Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
II. Paläographie und Diplomatik - 16. Gebhard Rath (Wien): Studien zur Gründungsgeschichte der Cisterce Wilhering und ihrer rechtlichen Stellung zu ihren Gründern und dem Hochstift Bamberg
Studien zur Gründungsgeschichte der Cisterce Withering. 265 Am 30. September 1146 zog also der erste selbständige Abt mit zwölf Mönchen und einer Zahl von Konversen (Laienbrüdern) feierlich in die Neugründung zu Wilhering ein. Damit war die Stiftung Wilherings als Cisterce wenigstens formellx) abgeschlossen. Am 30. September 1146 muß also die Schenkung, bzw. die Übergabe des Gründungsgutes, des fundus hereditatis, der Stifter an Abt Gerlach * 2) von Rein als Gottes und der Jungfrau Maria Stellvertreter — alle Cistercen sind der Gottesmutter als Hauptpatronin geweiht 3) — vollzogen gewesen sein. Ebenso mußte nach Ordensvorschrift schon am 30. September 1146 an die Spitze der für das neue Kloster bestimmten Mönche ein vom Vaterabt Gerlach von Rein verschiedener Abt als dreizehnter 4) gestellt und in die Neugründung eingezogen sein. Wann aber die Stifterbrüder Ulrich und Cholo von Wilhering mit Abt Gerlach ihrer Klostergründungwegen in Unterhandlung traten,ist nicht zu ermitteln; sicherlich zwei bis drei Jahre vorher. Hatte nämlich der zur Übernahme der Gründung gebetene Abt seine Einwilligung hiezu gegeben, mußte vor ihrer Durchführung noch vom alljährlich um Kreuzerhöhung (14. September) zu Citeaux tagenden Generalkapitel des Ordens die Gründungsgenehmigung eingeholt werden. Sie war an das Ergebnis der Untersuchung und genauen Prüfung des zur Klostergründung bestimmten Gutes ob seiner Eignung und an das Vorhandensein der nach den Ordensbestimmungen erforderlichen Ausstattung geknüpft 5). Den Cisterciensern war im schroffen Gegensatz zu der damals allgemein üblichen Wirtschaftsform und somit auch der bis dahin gegründeten Orden der Besitz von Zehenten, Pfarrkirchen und Begräbnisstätten, von Mühlen und Backöfen, die die Bewohner eines gewissen Umkreises benützen mußten, ja selbst der Besitz von Grund und Boden, auf dem zinspflichtige Bauern saßen, infolge des strengen Gebotes, durch eigener Hände Arbeit sich den Lebensunterhalt zu verdienen, untersagt6). Verboten war dem Orden von Citeaux somit die Gründung seiner Abteien in Städten, Burgen und Dörfern 7). Möglichst ferne von jedem menschlichen Leben sollten seine Klöster erstehen. Infolgedessen kamen für die Gründung von Cistercen fast nur entlegene, unbebaute und daher meist unfruchtbare Ländereien in Frage 8). Darin lag unter anderem die rasche Ausbreitung des Ordens begründet, solange er diesen Grundsätzen treu blieb. Einen doppelten Vorzug hatte die Stiftung einer Cisterce: sie stellte an ihre Gründer viel geringere materielle Anforderungen als die Stiftung eines Benediktinerklosters oder Chorherrenstiftes und wurde dadurch auch kleineren, minder begüterten Adeligen möglich, anderseits aber wurden durch J) Tr inks, Gründungsurkunden 97, läßt die Gründung erst durch die Ausstellung der Eberhard- Urkunde am 25. September 1154 formell abgeschlossen sein. 2) Gerlach wird in den Reiner und Wilheringer Urkunden auch Gerald und Gerlaus genannt. 3) Canivez, Statuta I, 17, XVIII: Quia antecessores nostri et patres de ecclesia Molismensi, quae in honore est heatae Mariae ad Cisterciensium locum, unde et nos exorti sumus, primitus venerunt, idcirco decernimus ut omnes ecclesiae nostrae ac successorum nostrorum in memoria eiusdem caeli et terrae reginae sanctae Mariae fundentur ac dedicentur (1134). 4) Canivez, Statuta I, 15, XII, vgl. S. 4, Anmerkung 1. 5) Canivez, Statuta I, 18, XXIII: Si clerici vel laid locum aliquem ad honorem Dei construxerint, iliumque locum alicui coenobiorum nostrorum quatenus ad abbatiam transferendam proficiat concedere voluerint, abbasque illius coenobii a quo consultum flagitant, locum habilem prospexerit, suscipiat si voluerit. — Vgl. S. 4, Anmerkung 1. — Derselbe 32, VI: Si cui locus ad abbatiam construendam oblatus fuerit, non praesumat accipere, nisi prius distare a ceteris abbatiis nostri ordinis decem leucis Burgundiáé pro certo cognoverit. Si tamen ibi congregatio fuerit, post assensum generalis Capituli recipi poterit (1134). ®) Canivez, Statuta I, 14, IX: Ecclesias, altaria, sepulturas, decimas alieni laboris vel nutrimenti, villas, villanos, terrarum census, furnorum et molendinorum redditus, et cetera his similia monasticae puritati adversantia, nostri et nominis et ordinis excludit institutio. — Derselbe, 14, V: Monachis nostri ordinis debet provenire victus de labore manuum, de cultu terrarum, et nutrimento pecorum, unde et licet nobis possidere ad proprios usu aquas, silvas, vineas, prata, terras a saecularium hominum habitatione semotas, et animalia praeter illa quae magis solent provocare curiositatem ... (1134). 7) Canivez, Statuta I, 13, I: In civitatibus, castellis, villis, nulla nostra construenda sunt coenobia, sed in locis a conversatione hominum semotis (1134). 8) Vgl. Anmerkung 1.