Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
III. Heraldik und Geneologie - 17. Anna Coreth (Wien): Ein Wappenbuch Kaiser Maximilians I.
Ein Wappenbuch Kaiser Maximilians I. 293 rischen Fragen zu Rate gezogen worden ist, sowie auch an Peutinger wäre zu denken *)• Doch ist das Wappenbuch wohl zu wirr und wenig gelehrt gehalten, um aus der Feder eines dieser Humanisten zu stammen. Dann ist auch Jakob Mennel zu erwägen * 2), der seit 1505 ständig für Maximilian arbeitete und alsbald Sunthaym als Hofhistoriographen überflügelte. Mennels genealogische Ansichten weichen stark von denen des Wappenbuches ab, waren aber im Jahre 1507 noch gar nicht stabil: während aus den erhaltenen Bruchstücken einer bis 1507 reichenden Chronik des Hauses Österreich die von Stainreutter übernommene Zurückführung auf einen Heiden Abraham hervorgeht 3), vertrat er in der im selben Jahre zu Konstanz gedruckten Reimchronik des Hauses Habsburg 4) bereits die fränkisch-trojanische genealogische Richtung, die dann auf Wunsch des Kaisers und durch Einfluß des Sponheimer Abtes Trithemius die bei Hof anerkannte und von Mennel in allen weiteren Werken propagierte wurde 5). Das Wappenbuch aber vertritt noch die römische Herkunft des Hauses, die bisher am meisten verbreitet war, u. zw. in einer eigenartigen, nur in wenigen Werken einer kurzen Zeitspanne aufscheinenden Kombination. An mehreren Stellen ist hier als Stammvater ein Fürst Fabii Albrecht, Sohn eines Apis von Rom, angegeben. Diese historisch rätselhafte Gestalt scheint Ladislaus Sunthaym entdeckt zu haben; jedenfalls gab am 15. März 1505 König Max seinem Sekretär Wolfgang Hammerl folgenden Auftrag: „item er soll alles das, so Lasla (Sunthaym) von Apis, von seinen vorfordern, gemacht hat, lauter abschreiben, was er von Fabij Albrecht, des Apis sun, hat“ 6). Durch diese Instruktion ist wieder die enge Beziehung des Wappenbuchtextes zu Maximilian und seinen historischen Interessen und Aufträgen erwiesen, nicht aber etwa eine Autorschaft Sunthayms gesichert, der in seinen eigenen Arbeiten Fabii Albrecht nie erwähnt. Jedenfalls ist so manches von den Forschungsergebnissen Sunthayms auch hier hereingeflossen, aber es erscheint wohl möglich, daß von mehreren Seiten gesammelte Nachrichten von einem bisher unbekannten Kompilator zu diesen mehr als phantastischen historischen Erläuterungen zusammengebraut worden sind. Die Gestalt des Apis-Sohnes bringt das Wappenbuch aber in einem anderen interessanten Zusammenhang. War Apis als Ahne der Dynastie erstmalig als „Apis Colonna“ bei Thomas Ebendorfer 7) genannt worden, so erscheint sein Sohn Fabii Albrecht nicht nur in der erwähnten Instruktion von 1505, sondern auch in zwei monumentalen Maximilian-Stammbäumen, die in der Planung auf diesen Zeitabschnitt zurückgehen: in dem riesigen Fresko- Stammbaum der Habsburger im Schlosse Tratzberg in Tirol und in einem, den das Kunst- historische Museum zu Wien besitzt 8). Ich zitiere die auf beiden gleichlautenden Teile der Legende, die sich auf Fabii Albrecht beziehen, zum Vergleich mit den entsprechenden *) Vgl. dazu Paul Joachimsen, Geschichtsauffassung und Geschichtschreibung in Deutschland unter dem Einfluß des Humanismus, 1. Teil. 1900, und Simon Laschitzer, Die Genealogie Kaiser Maximilians I. im Jahrbuch der kunsthist. Sammlungen, 1; Th. Heuberger, Konrad Peutinger in seinem Verhältnis zum Kaiser Maximilian, 1851. 2) Vgl. Alphons Lhotsky, Dr. Jakob Mennel. Ein Vorarlberger im Kreise Maximilians I. (Alemannia, Zeitschrift für Geschichte, Heimat- und Volkskunde Vorarlbergs, H. 1, 1936.) 3) Nat. Bibi. HS. 2800*, fol. 22r; vgl. Lhotsky, ebenda S. 5. 4) Neuausgabe von P. P. Albert, Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Neue Folge 20, 1905, S. 213 ff. 5) Vgl. Simon Laschitzer, Genealogie, S. 12 ff. , ®) Jb. 5, Reg. 4492. 7) Chron. Austr. 841. 8) Abteilung für Plastik und Kunstgewerbe. Vgl. Lhotsky, Apis Colonna, Mitteilungen des Institutes für österreichische Geschiehtsforschung 55, S. 223. Die Stammbäume sind voneinander abhängig; Versuche einer Datierung: gemeinsames Original um 1500 (wird wohl später anzusetzen sein), verschollen; Tratz- berger Kopie, gemalt zwischen 1521 und 1527; vgl. Kenner, Jb. 14, S. 64; Kopie des Kunsthistorischen Museums nach Kenner auf die Jahre 1571—1584 datiert, dürfte aber nach A. Primisser, Ambraser Sammlung 1819, S.87, und A. Ilg, Ambraser Sammlung 1887, S. 62, schon im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, in den Jahren um 1520, entstanden sein. Zu beachten sind vor allem auch die Bemerkungen Simon Laschitzers, Genealogie, Jb. 7, S. 32.