Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 23. Hanns Leo Mikoletzky (Wien): Zur Charakteristik Bruns von Querfurt

Zur Charakteristik Bruns von Querfurt. 387 Knuts des Großen1), den Missionären zum Teil werden ließ. Brun war sicher nicht un­empfänglich für gute Behandlung, insbesondere nach dem verunglückten Abschied von Heinrich II. in Merseburg und wohl auch nach seinem Aufenthalt bei einem Mann, dem der Papst persönlich die Königskrone gesandt hatte, während Otto III. sie dem Polen trotz aller Zuneigung versagte, obschon er ihm ,,multa bona pro ceteris facere . . . frustra in desiderio habebat“2), was aber bestimmt nicht die Nachfolge im Reich als Ergebnis der eigenen Abdankung gewesen sein kann, wie man auch gemeint hat 3). Dem Mönch schien Boleslaw vielleicht ein Ringender und vergeblich Strebender zu sein gleich ihm, der nicht „cum sanctis sanctus, cum electis electus, quin potius esse ut miser et miserabilis sarabaita 4) in propria voluntate et spinosus hypocrita in vana gloria“5), dem, wie er angibt „voluptas pro lege“ galt und der unstet davonging auf des eigenen Sinnes Weg „dumque mihi . . . placet errare post mundum in desideriis meis, qui preparatus sum multis dominis servire6) . . . “ Er mißbilligt die Angriffe, die Boleslaw vom deutschen König seit dem Tod Ottos III. zu erleiden hat: der „Bruder und Beistand des Kaisertums“, der „Freund und Bundesgenosse des römischen Volkes“7) war aus seiner Stellung verdrängt worden. Der Letzte, dem noch ähnlich dem Sohn der Theophanu ein großer Zug eignete und der sich gern einen „Lehnsmann“ und „Tributpflichtigen Petri“8) nannte, der für Gott viel und für die Sendboten Gottes, besonders nach ihrem Tod, alles tat, was in seiner Macht stand, wurde zugunsten kleinlicher nationaler Interessen bedroht: das weite Feld der Tätigkeit, das Otto III. erschlossen hatte, schien wieder ungangbar geworden. Die stärkere, einseitige „Obrigkeit“, die sich auch bei der Mißhandlung Merseburgs im Dienst von Magdeburg „plenum deliciis“9) hervorgetan, wollte neuerdings über den Besseren obsiegen. Doch schon einmal geschah ein Wunder und „sanctus Petrus cuius tributarium se asserit et sanctus martyr Adalbertus . . . protexerunt“, umsonst liegen ja auch nicht die fünf Märtyrer frei­willig in polnischer Erde10). Und ähnlich wie Brun dachten viele, nicht aus denselben Gründen, aber mit derselben Abneigung gegen eine ihre Kreise störende königliche Zielsetzung11). So war Markgraf Ekkehard von Meissen, der mit Otto III. an Bruns Seite 997 nach Italien gezogen war und neben Herzog Herimann von Schwaben 1002 als einflußreichster Bewerber um die verwaiste Krone galt, Boleslaws Freund gewesen 12) und nach Thietmars beweglichen Klagen zu schließen13), war er nicht der einzige, der sich dem Osten friedfertig näherte. Brun von Querfurt nun ist kein einfacher Parteigänger14), in ihm glüht der Geist des heiligen Paulus, auch wenn er ihn kaum erwähnt: er will den Sieg der gerechten Sache, aber 4) Thietm. VII. 28 (MG. SS. n.s. 9, 433). Auch Adam. Brem. II. Sehol. 25 und c. 37 (MG. SS. VII. 318, 319). 2) Brun. Passio, c. 8 (MG. SS. XV/2. 724). 3) Vgl. dazu Voigt, S. 251/A. 294. 4) Vgl. Cassian. Coni. XVIII. 4, 7 und Reg. Ben. 1: monachus nulla regula approbatus. 5) Brun. Passio c. 10 (MG. SS. XV/2. 726). 8) Ebenda. 7) Gall. Chron. I. 6 (Mon. Pol. I. 401). 8) Vgl. auch Thietm. VI. 56 (MG. SS. n.s. 9, 343): promissum principi apostolorum Petro persol­vere censum. 9) Brun Passio s. Adalberti c. 12 (MG. SS. IV. 600). 10) Vgl. Brief (Giesebrecht, II., S. 704), auch Brun. Passio c. 16, c. 17 (MG. SS. XV/2. 734). n) Vgl. H. Zeissberg: Die öffentliche Meinung im 11. Jahrhundert über Deutschlands Politik gegen Polen. (In: Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien. XIX. 1868), S. 83ff. 12) Vgl. Thietm. V. 5 (MG. SS. n. s. 9, 225). Vielleicht bestanden noch engere Bande zwischen den beiden, vgl. Giesebrecht, Kaiserzeit, II., S. 16. 13) Thietm. V. 6: et inhoneste quasi ad dominum ad eundem profecti, honorem innatum supplicatione et iniusta servitute mutabant; 10, 15, 19; VI. 56; VII. 7 (MG.SS.n.s. 9: 227,231,237,238,243,343,344,408). \ gl. auch Ann. Quedlinb. a. 1002: sed et Bolizlavonem Poloniae ducem occurrisse et regis gratiam sibi supplicasse, foedere pacis promisso, reperiunt (MG. SS. III. 78). 14) Vgl. Hirsch II., S. 264, ähnlich auch S. 272.

Next

/
Thumbnails
Contents