Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 15. Hans Pirchegger (Graz): Über steirische Diplome

262 Pirchegger. Ich meine, daß Jaksch hier zu radikal vorgegangen ist1). und halte eine Verwandtschaft des Kaisers mit der Gräfin Hemma für durchaus möglich, denn diese kann ja durch ihre Mutter Imma dem Hause der Liutpoldinger angehört haben, dem auch des Kaisers Groß­mutter Judith entsprossen war. Auch das Geschenk der Saline in Admont halte ich für durchaus möglich und werde meine Gründe dafür an anderer Stelle ausführlicher dartun 2). Die sogenannte Stiftungsurkunde für das Kloster Rott am Inn vom 5. September 1073 ist ein Falsifikat 3). Das hat W. Goldinger bereits 1939 dargetan 4 5) und die MG stellten es gleichfalls fest. Streiten läßt sich aber über das Ausmaß der Fälschung. Nach Goldinger spricht das Diplom dem Kloster Güter zu, die ihm nicht gehörten, wie Madstein bei Leoben, das Besitz des Klosters Suben (am unteren Inn) war, sowie Fiatschach und Kumberg, die zum Stiftungsgute Seckaus gehörten. Da muß man fragen: wie kam Rott dazu, diese so weit entlegenen Güter zu beanspruchen — von denen das Kloster wohl niemals gehört hatte — wenn es keinen Rechtstitel für sie besaß ? Trägt nicht Kumberg am Schöckel offensichtlich den Namen des Pfalzgrafen Chuono, des Stifters von Rott? Gewiß schenkte der Hochfreie Adalram von Waldeck 1142 seinem Kloster Seckau das Dorf Kumberg — aber das ganze ? Kann Rott nicht zwischen 1073 und 1140 Kumberg eingebüßt haben, so wie seinen Besitz „in Oriente“ bei Neunkirchen0)? In Fiatschach bei Knittelfeld besaß die Kirche Schönberg eine Hube, diese ging mit der Kirche als Geschenk der Hochfreien Gisela von Assach oder Öblarn 1171 an das Kloster Seckau über6). Also keineswegs das ganze Dorf! Madstein erscheint 1126 als Besitz des Bischofs Altmann von Trient, eines Sohnes des Lurngauer Grafen Odalschalk, und kam um 1136 oder etwas später durch ihn an Suben 7). Auch hier hatte Rott genügend Platz. Ich glaube daher, daß die genannten Güter tatsächlich 1073 an Rott geschenkt wurden. *) Für den Radikalismus Jakschens ist bezeichnend, daß er Mon. Car. III, Nr. 521, den vorletzten Zeugen: Brun filius comitis (Pernhardi) einer St. Pauler Urkunde für interpoliert erklärte, denn Graf Bernhard von Spanheim habe keine Söhne gehabt. Er bedachte nicht, daß Brun sein uneheliches Kind von einer unfreien Mutter sein konnte, daher die tiefe Stellung des Zeugen. — Ich möchte noch auf Mon. Car. IV/1, Nr. 1834, aufmerksam machen: Die Fälschung betrifft nicht, wie Jaksch angenommen hat, die Grenzangabe, sondern die Blutgerichtsbarkeit im Bezirke St. Lorenzen-Fall, die von den Herren von Rohitsch als Inhaber des Landgerichtes auf dem Draufelde wiederholt beansprucht wurde. 2) Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 39. Jg., 1948. — Dort stelle ich fest, daß auch die Bamberger Salinen im Admonttale wahrscheinlich auf eine Schenkung Kaiser Heinrichs II. zurückgehen. 3) MG. Dipl. VI, Nr. 263, S. 336; Auszug StUB. 1, Nr. 76. 4) MIÖG. XIV. Erg.-Bd. 5) M. v. Felicetti, Steiermark im Zeiträume vom 8. bis 12. Jahrhundert (Beiträge zur Kunde steirischer Geschichtsquellen IX, S. 33). •) StUB. 1, Nr. 546, S. 514. 7) Urkundenbuch des Landes ob der Erms I, Nr. 3, S. 425, und Nr. 4, S. 427 = StUB. 1, Nr. 117, S. 132, und Nr. 173, S. 173, doch hier nicht genannt; erst in der päpstlichen Bestätigung des Subner Besitzes 1236 (Urkundenbuch III, Nr. 39, S. 40 ff.).

Next

/
Thumbnails
Contents