Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 26. Willibrord Neumüller und Kurt Holter (Kremsmünster): Kremsmünsterer Briefe aus der Zeit des Interregnums

Kremsmünsterer Briefe. 421 Zwei Falze, 31 X 52, bzw. 54 mm, dazwischen fehlt eine Buchstabenbreite. Sechs Zeilen. Die ehe­maligen Falzbüge etwas beschädigt, links in der dritten Zeile ein kleines Loch, das rechte Stück etwas verwaschen. Aus CC 126, f. 297/8, 310/315. Kursivminuskel, ähnlich der Schrift der vorausgehenden Stücke. Rückseite: Venerabili Preposito de sancto Floriano, Arch. Venerabili patri et domino D. preposito sancti Floriani et A[r]ch(i)d(iacono) Laurea- censi Or. dei clementia Gerstensis abbas orationes et obsequium devotum. Ad examinandam [causjam nobis a domino nostro episcopo commissam presenciam nostram exhibere non possumus feria iiiita proxim[a] sicut dominus [a]bbas per suas litteras duxerat postulandum. Qua propter litteras citatorias ad partes convocandas in Kemnat [en] feria sexta post nati­vitatem sancte Marie proxima quoniam nos interessé possumus, dum modo vobis nichil o[b]sistat scribi faciatis partibus auctoritate nobis concessa peremtorie convocatis. 9. Abt W ernhard von Lambach bittet Prior und Konvent von Kremsmünster, einen Krems- münsterer Mönch, den Überbringer des Briefes, wieder aufzunehmen. Um 1247 J). Zwei Fälze, zusammen 47 x 80, bzw. 70 mm, sieben Zeilen. Links geringfügig beschnitten, es fehlen etwa zwei Buchstaben, rechts um 1, bzw. 2 cm beschnitten. Aus CC 126, f. 270/274, 304/305. Minuskelschrift mit wenig kursiven Elementen. Rückseite von gleicher Hand: Conventui Chremsmunstrensi. Venerabilibus et dilectis fratribus et dominis . pri[ori] [tojtique conventui in Chrems- mvnster W. Lambacensi[. . jminister, vere dilectionis et karitatis augmentum. Quo[niam de] universitate vestra plurimum presumimus, latorum (!) presenta)[ium fra]trem vestrum vobis transmittimus pro ipso et cum ipso . . . si ipse vos in aliquo gravaverit intuitu nostri si ... in locum suum pristinum ipsum suscipere v ... 10. Frater W., predicator, rät Abt Ortolf von Kremsmünster, er solle die Einwohner von Fischen auf anderen Besitzungen des Klosters ansiedeln und durch mehr katholische ersetzen; sonst würde seiner Meinung nach, da sie alle durch die Ketzerei verdorben seien, das Dorf auf Befehl des Fürsten von Österreich von Grund aus zerstört werden. Um 1250*). * * 3 * * * * * 9 Linz, IV. Bd., 1907, S. 36). Kematen als Ort der Zusammenkunft würde gut passen. Von den beiden angegebenen Jahreszahlen ivürde aber dann nur 1244 passen. Ortolf war 1243—1253 Abt von Garsten, Dietmar ist nach 1250 gestorben. J) Da der Brief nicht an den Abt gerichtet ist, liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, ihn kurz nach dem 3. April 1247, dem Tode des Abtes Heinrich von Piaién, zu datieren, dem einzigen Abtwechsel in Kremsmünster während der Regierungszeit des Abtes Wernhard von Lambach, 1241—1261. Auch der altertümliche Schrift­charakter spricht für frühe Entstehung. Die auffallende Diktion Lambacensis ecclesie oder Lambacensium minister wird auch bei einem anderen Lambacher Brief verwendet. Vgl. Nr. 33. 2) Das Kremsmünsterer Amt mit Amtshof Fischen liegt in der Gemeinde Kematen an der Krems. Unter dem Princeps Austrie ist wahrscheinlich Ottokar zu verstehen, demnach der Brief nach 1250 und vor 1256, dem Tode des Abtes Ortolf, zu datieren. Man kann es für wahrscheinlich halten, daß der Predicator W. in mehr oder minder unmittelbarer Verbindung stand zu dem „Passauer‘l Anonymus, einem Ketzer-Inquisitor der Passauer Diözese, der 1260 seine wichtige, als „Pseudo-Rainerus“ bekannte Schrift über die ,,Waldenser“ schrieb. Er gibt u. a. eine Zusammenstellung des Hauptverbreitungsgebietes dieser Sekte, unter der man wahrscheinlich die „Brüder des freienGeistes11 verstehen darf, das sich südlich der Donau und beiderseits der Enns im Raume zwischen Eferding— Wels und Ybbs besonders konzentrierte. Unter den Orten mit Ketzerkirchen nennt er auch Kematen und sagt darüber: Item in Chemnaten, et ibi scholae plures. Plebanus occisus est ab eis. Die Stelle ist die Hauptquelle für unsere Kenntnis von diesen Dingen und seit Gretser bekannt. Vgl. Jac. Gretser, Maxima bibliotheca veterum patrum, XXV, Lugduni 1677, S. 264, derselbe, Opera omnia, XII/II, Ratisbonae 1738, S. 27. W. Preger, Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter I, Leipzig 1874, S. 168 ff., geht auf das Original der Münchener Handschrift zurück. Vgl. auch W. Preger, Beiträge zur Geschichte der Waldesier im Mittelalter, Denkschrift der königlich-bayrischen Akademie der Wissenschaf ten XIII. 9. a) Nur die Oberlängen vorhanden.

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