Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
I. Archiv-Wissenschaften - 11. Hermann Wiessner (Klagenfurt): Das Graf Dietrichsteinsche Fideikommißarchiv
188 Wiessner, Zur Herrschaft Finkenstein gehören die Buchnummern 769 bis 871. Sie umfassen: Gerichtsprotokolle ab 1657, ein Grundbuch aus 1700 mit Beschreibung aller Urbarsholden und deren Güter, Ehrungsprotokolle ab 1673, Stiftregister und Urbare, mit Lücken ab 1647, Kastenurbare ab 1651, Geldausstandregister, Pflegamtsrechnungen der Pfleger Thomas Wuk, Peter Tomantschger, Heinrich Jarnigg, Josef Aichelburg, Vincenz von Kanal, Josef Erwein, Ignaz Muschmann, Füge, Markmüller und Schneider aus dem 18. und 19. Jahrhundert, Rentamtshauptbücher, Korrespondenzprotokolle aus dem 17. Jahrhundert, Robotregister und Raitungsbücher der Rosenkranzbruderschaft in Maria Gail von 1661 bis 1763. Den Herrschaften Landskron und Velden gehören die Nummern 872 bis 1106 zu. Darunter finden wir ein Stiftbuch aus 1580, das Übergabsurbar der Herrschaften Landskron und Velden aus 1639, Landgerichtsprotokolle ab 1651 bis 1809, Ehrungsprotokolle von Landskron und Velden ab 1666 mit Lücken, Kopialbücher aller bei der Freiherrschaft Landskron- Velden befindlichen Kaufrechtsbriefe aus der Zeit von 1639 bis 1705, Stift- und Kontributionsregister von 1689 bis 1845. Zehentbeschreibungen beider Herrschaften ab 1650, Pflegamtsrechnungen der Pfleger: Ulrich von Wiedmayrshofen, Heinrich Jarnigg, Friedrich Edelmann, Josef Blumenfeld, Josef Aichelburg, Karl Schneider und Johann Glantschnigg. Der Rest der Nummern von 1106 bis 1155 hat auf alle Dietrichsteinschen Herrschaften bezug, namentlich aber auf die steirischen Güter Neuschloß, Judenburg, Poltenthal, Rottenmann und Weißkirchen. Das vorliegende Material erlaubt einen tiefen Einblick in die Verwaltung einer Großgrundherrschaft und gibt in gleicher Weise Aufschluß über die Wirtschaftsverhältnisse und Besitzrechte der bäuerlichen Bevölkerung Kärntens im 16., 17. und 18. Jahrhundert. Aus der Fülle des Aktenmaterials mit seinen 495 Faszikeln kann ebenfalls nur das wichtigste gebracht werden. Eine Reihe von Indices, Registern und Inventaren, die das Hollenburger Archiv betreffen, zeigt uns, daß das Hollenburger Archiv einst wohl geordnet gewesen sein mußte. Die Akten waren nach Schlagwörtern geordnet und in Laden untergebracht, die alphabetisch bezeichnet waren. Freilich ist aus der Lückenhaftigkeit dieser Indices auch die Größe des Verlustes zu ermessen. Auf die Person Siegmunds von Dietrichstein (1480—1533) nimmt als ältester Bestand des Aktenmaterials ein Bündel von 16 Stück Bezug. Zumeist handelt es sich um Akten finanziellen Inhaltes wie Schuldverschreibungen, Pfandbriefe, Zessionen u. dgl. Sie zeigen uns, daß der Kaiser den Dietrichsteinern schwer verschuldet war. Von Siegmund Georg (1526—1593) liegen 39 Aktenstücke vor. Erwähnenswert erscheinen darunter: das Bruchstück eines Briefes der Brüder Siegmund Georg und Adam von Dietrichstein an den Kaiser, ein Sendschreiben Siegmund Georgs an die Lehenskommissäre in Kärnten, Schuldbriefe und Quittungen Siegmund Georgs für Barbara Senuss, für den Pfleger Salomon Zeidler auf Finkenstein, für Leonhard von Keutschach auf Tanzenberg, für Peter Woykovsky von Miloschitz, für Frau Anna Ungnad géb. Neumann auf Wasserleonburg, die insgesamt die schwierige finanzielle Situation Siegmund Georgs beleuchten. Besser scheint Salomon Zeidler gewirtschaftet zu haben, der seine Herrschaft zu Erben seines Vermögens von 10.000 fl. einsetzte und dafür bis zu seinem Lebensende alljährlich 500 Pfund Wiener Pfennige sich ausbedungen hatte, die am Ostermarkt zu Linz an der Donau zu erlegen waren. Von Siegmund Georgs Bruder Adam, dem Begründer der Nikolsburger Linie, findet sich im Archiv nur ein Schriftstück, ein Sendschreiben an Karl von Dietrichstein, seinen Bruder, der 1562 kinderlos starb. Er macht ihm darin Mitteilung, von dem Verkauf seiner Herrschaft Langenberg und Drasenpach an Wolfgang von Stubenberg, seinen Schwager. Karl von Dietrichstein, der eben erwähnt wurde, ist im Archiv mit keinem eigenen Akt vertreten, wohl aber liegt ein Brief der Sibilla Khevenhüller geborenen Weitmoser an Karl vor, in dem sie ihn ersucht, ihr Testament mitzusiegeln (1559). Georg von Dietrichstein (1560—1598), seit 1587 mit Maria geborenen Welzer vermählt, ist im Archiv reichlich vertreten. Die Akten sind ausschließlich finanzieller Natur, die aus Auseinandersetzungen zwischen Georg und Karl von Dietrichstein einerseits und ihrem Schwager