Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 15. Hans Pirchegger (Graz): Über steirische Diplome

Über steirische Diplome. 253 es doch dessen Anteil an der Kirche, der irgendwie an Gräfin Irmgard, die Witwe des Grafen Chadilhoh, gekommen war ? Der Graf war ebenfalls ein Aribone, der Oheim Botos. Aber es gab noch andere Besitzer der St.-Martins-Kirche. Im Jahre 1144 stellte der Hochfreie Pilgrim von Hohenwart-Pozzuolo die von seinem Sohne Markgraf Gunther dem Kloster Admont vermachte St.-Martins-Kirche mit ihrem Widern zurück, ebenso zwei Hof­stätten mit den Weingärten bei Hartwigesdorf nahe der Kirche (heute Hart) und zwei zu Wetzelsdorf mit den Weingärten, seinen Besitz zu Hofstätten und drei Huben mit den Weingärten zu Bodegor. Pilgrim hatte gegen alles Recht dieses bei Straßgang gelegene Gut dem Markgrafen übergeben1). Papst Lucius III. bestätigte 1185 als Admonter Besitz die Kirche St. Martin mit dem Gute Straßgang, das dem Markgrafen Gunther und dem Grafen Konrad von Peilstein gehört hatte 2). Wie die Peilsteiner zu diesem Besitze gekommen waren, der eigentlich Aribonen-Gut war, wird später gesagt werden. Aber wie kam Markgraf Gunther hieher ? War doch bereits Pfalzgraf Hartwig, der Vater Botos, um 1025 bei Straßgang begütert und seinen Namen trägt Hartwigesdorf3). Vielleicht war Pilgrims Gattin eine Aribonin, vielleicht geht die Versippung weiter zurück. Des Erz­bischofs Hartwig von Salzburg (991—1023) Schwester Wichpurch war mit Graf Otwin von Sonnenburg verheiratet und war die Gründerin des Nonnenstiftes St. Georgen am Längsee in Mittelkärnten. Von ihren Kindern: Volkold, Heinrich, Hiltipurch, Perchkunt, Wichpurch, Hartwig und Gerloch kommt für uns der Letztgenannte besonders in Betracht, denn er war der Stammvater der Grafen von Heunburg, die so wie er um Bleiburg begütert waren. Ver­mutlich war der Graf Gero 1070 sein Sohn, der Edle Gerloh 1096 sein Enkel, und dieser Sippe gehörte wohl auch Pilgrim an, denn Hohenwart war unmittelbar benachbart der Feste Stern­berg bei Villach, nach welcher sich im 13. und 14. Jahrhundert ein Zweig der Heunburger nannte4). Diese Abstammung erklärt es nun, warum sich Markgraf Gunther nach 1122 sosehr des Nonnenstiftes annahm und selbst gegen dessen Reformator, den Abt von Admont, gewalttätig vorging 5). Gunther war wohl Erbvogt des Klosters und das erklärt, warum er St. Georgen beschenkte: es erhielt ein Gut bei Stainz, entweder Gersdorf oder Grafendorf6). Kehren wir zum ehemaligen Pfalzgrafen Aribo zurück, der im Jahre 1102 starb; zwei Jahre später folgte ihm sein Bruder Boto im Tode nach. Sie waren, wie eine gleichzeitige Quelle berichtet (die Chronik Frutolfs oder Ekkehards), die Söhne des Pfalzgrafen Hartwig und der Sächsin Friderun und stammten von jenem „überaus berühmten“ Aerbo ab, der, wie die Volkslieder noch damals erzählten, auf der Wisentjagd umgekommen war. Hartwigs Halbbruder (germanus) war Sigihart (!), der Vater jenes Sigihart, der in Regensburg 1104 erschlagen wurde 7). J) StUB. 1, Nr. 220, S. 232. — H. Pirchegger, Groß-Graz-West (Wissenschaftliches Jahrbuch der Universität Graz, 1940). Mit einem Kärtchen der Besitzverteilung. 2) StUB. 1, Nr. 641, S.614: et Wecilsdorf et Hartwigesdorf et Stubenik et Feistriz. — Graf Konrad von Peilstein hatte 1147 dem Kloster verkauft: Bodegor (Webling), Baiersdorf, Stubenik, Werde und Wistriz (StUB. 1, Nr. 265, S. 278). 8) SUB. 1, Nr. 2, S. 213. 4) Jaksch nahm Gunther nicht in seine Stammtafel der Grafen von Heimburg auf (Monumenta ducatus Carinthiae IV/2 Anhang), obwohl dem Wilhelm und dem Pilgrim von Heunburg ein Wilhelm und ein Pilgrim von Pozzuolo Zeitgenossen waren. Doch spricht u. a. auch das für meine Annahme, daß Pilgrim und Gunther vor 1144 das Dorf Gersdorf bei Spielfeld besaßen, das doch wohl eine Gründung eines Gero ist. Als es im genannten Jahre dem Stifte St. Lambrecht bestätigt wurde, war der erste Zeuge Graf Ulrich von Heunburg (SUB. 2, Nr. 224 = StUB. 1, Nr. 218, S. 239). 6) J. Wichner, Geschichte des Benediktinerstiftes Admont I, S. 78 f. 6) Günther war Markgraf von Cilli und diese Herrschaft erscheint später als Besitz der Grafen von Heunburg. Mon. Car. III, Nr. 1224 = StUB. 1, Nr. 591, S. 555. Die Wildonier Herrand und Richer nahmen dem Kloster das Gut bei Stainz weg. St. Georgen war um Bleiburg begütert, ein Geschenk der Vorfahren der Grafen (1195, Mon. Car. III, Nr. 1452) und bis 1162 in Sillweg (bei Judenburg, ebenda III, Nr. 1046), wo gleichfalls die Heunburger Besitz hatten (comes de Siliwich 1123, MG. SS. XI, S. 72). Vgl. S. 13, Anmerkung 3. 7) MG. SS. VI, S. 225.

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