Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 16. Gebhard Rath (Wien): Studien zur Gründungsgeschichte der Cisterce Wilhering und ihrer rechtlichen Stellung zu ihren Gründern und dem Hochstift Bamberg

270 Rath, traute, das bambergische Hochstift für den Fall eines frühzeitigen Todes des Kindes zu seinem Universalerben einsetzte x) und schließlich Abt Gerlach Eberhard zum Tutor und Defensor der Cisterce Withering erwählte 1 2) ? Die Schwierigkeit liegt nur in der Aufhellung dieser verwandtschaftlichen Verbindung. Und sie wird noch vermehrt, da man, soweit ich zu sehen vermag, noch immer nicht mit urkundlicher Sicherheit anzugeben vermag, welchem Geschlechte Bischof Eberhard entstammte. Zwei Theorien, die Beachtung verdienen, stehen sich gegenüber. Die eine will Eberhard dem Geschlechte der Reifenberger 3) zuweisen — dazu bekennt sich der größere Teil der Forscher — die andere behauptet, Eberhard sei ein Sproß des Geschlechtes von Otlingen 4). Mit Hilfe unserer Eberhard-Urkunde vom 25. September 1154, einer vom Prüfeninger Mönch Wolfger eingetragenen Traditionsnotiz von 1146/47 und anderer Urkunden, deren Aussteller oder Empfänger Bischof Eberhard II. von Bamberg ist, läßt sich die Frage nach Eberhards Geschlecht urkundlich lösen. In der Wilheringer Urkunde vom 25. September 1154 zählt Bischof Eberhard zu den testes 'prioris et secunde donationis aus dem Stande der Liberi Reginoldus de Rifenberg et filius sororis eius Odalricus. Bei einer Umschau im genannten Bam­berger Urkundenmaterial stößt man unter den adeligen Zeugen gar häufig auf einen Regi­noldus de Rifenberg 5). Nicht minder selten begegnet aber auch ein Reginoldus frater episcopi (Eberhardi) 6) und ein Reginoldus de Otelingen 7). Auffällig dabei ist, daß keiner dieser drei gleichzeitig in ein und derselben Urkunde erscheint. Testiert Reginoldus frater episcopi, fehlen immer Reginoldus de Rifenberg und Reginoldus de Otelingen und umgekehrt. Wenn Reginolds von Reifenberg und Reginolds von Otlingen Schwestersohn überdies den gleichen Namen Ulrich 8) führen und einer der Söhne Reginolds von Reifenberg auch den Namen Eberhard trägt, müssen Reginoldus frater episcopi, Reginoldus de Rifenberg und Reginoldus de Otelingen miteinander identisch sein. Daß sich ein und derselbe Adelige bald nach dieser, bald nach jener Burg benannte, ist eine für jene Zeit öfters bezeugte und bekannte Tat­sache. Somit ist Bischof Eberhard von Bamberg ein Sproß des Geschlechtes Reifenberg- Ötlingen. Ist durch diese Feststellung auch noch nicht die verwandtschaftliche Verbindung der Stifterbrüder Ulrich und Cholo von Wilhering zu Bischof Eberhard von Bamberg geklärt, so ist doch der Weg hiezu geebnet, nachdem wir überdies noch wissen, daß Eberhards Schwestersohn den Namen Ulrich, den Namen eines der Klostergründer und deren Vater führte. Trinks 9) schreibt der durch die Kreuznahme veranlaßten und unmittelbar vor Antritt der Kreuzfahrt im Frühsommer 1147 gemachten Schenkung der omnis portio hereditatis su§ Ulrichs von Wilhering an das bambergische Hochstift große rechtsgeschichtliche Bedeutung 1) Eberhard-Urkunde (UBoE. 2, Nr. 180, 269). 2) Gerlach-Urkunde (UBoE. 2, Nr. 152, 223). 3) Föhl Walther, Bischof Eberhard II. von Bamberg, ein Staatsmann Friedrichs I., als Verfasser von Briefen und Urkunden. Mitteilungen des Institutes für Geschichtsforschung 50 (1936), 127, Anmerkung 12: 1935 wurde das Grab Eberhards im Dom zu Bamberg aufgefunden. Eine beiliegende Inschrift gibt als Herkunft ,,de Reiffenberg“ an. Föhl folgert weiter: „Darnach wäre er der Familie der Reiffenberg- Oetlingen zuzuzählen“ ohne aber irgendeinen Beweis zu erbringen. — Stülz, Wilhering 3, Anmerkung. 4) Mon. Boica XIII, 62, Nr. 50. — Fichtenau, Wolfger 324 ff. 5) Looshorn J., Bamberg II, 424, 452, 496. — Mon. Boica XI, 169. — UBoE. 2, Nr. 180, 330. ®) Looshorn, Bamberg II, 400—402, 413, 494. — Mon. Boica XI, 16, Nr. 19. — XXIX/I, 308, 309. — UBoE. 1, Nr. 119, 336. — Pez, Codex diplomaticus epistol. I, 367. 7) Looshorn, Bamberg II, 378, 414, 419, 446. — Mon. Boica XI, 169. — XII, 62. — XXIV, 33. — XXIX/I, 313. 8) UBoE. 2, Nr. 180, 269. — Mon. Boica XIII, 62, Nr. 50. ») Trinks, Gründungsurkunden 94—96, 119, Anmerkung 119. — S. 98 stellt er sich durch die Behauptung, Ulrichs Vergabungen an Eberhard seien für Gerlach unwesentlich gewesen, damit in Wider­spruch.

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