Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 26. Willibrord Neumüller und Kurt Holter (Kremsmünster): Kremsmünsterer Briefe aus der Zeit des Interregnums
Kremsmünsterer Briefe. 429 und rechtlichen Gründen und trägt ihnen auf, ihm zwei Pelzröcke und eine Tunica (Habit) auszufolgen. Für den Fall, daß jener wieder zu ihm zurückzukehren genötigt sei, sichert er ihm seinen Rechtsschutz zu. Er versichert, jener habe sich weder gegen seinen Abt noch gegen seine Brüder verleumderisch geäußert. Mitte 13. Jahrhundert1). Falz, 31x118 mm. Neun Zeilen unvollständig erhalten, da unten und oben mit Textverlust beschnitten. Aus CC 332, f. 18/23. Schrift ähnlich der des vorhergehenden Stückes. Rückseite: Federproben zirka 1300 und brief konzeptartige, unvollständige Aufzeichnungen. . .. sincera dilectione in domino orationes. Latorem presencium eonfratrem vestrum Heinricum ecclesie sue pariter et prebende auctoritate qua fungimur restituimus mandantes, quatenus ipsum tanquam filium teneatis dilectum. Audivimus enim vos dixisse, quod dictum latorem et fratrem occasione istius queremonie ubicumque poteritis velle gravare, immo quod auditu horrendum est, cordi vestro quamdiu vixeritis reservare, quod Deus avertat, quia peccatum in spiritum sanctum est. Noveritis etiam vos, si ita est, contra sacros canones et constitutiones capituli generalis tale verbum effudisse. Volumus etiam immo precipiendo auctoritate qua fungimur mandamus, quatenus latorem presencium prememoratum duo pellicia et tunicam, quas se asserit expendisse, habere faciatis. Alioquin, si ad nos redire coactus fuerit quod iustum est faciemus. Preterea nea) ipsum super inquisitionem suspectum habeatis, dicimus, quod nec prelatums uum neque confratres diffamavit aut dictis suis dehonestavit . . . 27. Abt Ulrich von Altenburg bittet Abt Berthold von Kremsmünster, ihm im Hinblick auf den vollständigen Mißwuchs in Österreich zwei Scheffel Hafer bis zum nächsten Jahr zu leihen, die er dann mit zwei Scheffel Weizen zurückzuerstatten verspricht. Er bittet, den Hafer mit dem schon lange versprochenen Gefäß dem Überbringer des Schreibens auszufolgen. 1262 2). Falz, 46x 166 mm. Sieben Zeilen, unten etwas beschnitten, doch ohne Textverlust. Rechts ein Streifen verwaschen. Der erste derartige Fund, 1937 aus einer Kremsmünsterer Handschrift abgelöst. Feine, flüssige, links geneigte Kursive. Von derselben Hand, vielleicht Frater Heinricus, auch Nr. 28 und ein weiteres Fragment. Rückseite: Venerabili abbati in Chremsmvnster. Reverendo in Christo patri et domino sp(eci)alissimo Berh. vernerabili abbati in Chremsmunster, VI. Dei gratia abbas in Altenburch cum oracionibus et subiectione promp1) Es kann kein Zweifel sein, daß es sich um dieselbe Angelegenheit handelt, wie im vorausgehenden Brief. Absender und Empfänger sind aber in keinem genannt. Der Ton dieses Briefes ist der einer Vorgesetzten Instanz, die ausdrücklich auf ihre Autorität hinweist. Wenn das Schreiben an Kremsmünster gegangen ist, kommt dafür wohl nur der Bischof von Passau in Betracht. Die Möglichkeit, daß ein Konzept vorliegt und der Brief von Kremsmünster ausgegangen ist, wobei der Abt, ähnlich wie über Garsten (vgl. Nr. 23), die Befugnisse eines Visitators gehabt hätte, besteht zwar auch, ist aber weniger wahrscheinlich. Auf Nr. 28 wurde schon hingewiesen, wo sowohl die Bitte um einen Pelzrock als auch die Ablehnung des Vorwurfes der Verleumdung vorkommt. 2) Innerhalb des Zeitraumes, der den Regierungen der Äbte Berthold von Kremsmünster, 1256—1274, und Ulrich von Altenburg, 1260—1282, gemeinsam ist, ist nur eine große Dürre, 1262, und im Folgejahr eine große Hungersnot überliefert. Vgl. MG. SS. VII, 178, 509, 560, 645, XVII, 344. Man wird daher nicht fehlgehen, den Brief auf 1262 zu datieren. Außer dem folgenden ist noch ein kleines Fragment, 41 x 52 mm, mit acht Zeilen, von derselben Hand erhalten, das aber nur etwa das rechte Drittel eines Briefes darstellt und keinen Inhalt ergibt, weshalb von einer Veröffentlichung abgesehen wurde. Vgl. auch H. Burger, Geschichtliche Darstellung des Benediktinerstiftes S. Lambert zu Altenburg in Niederösterreich. Wien 1862, S. 15—18. Der Brief weist auf arge Dürftigkeit im damaligen Altenburg hin. Die Bezeichnung ,,Austria“ ist sichtlich im Gegensatz zu dem Landstrich verwendet, in dem Kremsmünster liegt. 26. a) lat gestrichen.