Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
I. Archiv-Wissenschaften - 10. Tihamér Vanyó (Pannonhalma): Das Archiv der Konsistorialkongregation in Rom und die kirchlichen Zustände Ungarns in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts
Archiv der Konsistorialkongregation in Rom. 155 B. Archivio della Congregazione Consistoriale. a) Acta Congregationis Consistorialis. Die Reihe enthält die Protokolle der Sitzungen in geschichtlicher Folge. Laut Jadin, der aus dieser Serie bisher als einziger ein bedeutendes Material veröffentlichte, besteht die Gruppe von 1592 bis 1806 aus 205 Bänden mit vier Indexbänden. Aber vor dem Jahre 1627 ist kaum etwas zu finden, nur die strenge Verordnung Urbans VIII. (Admonet nos, 15. Dezember 1625) hat die Verwüstung zum Stehen gebracht und die Aufbewahrung der Acta und Processus sichergestellt. Trotzdem gibt es bis 1650 nur zehn Bände der Acta. Nach Ludwig Pásztor besitzt das Archiv von 1584 bis 1817 200 bis 220 Bände. Diese Reihe ist eine wichtige Ergänzung der Informativprozesse, hauptsächlich in zweifelhaften Fällen. Aber sie ist viel bedeutender für die Geschichte kirchlicher Institutionen als für die der Personen. Zerteilung einzelner Diözesen, Errichtung neuer, Auflösung, bzw. Vereinigung von Klöstern verursachte manchmal jahrelang dauernde geistliche Kämpfe und in solchen Fällen wurden außer der Stellungnahme der Kongregation auch ausführliche Denkschriften, Beilagen beider Parteien den Protokollen hinzugefügt. b) Processus. Auch Processus Consistoriales, Processus Ecclesiarum, Processi dei Vescovi nennt man die Sammlung der Informativprozesse. Nach jahrhundertelangdauernden Antezedenzienhat Gregor XIV. im Jahrel591,dann UrbanVIII. im Jahre 16 27 die Verfertigung der Informativprozesse eingehend geregelt. Die Serie enthält von 1564 bis 1849 253 Bände, aber zwischen den Jahren 1564 bis 1621 befinden sich Lücken. Von da an ist das Material beinahe vollständig, obwohl es noch immer fehlende Bände und verborgene Protokolle gibt. Die Prozesse bis 1849 sind seit dem Jahre 1908 im Vatikanischen Archiv deponiert, sämtliche geordnet und registriert. Die übrigen hat man im Jahre 1942 ebenfalls dort untergebracht. Die Informativprozesse sind meistens in Urschrift zu finden *). Auch außer der Processus-Serie sind Informativprozesse erhalten geblieben, u. zw. mit der Zeit Leo X. beginnend aus dem 16. und vom Anfang des 17. Jahrhunderts. Ein Teil der vortridentinischen Prozesse ist auch im Druck erschienen 2). Aber nur eine kleine, Anzahl im Vergleich mit den Prozessen der Folgezeit. Diese Informativprozesse befinden sich nicht im Archiv der Konsistorialkongregation, sondern in dem im Vatikanischen Archiv bewahrten Engelsburger Schriftenbündel (AA [Archivio S. Angelo], Arm. I—XVIII. 2839 und 2858) und in den Bänden der Miscell. Arm. XII. 144, 145, 146, 214, 216, 217, 218. Wir x) Die Beschreibung des Archivs geben wir im wesentlichen nach Ludwig P ásztor (a. a. O. 14—16, 28) mit gewissen Ergänzungen auf Grund unserer eigenen Forschungen und mit Benützung der folgenden Schriften. — Jadin: Les Actes 30—31. — Jadin: Procés III. 34. — Francois, Michel: L’histoire religieuse de la France au Vatican. (Cariére, Victor: Introduction aux études d’histoire ecclésiastique locale, I. Paris, 1940. 379—434. Hier hauptsächlich 409—10.) Diese Studie beschäftigt sich mit dem ganzen Bestand des Vatikanischen Archivs. Auch nichtfranzösische Forscher können sie mit Nutzen gebrauchen. Aber Ludwig Pásztors Erörterung ist für den imgarischen Forscher als Anleitung gut und genügend. Es wird darin auch die seit dem Aufsatz von Francois erschienene neuere Literatur berücksichtigt, hauptsächlich Finks grundlegendes Werk und die bisherige ungarische Forschung samt Veröffentlichungen angegeben. — Galla, Ferenc: A püspök jelöltek kánoni kivizsgálásának jegyzőkönyvei a Vatikáni Levéltárban. (Die Inf.-Proz. i. Vat. Archiv.) Budapest, o. J. (Sonderabdruck aus: Levéltári Közlemények [Archivalische Mitteilungen], 1942—45. Jg.), 22—24. Im ersten Teil seiner Studie bespricht der Verfasser eingehend die Entwicklung, Regeln und Ablauf des Informativprozeses, dann teilt er von 1612 bis 1768 den Leiter, die die Zeugen, den Zeitpunkt und den Fundort der Informativprozesse unserer Bischöfe mit. Die außer der Processus Serie stehenden und von der Dataria verfertigten Informativprozesse hat er nicht berücksichtigt. 2) Friedensburg, Walter: Informativprozesse über deutsche Kirchen in vortridentinischer Zeit (Quellen und Forschung des Preuss. Hist. Inst, in Rom, I. Rom, 1898. 165—203.) — Korzeniowski, J.: Excerpta ex libris manuscriptis archivi consistorialis Romani 1409—1690. Cracoviae, 1890. — Die Veröffentlichung der auf Belgien bezüglichen frühesten Informativprozesse hat Jadin in Aussicht gestellt (Les Actes 32), aber unseres Wissens hat er sein Vorhaben noch nicht durchgeführt.