Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
II. Paläographie und Diplomatik - 16. Gebhard Rath (Wien): Studien zur Gründungsgeschichte der Cisterce Wilhering und ihrer rechtlichen Stellung zu ihren Gründern und dem Hochstift Bamberg
272 Rath, Nekrologium von St. Florian bringt zum 29. Dezember die Eintragung: Ödalrich de Willi- heringin x). Bisher hat man in Anlehnung an die Wilheringer Eintragung zum 20. Dezember darunter Ulrich II. gesehen, da an sich eine solche geringe Datumsdifferenz eine öfters zu bemerkende Erscheinung ist. Man hat aber übersehen, daß zwischen Todestag und dies anniversarius genau zu unterscheiden ist und somit der 20. Dezember des Wilheringer Totenbuches nicht unbedingt der Todestag Ulrich II. sein muß. Nun vermerkt der Liber confraterni- tatum des Klosters Seckau unter den im Oktober verstorbenen confratres einen Ölrich iunior de Willheringen * 2). Dieser kann aber infolge des Zusatzes iunior und der weiteren Eintragung im erwähnten Liber confraternitum der im Dezember verstorbenen laid et laicae minorem fraternitatem nostram habentes: Olrich senior de Wilhering(en) 3) nur Ulrich II. sein, da urkundlich nur zwei Ulriche von Wilhering, die im Verhältnis von Vater und Sohn, also senior und iunior, stehen, bekannt sind. Im Wilheringer Totenbuch fehlen heute die Tage vom 12. bis 31. Oktober, so daß also Ulrichs II. Todestag, da ansonsten kein Ulrich von Wilhering vermerkt ist, zwischen 12. und 31. Oktober gelegen sein muß. Ulrich II. starb somit zwischen 12. und 31. Oktober 1147/48. Die Kunde hievon gelangte mit der Rückkehr Ottokars von Steyr, mit dem Ulrich in den Kreuzzug zog, im Frühsommer 1149 4) in die Heimat. Nicht viel später, es mag ein bis zwei Jahre nachher gewesen sein — Angaben wie non longe postea sind auch nach damaligem Sprachgebrauch nicht allzusehr zu pressen — jedenfalls aber vor dem 25. September 1154 erkrankte auch Cholo schwer und starb. Cholos Name fehlt heute ebenfalls im Wilheringer Totenbuch. Sein Grabstein befand sich noch 1713 im Klosterkreuzgang zu Wilhering 5). Bezieht sich die Eintragung im schon erwähnten Liber confraternitatum von Seckau: Cholo de Wilhering 6) auf Cholo II. und dies dürfte höchstwahrscheinlich nicht anders sein können, da Cholo I. bereits vor der Gründung Seckaus (1140) gestorben sein muß 7), starb Cholo II. zwischen 1. und 11. Mai — auch diese Tage fehlen jetzt im Wilheringer Totenbuch — eines ungenannten Jahres. Mit dem Berichte Bischof Eberhards, Cholo sei erst einige Zeit nach Ulrich gestorben, stimmt auch eine undatierte Urkunde Bischof Konrads von Passau für Garsten 8) überein, in der Cholo de Wassinberg 9) als Zeuge erscheint. Konrad war nach der Rückkehr der Kreuzfahrer 1149, Frühsommer, als Nachfolger des auf dem Kreuzzug gebliebenen Bischof Reginold zum Bischof von Passau gewählt worden 10). Da auch Markgraf Ottokar von Steyr in der Zeugenreihe der Urkunde erscheint, ist der terminus a quo ihrer Ausstellung Sommer 1149. Somit ist Cholos Tod zwischen 1. und 11. Mai 1150 und 1154 anzusetzen11). Als Cholo tödlich erkrankt war und keinen mannbaren Erben hatte, übergab er die Abtei Wilhering samt allem Zubehör der ditio und gubernatio 12) der Bamberger Kirche. Was *) MG. Necrologia IV, 274. 2) MG. Necrologia II, 392. 3) MG. Necrologia II, 394. 4) Vgl. Meiller, Regesten der Babenberger, Nr. 20, 30. — Stumpf, Reichskanzler 3558. — Juritsch, Babenberger 189. — Trinks, Gründungsurkunden 124, sagt frühestens 1147 oder im Laufe 1148. 8) Professenkatalog von 1713, Archiv Wilhering. 6) MG. Necrologia II, 391. 7) Stülz, Wilhering 377, 387. 8) UBoE. 2, Nr. 167, 250. 9) Wegen der Identität Cholos von Wachsenberg mit Cholo von Wilhering vgl. Stülz, Wilhering 379 f. — Handel-Mazzetti, Wildberg 31. — Ältestes Stiftbuch (UBoE. 2, Nr. 332, 476). 10) Gross Lothar, Über das Urkundenwesen der Bischöfe von Passau im 12. und 13. Jahrhundert. Mitteilungen des österreichischen Institutes für Geschichtsforschung, Erg.-Bd. VIII (1911), 645. Konrad erscheint urkundlich erstmalig 1149 November 6. u) Trinks, Gründungsurkunden 122, setzt Cholos Todeskrankheit mit zirka 1148 an. 12) Nach Hirsch, Vogteiurkunden 4, sollen diese Ausdrücke am besten die starke Anteilnahme der deutschen Bischöfe an der Ausbreitung des Ordens von Citeaux beweisen. — Nach Trinks, Gründungsurkunden 119, Anmerkung 119, besagen diese Ausdrücke den Verzicht Cholos auf die Vogtei des Klosters zugunsten Bischof Eberhards.