Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 14. Heinrich Appelt (Graz): Die Gründungsurkunden des Klosters Reun

240 Appelt, wahrscheinlich, daß dem Verfasser des Gründungsprivilegs nicht nur über die Ablösung des gesamten Zehnten im Reuntal und über das Rechtsgeschäft mit dem Priester Wolfker, sondern auch über die anderen erwähnten Rechtshandlungen echte Aufzeichnungen Vorlagen, deren Inhalt er verwerten konnte. Aus diesen Unterlagen mag der Reuner Mönch des 13. Jahr­hunderts seine genaue Kenntnis der Entschädigungen geschöpft haben, die die Salzburger Kirche, der Priester Wolftriglo und die Brüder Liutram und Wilhelm für ihre Besitzungen erhielten. Es hätte sehr wenig Wahrscheinlichkeit für sich, wollte man hier inhaltliche Ver­fälschungen annehmen; handelt es sich doch um den Kern des Reuner Besitzes, das Reuntal selbst, das dem Kloster sicher von niemandem streitig gemacht werden konnte. Wir haben somit keinen Anlaß, in der Sicherung dieser Güter das Motiv für die Herstellung der Fäl­schung zu sehen. Dürfen wir also annehmen, daß der Gründungsvorgang selbst überhaupt nicht beur­kundet wurde ? Die Beantwortung dieser Frage macht ein eingehendes Studium des zweiten Teiles des angeblichen Privilegs von 1138 notwendig, das nun die feierliche Übergabe der genannten Güter an das Kloster durch die Markgräfin in Gegenwart des Erzbischofs und des Bischofs Roman von Gurk berichtet. Der hiebei verwendete Ausdruck tradidit potestativa manu begegnet wörtlich in einer echten Urkunde Erzbischof Konrads I. für Admont, die den Jahren 1145—47 angehört x) und deren Formular, wie wir noch sehen werden, in der Bann­formel des Gründungsprivilegs verwendet ist. Die sehr ausführliche Pertinenzformel * 2) ist für die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts möglich. Die Liste der Persönlichkeiten, für deren Seelenheil die Gründung des Klosters erfolgt ist, mag vielleicht auf nekrologische Aufzeich­nungen zurückgehen. Die Zeugenreihe, die eine beträchtliche Zahl für 1138 zeitgemäßer Namen enthält, ist sicher unter Benutzung echter Vorlagen entstanden; ob dabei etwa eine Beurkundung des Gründungsvorganges selbst verwendet wurde, läßt sich nicht entscheiden. Hingegen führt uns die Feststellung Martins weiter, daß die Bannformel, durch welche der Erzbischof die Stiftung feierlich bekräftigt haben soll, bedeutsame Anklänge an das Formular zweier von KIE verfaßter Urkunden Konrads I. von Salzburg für Admont auf­weist 3). Es ergibt sich folgender Zusammenhang: Konrad I. f. Admont, 1139 Okt. 10, SUB 2, Nr. 196: Ut igitur tam hec nostre quam et predecessorum nostrorum donationes. . . . firme et inconvulse permaneant, nos hanc inde cartam conscribi et sigilli nostri im­pressione muniri precepimus pacemque de­inceps eiusdem loci fratribus et rebus. . . inbannivimus.... Konrad I. f. Admont, SUB 2 Nr. 234: Hac igitur facta donatione. . . . requi- sivimus. .., si aliquis contradiceret, et cum nullus reclamaret, inbannivimus pacem. . ., ut nullus invadere demere vel minuere aut alienare presumat. . . Idcirco presentem constititionis pagi­nam hanc iussimus describi ac sigilli nostri impressione insigniri. Reuner Gründungsurkunde 1138: Peracta igitur donatione. ... in me­dium processimus, si aliquis donationem illam inpetere vel infringere temptaret semel et secundo tertioque -perquirentes, sed cum nullus foret, qui infestaret, nos pacem monasterio, fratribus rebusque fratrum inbannivimus aditientes, ut que- cumque ecclesiastica secularisve persona locum illum resque loco adtinentes invadere, minuere vel demere ulterius presumpserit. . . Ut ergo hec nostra institutio firma et inconvulsa iugiter omni permaneatevo, hanc presentem paginam conscribi fecimus nostri- que sigilli inpressione signari.... q SUB. 2, Nr. 234: Tradidit autem prefatum predium potestativa manu. 2) Cum quesitis et inquirendis, cultis et incultis, aquis aquarumque decursibus, molendinis, montibus, collibus, vallibus, silvis, nemoribus, pratis, pascuis, viis et inviis, introitibus et exitibus et omni omnino utilitate qua vel ipsa vel antecessores sui illud antea possederant. 3) Vorbemerkung zu SUB. 2, Nr. 183; MIÖG. IX. Erg. Bd. S. 570.

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