Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 16. Gebhard Rath (Wien): Studien zur Gründungsgeschichte der Cisterce Wilhering und ihrer rechtlichen Stellung zu ihren Gründern und dem Hochstift Bamberg

Studien zur Gründungsgeschichte der Cisterce Withering. 267 Rein angenommen werden. Es kann somit nicht richtig sein, daß der terminus a quo für die Anfänge der Stiftung Wilherings mit dem 29. Mai 1146, dem Tage der Wahl Eberhards zum Bischof von Bamberg, mit der Begründung anzusetzen sei, Eberhards Name werde bereits in der Gerlach-Urkunde von 1146 x) genannt. Unsere echte Eberhard-Urkunde vom 25. Sep­tember 1154 ergibt eindeutig, daß Bischof Eberhard an der Gründung der Cisterce Wilhering vollkommen unbeteiligt war und seine Beziehungen zum Kloster erst frühestens mit der Schenkung Ulrichs, höchstwahrscheinlich aber erst mit dessen Übergabe in die ditio und guber­natio seines Hochstiftes durch Cholo, nach Ulrichs Tode, begannen. Auch die von Eberhard dem Kloster gemachten Schenkungen sind sicherlich nicht vor der Erwerbung von Ulrichs Vergabungen an sein Hochstift infolge seiner Kreuzfahrt anzusetzen. Damit ist auch die weitere Behauptung widerlegt, Eberhard sei als neuerwählter Bischof von Bamberg der Cisterce bei ihrer Gründung neben Ebrach, dem Mutterkloster Reins, als Schutzherr Pate gestanden * 2). Trotz der ausdrücklichen Betonung Eberhards, Ulrich und Cholo von Wilhering hätten ihre Stiftung als Cisterce gegründet, behauptet Milkowicz 3), Wilhering sei, wie Rein und Sit­tich, ursprünglich eine Benediktinerstiftung gewesen und sei erst gegen Ende des 12. Jahr­hunderts zum Cistercienserorden übergetreten 4). Die Sprache unserer echten Eberhard- Urkunde vom 25. September 1154 ist zu klar und Milkowicz’ Argumente allzu schwach. Überdies war ihm noch das Mißgeschick zuteil, als Kronzeugen seiner Beweisführung eine auf den Namen Innozenz III. lautende Verunechtung 5) mit Übergehung aller älteren Doku­mente zu wählen. Anders verhält es sich mit einer Nachricht des ältesten Stiftbuches 6), dessen Anlage und Niederschrift gegen Trinks 7) zwischen 1244 und 1257 8) anzusetzen ist. Ulrich II., so erzählt es, hatte seine Stiftung zuerst Regularkanonikern vom nahen St. Florian übergeben. Als aber diese seinen Erwartungen hinsichtlich des religiösen Lebens nicht entsprachen, er­setzte er sie durch Cisterciensermönche, die sich damals des höchsten Rufes erfreuten. Grilln- berger 9) und Trinks 10 *) halten diesen Bericht für sehr unwahrscheinlich und möchten ihn ins Reich der Sage verweisen. Stülz n), selbst ein Chorherr von St. Florian, hält aber die Richtig­keit der Überlieferung nicht für ausgeschlossen. Beziehungen der Herren von Wilhering zu St. Florian müssen jedenfalls vorhanden gewesen sein. Das aus dem 12. Jahrhundert stam­mende Totenbuch dieses Klosters gedenkt zum 29. Dezember 12) eines Ödalrich de Willi­*) Hirsch, Vogteiurkunden 4, Anmerkung 17. — Handel-Mazzetti, Schönhering 101. — Lenz Josef, Historisch-topographische Beschreibung der Stadt Passau I, 25, schreibt auch Bischof Reginbert von Passau große Verdienste um die Gründung zu. — Klebel Ernst, Die Grafen von Sulzbach als Haupt­vögte des Bistums Bamberg. Mitteilungen des österreichischen Institutes für Geschichtsforschung 41 (1926), 111. 2) Hirsch, Vogteiurkunden 10, nennt Ebrach irrtümlich das Mutterkloster Wilherings. — Loos­horn J., Das Bistum Bamberg II, 394, sagt, Eberhard habe sich vom Hoftage zu Regensburg, Juli 1146, nach Wilhering begeben und das dortige von den Brüdern Ulrich und Cholo gestiftete Kloster, das ihm Abt Gerlach von Rein auftrug, in seinen Schutz genommen. 3) Milkowicz Wladimir, Die Klöster in Krain. Archiv für österreichische Geschichte 74 (1889), 342, Anmerkung 2. 4) Weis P. Anton. 5) UBoE. 2, Nr. 319, 464 = Nr. 393, 580. — Trinks, Gründungsurkunden 100 f. •) UBoE. 2, Nr. 332, 476. 7) Trinks, Gründungsurkunden 80 f. — Derselbe, Chronik 193 f. — Vgl. Grillnberger, Anfänge 92 ff. 8) Die Beweisführung wird eine eigene Arbeit erbringen. 9) Grillnberger, Anfänge 312 f. 10) Trinks, Gründungsurkunden 122 f. n) Stülz, Wilhering 2. — Derselbe, Topographie 4, nennt zirka 1140. 12) MG. Necrologia IV, 274. — Czerny Albin, Das älteste Todtenbuch des Stiftes St. Florian. Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in Wien 86 (1879), 346.

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