Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
I. Archiv-Wissenschaften - 11. Hermann Wiessner (Klagenfurt): Das Graf Dietrichsteinsche Fideikommißarchiv
Das Graf Dietrichsteinsche Fideikommißarchiv. 183 heute der Grabstein befindet. Aus seiner Ehe mit Barbara von Rottal, der Tochter des n.-ö. Landhofmeisters Jörg von Rottal, waren fünf Kinder hervorgegangen, von denen uns Siegmund Georg als Begründer der älteren Hollenburger Linie und Adam als Begründer der Nikolsburger Linie am bemerkenswertesten erscheinen. Siegmund Georg, der im Archiv ebenfalls aktenmäßig vertreten ist, wurde am 2. September 1526 geboren. Als Kalviner hat er später alle Ämter und Ehrenstellen am kaiserlichen Hofe verloren, lebte zurückgezogen auf der Hollenburg und starb daselbst am 25. Juli 1593. Er ist der zweite Erbauer des Schlosses, wie eine im Säulengang der Hollenburg angebrachte Gedenktafel verkündet. Von seinen 18 mit Maria von Starhemberg gezeugten Kindern ist im Hinblick auf das Archiv der Sohn Bartlmä besonders hervorzuheben. Er war der Viertgeborene unter den Söhnen und erblickte am 7. April 1579 auf der Hollenburg das Licht der Welt. Seit 1601 mit Elisabeth, der Tochter des Freiherrn Joel von Franking, vermählt, der besonders in Oberösterreich begütert war, hielt sich auch Bartlmä vorwiegend dortselbst auf. Auf Schloß Riedau wohnhaft, bekleidete er die Stelle eines Verordneten der oberösterreichischen Stände und ward schließlich deren Präsident. Am 22. Mai des Jahres 1606 *) verkauften die Brüder Bartlmä und Paul von Dietrichstein die freieigentümliche Herrschaft Finkenstein an Ludwig und Anton de la Grotta um 44.000 fl. Bartlmä hatte nach erreichter Volljährigkeit die Herrschaft Hollenburg von seinen Brüdern ganz an sich gebracht und verpachtete sie 1623 an Melchior Putz, den einstigen Gewerken der Goldzeche in Großkirchheim, der, wirtschaftlich zugrunde gegangen, nun Vorsteher der Klagenfurter Münze geworden war. Als Kalvinisten mußten Bartlmä ebenso wie sein Bruder Paul das Land verlassen, versäumten die zur Rückkehr festgesetzte Frist in voller Absicht und gingen dadurch ihrer Besitzungen verlustig. Bartlmä mühte sich bis zuletzt, wieder in den Besitz der Güter zu gelangen, wie der lebhafte Schriftwechsel dartut, aber er drang nicht durch. Sie waren unterdessen auch durch schlechte Wirtschaft sehr herabgekommen. Die Herrschaft Hollenburg ging nun an eine Seitenlinie über, die sich von Franz, dem Begründer der Weichselstätt-Rabensteiner Linie, über Leonhard (gest. nach 1599), Seyfried und Erasmus I. (gest. etwa 1629) herleitet und als Pulsgauer Linie bezeichnet wird. Siegmund Ludwig und Balthasar, die Söhne des Hofkriegsratspräsidenten Erasmus Freiherrn von Dietrichstein, waren am 19. August des Jahres 1631 durch Ferdinand II. zu Reichsgrafen erhoben und ihren Herrschaften landesfürstliche Rechte erteilt worden * 2). Am 13. Juli 1637 verkaufte Kaiser Ferdinand III. Siegmund Ludwig Grafen von Dietrichstein Herrschaft und Schloß Hollenburg, nachdem bereits Kaiser Ferdinand II. demselben die genannte Herrschaft käuflich überlassen und er mit einer Kaufverschreibung vom Georgi- tag 1636 versehen war 3). Auch die Blutsgerichtsbarkeit war darin neuerlich verliehen worden, wie dies bereits in der Urkunde Maximilians vom 28. Juli 1525 ausgesprochen worden war. Darüber hinaus verkaufte am 14. Dezember 1639 Kaiser Ferdinand III. dem Grafen Siegmund von Dietrichstein, die wegen „crimen laesae majestatis“ angefallenen Khevenhüller- schen Herrschaften Landskron und Velden 4). Siegmund erwarb auch 1643 die seinerzeit an die Grotta verkaufte Herrschaft Finkenstein zurück. 1637 am 22. April hatte ihm Kaiser Ferdinand III. die Privilegien dieser Freiherrschaft, nämlich das Recht zu adeln, das Bergwerksregal und das Münzrecht bestätigt 5). 1645 wurde Siegmund Ritter des Goldenen Vließes. Seit 1634 mit Anna Maria von Meggau vermählt, erhielt er durch diese Verbindung weiteren reichen Besitz in Steiermark und Oberösterreich. Er starb 1653 in Graz. Mit Siegmund Ludwig beginnt eine neue gräfliche Linie in Kärnten. Aus seiner Ehe mit Maria Anna von Meggau waren die Söhne Siegmund Helfried, Franz Adam und Georg Seyfried hervorgegangen, auf die nun das im Jahre 1647 eingerichtete Fideikommißgut überging, die vier Töchter wurden mit Geld abgefertigt, die Witwe mit der Durchführung x) DA. Nr. 148. 2) KLA. Nr. 2928. 3) DA. Nr. 164b. 4) DA. Nr. 164c. 5) DA. Nr. 164b.