteil drv infoi un swester Heilwig vier vierteil un drv infoi. Giselbrehtes kint vier vierteil un dry infol. dis ist alles ein halp ander. “) Von erster Hand am Rand nachgetragen. b) met von erster Hand über der Zeile eingetragen. c) Folgt getilgtes i. d) uillius, Original. e) Folgt getilgt et.