Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 23. Hanns Leo Mikoletzky (Wien): Zur Charakteristik Bruns von Querfurt
384 Mikoletzky, Otto I., „pius“ und „rigidus“, war ihm möglicherweise nicht zu fern, aber der „Lenker des Erdkreises“, „cum quo prospera Dei concurrerunt, multa bona christianae religioni accreverunt“, „cuius aurea tempora nunc cum gemitu memorat, cum pressa malis ecclesia absque ulla requie hostes insurgere dolet“1), war der Mann gewesen, der diese Kirche auf ihren gegenwärtigen zukunftträchtigen Platz gehoben hatte. Trotz seinen Härten verkannte selbst Brun nicht, wieviel sie ihm schuldete2). Doch dafür ist Otto der Jüngere, „qui tum loco patris rapidis cruribus montem imperii scandit, set non dextro omine, nec vivo maturove sapienciae signo rem publicam rexit“, der erste, der den Frieden, geboren aus der Furcht vor dem Vorgänger, tötet3). „Tunc peccato Ottonis“ stieg der Staat geschändet von seinem Thron; auf allen Linien besiegt, „quia mulierem audivit“4 *), steht der Kaiser da. „Vae nostro miserabili aevo! nemo rex studium adhibet, ut convertat paganum, quasi Deus de caelo iubeat, diligunt honorem suum, o Christe, non lucrum tuum“6). Obwohl Otto „rei publicae talem errorem gemuit, Christianorum tot mortibus paganorum animas sociavit“, „in tantis adversis illum circumfluentibus non resipiscit; quid contrarium ministro imperatoris gesserit, quid pio Laurencio peccaverit, non recognoscit“6), sind es also vorläufig noch die mangelnde Förderung der Heidenbekehrung und die Aufhebung Merseburgs, die dem Kaiser hier vorgeworfen werden, noch ist es einzig der sich vielleicht zurückgesetzt fühlende Missionär und mitberaubte Grafensohn7), der aufbegehrt und sogar von Ottos II. Bestrafung träumt, da man wahrscheinlich unter dem „cuidam sapienti“, der das Gesicht hatte, Brun selbst zu verstehen hat8). Noch rührt sich der Politiker nicht in ihm, wenn man nicht die kleine Bemerkung, „et est, eheu pro peccatis! qui persequatur christianum, et nullus prope dominus rerum, qui ecclesiam intrare compellat paganum“9) auf den Krieg gegen Polen deuten möchte, weil sie fast wörtlich in Bruns Brief an Heinrich II. wiederkehrt. Aber auf Otto II., der „et dum omne quod vult regem oportere sequi, non bene putat“10 *), folgt Otto III., von Gregor V., „quem ipse in capellam suam tractum posuit ... cesarem benedixitque“n), wie der Anhänger der lothringischen Reformschulen schreibt.12) Und es schien, „quasi post Deum secunda iusticia venit“13). Otto ist für Brun ein „homo bonae voluntatis“2) und ihm, dem Schüler der Kanonisten, dem Diener des heiligen Petrus, des „dux bonorum“ und „senior meus“ 14), war das Grenzenlose der Neigungen des Jünglings willkommen. Noch ging es seinesgleichen nicht um die Herrschaft über die Welt, sondern erst um ihre Eröffnung und Durchdringung. Er hält sich nicht an Rom, das Zentrum, nicht q Brun. Passio s. Adalberti c. 9 (MG. SS. IV. 598). 2) Giesebrecht, Kaiserzeit, I., S. 770. 3) Brun. Passio s. Adalberti e. 9 (MG. SS. IV. 598): quam terror patris peperit, pacem interfecit. 4) Ebenda, c. 10 (598). Vgl. Giesebrecht I., S. 854. 6) Brun. Passio s. Adalberti c. 10 (MG. SS. IV. 599). ®) Ebenda, c. 12 (600). 7) Vgl. Voigt, S. 23. 8) Brun. Passio s. Adalberti c. 12 (600). Über die sichtlich eingeschobene Stelle, die von Ottos mit den Jahren größer werdender Weisheit spricht, vgl. M. Perlbach: Zu den ältesten Lebensbeschreibungen des heiligen Adalbert. (In: Neues Archiv, 27. 1902), S. 42. Dagegen Voigt, S. 346/A. 4. Ähnlich Perlbach über Otto III., S. 54. ®) Brun. Passio s. Adalberti c. 10 (599). Siegfried Hirsch, Jahrbücher Heinrichs II., Bd. 2, S. 262, bemerkt sehr richtig, daß für Brun gar kein Grund vorlag, Otto II. derart herabzusetzen. 10) Brun. Passio s. Adalberti c. 9 (MG. SS. IV. 598). u) Brun. Passio s. Adalberti, längere Rezension, hrsg. v. Bielowski in den Mon. Pol. I. 206. Vgl. aber auch die 2. Rezension dieser Stelle mit ihrer Abschwächung in MG. SS. IV. 604: quem ipsa capella sua tractatum posuit, papa Gregorius benedicere non cessavit. 12) Brun. Passio s. Adalberti c. 18 (MG. SS. IV. 604). 1S) Luc. 2. 14. Brun. Passio c. 2 (MG. SS. XV/2. 720). 14) Vgl. Brun. Passio s. Adalberti c. 18 (MG. SS. IV. 605) und den Brief (bei Giesebrecht, Kaiserzeit II., S. 703).