Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

Gando de Porta Oriola. 343 taucht. Er hinterließ eine Tochter namens Ganda, die mit Bonaverius de Belenzanis, dem Vater der Katharina, die 1292 Megenard, Sohn des Tridentin Gandi, geheiratet hatte, vermählt war x). Nichts Näheres erfahren wir über den fünften Sohn Tridentinus, Trentin, von dem uns nur überliefert ist, daß er 1303 bereits verstorben war und daß in diesem Jahre am 17. August sein Sohn Pretele einen Zins zu Povo bei Trient verkauft hat* 2). Dieser Sohn Pretele wird am 18. Mai 1307 vom Trientner Bischöfe mit seinen Lehen belehnt. Weitere Nachrichten über ihn konnte ich nicht finden 3). Jordan, der sechste und offenbar jüngste Sohn, wollte, wie ausgeführt, sich die Erbschaft seines älteren Bruders, Egan, sichern und führte später mit Mißerfolg einen Erbschaftsprozeß gegen dessen Witwe und Sohn Franz. 1319, am 6. Juli, investierte er Simon de Beseno mit seinem Anteile an Gütern zu Fai, Tassulo, Hallo, Cembra, Civezzano und am Schlosse Bosco; Franz, Sohn des Bonolin de Belenzanis, mit jenen zu Magre und mit einer Mühle bei St. Francisco bei Trient; und beide, Simon de Beseno und Franz de Belenzanis, mit seinen Mautanteilen in der Stadt Trient 4). Die Belehnung des Simon de Beseno und des Franz de Belenzanis mit den Hauptgütern der Gando läßt vermuten, daß wie Franz de Belenzanis auch Simon de Beseno mit den Gando verschwägert wa,r, zumal auf eine solche eine von Egan gemeinsam mit Zustimmung der Frau Trentina, Gemahlin Pelegrins von Beseno, getätigte Verleihung eines Weinberges bei Trient sot Pisavaca weist. Dieser Weinberg war aller Wahrscheinlichkeit nach gemeinsamer Gandoscher Besitz. Eine Trentina, Schwester Egans, war vermutlich mit Warimbert von Thun-Belvesin verheiratet, der um 1300 verstorben ist. Möglicherweise hat diese Trentina in zweiter Ehe Pelegrin von Beseno geheiratet. Außer den genannten sechs Söhnen Trentins, die wir urkundlich wiederholt verfolgen konnten, werden noch die Namen zweier weiterer Kinder Trentins überliefert: Ottolin und die eben erwähnte Trentina. Ottolin erscheint 1263 bei einer Erbschaftserklärung der Erben des Jacobin von Lizana 5) unter diesen, was zur Annahme veranlaßt, daß er mit einer Tochter Jacobins von Lizana vermählt war. Trentina war, wie angeführt, nach Langer 6) mit Warim­bert II. von Thun-Belvesin (1267—1300) vermählt. Im alten Thunschen Stammbaum ist sie als Trentina von Königsberg bezeichnet und daher die Vermutung, daß sie eine Tochter Trentin Gandos gewesen ist. Möglicherweise hat sie, wie bemerkt, in zweiter Ehe Pelegrin de Beseno geheiratet, also zwei, bzw. drei für die Gando ganz hervorragende Versippungen — hier mit den Herren von Lizana, dort mit den Thun-Belvesino und Beseno! Jordan muß vor dem 25. Oktober 1319 gestorben sein, denn an diesem Tage belehnte Bischof Heinrich von Trient seine Witwe für dessen Kinder neuerdings mit der ,,medietas müde de porta S. crucis de Tridento indiviso cum canonicis Tridentinis“ 7). 1321 müssen diese Mautanteile wieder an den Bischof rückgefallen sein, da es in einer Tauschurkunde zwischen dem Bischöfe und Bonaventura de Gardellis vom Jahre 1321 ausdrücklich heißt ,,quam (mudam) olim tenere consvevit qd. dns. Jordanus de Gando“ 8). Jedenfalls ist der Rückfall der Maut vom Geschlechte der Gando an seinen Inhaber, den Bischof, auffallend und weist auf bestimmte Vorgänge im Geschlechte. Trotz der zahlreichen Nachkommenschaft des Trentin konnten wir verfolgen, daß schließlich beim Tode Jordans 1319 nur mehr drei b Festi, Belenzani, S. 18 und Stammtafel. Festi führt als Quelle das Archiv Roccabruna Nr. 16 an. 2) Santifaller, Urkunden des Trientner Domkapitels, Nr. 235. Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. II 67. 8) Cod. Cies. I, p. 596. 4) Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. II, 679; über Bonaventura de Gardellis und dieses Geschlecht vgl. die Bemerkungen bei Äusserer K.: Schloß Stenico in Judikarien. Wien 1907, S. 35—36. 5) Hippoliti, II, p. 88. *) Vgl. Langer Edmund, Die Anfänge der Geschichte der Familie Thun. Jahrbuch „Adler“ 1904, S. 35 und Urkunden-Beilage Nr. II. 7) Stolz, Zollwesen, S. 724, Anmerkung 1. 8) Innsbruck, Ferdinandeum, Dipaüliana, 613, S. 78, Nr. 52.

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