Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 19. Petrus Ortmayr (Seitenstetten): Wie und wann kamen die sächsischen Grafen von Seeburg und Gleiß, die Ahnen des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg, nach Österreich?

Sächsische Grafen von Seeburg und Gleiß in Österreich. 317 Nach einer Aufzählung der fünf Töchter Ottos von Schweinfurt und seiner Gemahlin Immula oder Irmingard heißt es von den zwei letztgenannten Gisla und Berta: „Bertám duxit quidam de principibus Bawariorum, qui agnominatus fuit de municione sua Havekesberh (Habsberg im Nordgau) dicta, genuitque ex ea filiam, que Juditha dicebatur ...........Gisla f uit sociata Wigmano comiti de Seburch, genuitque ex ea Geronem comitem, patrem Wig- manni Magdaburgensis archiepiscopi, et Hathwigam abbatissam de Geronrothe. Huius Wigmanni comitis frater erat Willehelmus comes de Lutisburch; et horum pater fuit Cristinus comes, frater Gebehardi de Quern vorde“ 1). Im allgemeinen zeigt sich der Annalist über die genealogischen Verhältnisse wohl unterrichtet, nur wegen des Namens der Großmutter Wichmanns Bertha werden gegen ihn Bedenken erhoben. Gehen wir die von ihm überlieferte Ahnenreihe in aufsteigender Linie durch, so ergibt sich, daß die Zeit von 1116—993 durch dieses sächsische Dynastengeschlecht im wesentlichen ausgefüllt ist. Wir beginnen mit Wichmann als dem letzten und zugleich bedeutendsten Sprossen der Familie. Es kann natürlich hier keine eingehende Lebens­beschreibung und Würdigung dieses durch „diplomatische, kolonisatorische und militärische Begabung“ ausgezeichneten Kirchenfürsten geboten werden. Allen diesen Anforderungen entspricht, abgesehen von der übrigen reichen Literatur, die gründliche Abhandlung von Willy Hoppe — Berlin2). In dieser Arbeit soll nur seiner Beziehungen zu Gleiß gedacht werden, das als sein Geburtsort anzusehen ist. Sein Vater Gero unterzeichnet nämlich ungefähr um 1119 die schon erwähnte Tauschurkunde zwischen den Bischöfen Ulrich von Passau und Heinrich von Freising als Ger de Gluze. Er muß sich also damals in Gleiß aufgehalten haben. Einige Jahre früher, kurz vor 1116 3), wurde Wichmann geboren. Weniger begründet scheint mir die Vermutung A. Nebes 4), der Hoppe zustimmt5), daß der 17. September, das Fest des hl. Lambert, ein Tag, den Erzbischof Wichmann verschiedentlich auszeichnete 6), als sein Geburtstag anzusehen sei. Die Verehrung dieses Lütticher Bistumsheiligen ist für Freising bezeugt7). Er ist ferner der Sippenheilige des mächtigen Aribonenhauses 8). Wir finden ihn auch als Kirchenpatron der Stadtkirche in Querfurt und mit dem hl. Petrus zusammen in der Propsteikirche zu Seeburg 9). Sein Kult war also damals so groß und weit verbreitet, daß die Annahme gekünstelt erscheint, als wäre Wichmann in erster Linie durch seinen Geburtstag zu seiner besonderen Verehrung angeregt worden. Wenn Schaukegl glaubt, daß Wichmann die Schule in Passau unter den Bischöfen Ulrich und Reginbert von Hagenau besucht habe10), so ist dies nur aus der Tatsache erschlossen, daß er die Kirche von Passau mit der Burg und der Herrschaft Gleiß beschenkte 11). Dagegen x) Die letzte Bemerkung Huius—Quernvorde ist nach Angabe des Herausgebers von einer zweiten Hand am untersten Rand beigefügt und es ist selbstverständlich, daß die ganze Stelle vor 1152 nicht geschrieben werden konnte, weil erst in diesem Jahre Wichmann auf Betreiben Friedrich Barbarossas Erzbischof von Magdeburg wurde. 2) W. Hoppe, Erzbischof Wichmann von Magdeburg, in den Geschichtsblättern für Stadt und Land Magdeburg, 43. Jg. (1908/9), S. 134—294. Dazu Exkurse im 44. Jg. (1909), S. 38—47. Am Eingang dieser gründlichen Arbeit ist auch das wichtigste Schrifttum S. 134—136 verzeichnet. 3) Hoppe, a. a. O. S. 137, Anmerkung 9. 4) A. Nebe, Geschichte des Klosters Roßleben, Harzzeitschrift, 18. Jg. (1885), S. 52. 5) Hoppe, a. a. O. S. 137, Anmerkung 10. 6) Den wichtigsten Grund dafür werden wir später aufzeigen. 7) J. Schlecht, Die Altäre des Freisinger Domes, in Deutingers Beiträgen, 8. Bd., München 1903, NF. 2. Bd., S. 20. 8) M. Fastlinger, Das Mirakelbuch von Pürten, in Deutingers Beiträgen, 8. Bd., S. 8. 9) H. Größler, Die Schutzheiligen der Kirchen der beiden Mansfelder Kreise und des Querfurter- kreises, in den Mansfelder Blättern, 3. Jg. (1889), S. 56 und 58. 10) Schaukegl, Spicilegium S. 264. 11) Vgl. die schon erwähnte Urkunde des Bischofs Manegold von Passau vom 19. Juni 1210 über die Berichtigung der Grenzen: de terminis bonorum illorum in Gluzze, que dominus Wichmannus bone memorie quondam Maigdeburgiensis archiepiscopus utrique ecclesie pro remedio anime sue contradidit.

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