Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 9. Eduard Straßmayr (Linz): Das Schloßarchiv Weinberg (Oberösterreich)

142 Straßmayr, Armee, über hervorragende Reiterregimenter und Feldherren schrieb und eine vortreffliche Geschichte seines Hauses auf Grund eingehender Quellenstudien verfaßte x). Die wechselvollen Schicksale, welche Weinberg und seine Besitzer seit dem 14. Jahr­hundert bis in unsere Zeit herauf durchmachten, finden in dem reichhaltigen Schloßarchiv eine vielseitige Beleuchtung. Besucher, die vor dem letzten Weltkrieg über zwei Zugbrücken durch die mit festen Türmen bewehrte Ringmauer hindurch das Innere der wohlerhaltenen Burg betraten und die drei Stockwerke des Hauptbaues durchwanderten, konnten in weiten Prunkräumen den alten Glanz eines denkwürdigen Hauses vor ihrem Auge Wiedererstehen sehen 2). In drei großen Sälen war eine auserlesene Waffensammlung untergebracht, die zum Großteil noch aus der Zeit der Zelkinger stammte und die alte Rüstkammer bildete. Eine entzückend eingerichtete Hausapotheke aus dem 18. Jahrhundert hatte anderswo kaum noch ihresgleichen. In den Rahmen der Sehenswürdigkeiten fügte sich recht gut ein stimmungsvoller Raum, in welchem bis zum Jahre 1924 das Familienarchiv untergebracht war 3). Eine Archiv­stätte von so unberührtem Reiz und solcher Unversehrtheit dürfte kaum noch in einem andern Schlosse zu finden gewesen sein. Durch eine im zweiten Stockwerke der Hauptburg ange­brachte eiserne Tür stieg man auf 16 Steinstufen zu zwei Gemächern hinunter, die sich durch ihre Trockenheit und feuersichere Abschließung für die Aufbewahrung der Familienschriften und der auf den Güterbesitz Bezug nehmenden Akten gut eigneten. Über der Eingangstür war folgende Aufschrift zu lesen: Thürheimianae gentis archiscrinia, quae ad illustrium fortis­simorum et nobilium avorum gloriam, ad decus et splendorem gentis suae, ad posteritatis usum non sine propinquarum, immo exterarum familiarum commodo Christophorus comes a Thürheim, Caes. Reg. Majestatum cubicularius, consiliarius intimus actualis et supremus Austriae supra Onasum praefectus propriis sumptibus et studio collegit, auxit et in ordinem redigi curavit A. Re. Sal. 1778 per nob. et stren. D. Joan Adamum Trauner. Über die Geschichte des Archivs vor dem 18. Jahrhundert geben die Akten wenig Auf­schluß 4). Im Jahre 1752 geschieht in einem Aktenstück gelegentlich der Nachforschung nach einem alten Wechselbrief die Erwähnung, daß das Weinberger Archiv bei der letzten Feindesinvasion5) in Unordnung geraten und seitdem nicht mehr eingerichtet worden ist. Es war also schon früher eine ordnende Hand im Archiv tätig. Eine Neuaufstellung und gründliche Inventarisierung des Archivs hat der Archivar Johann Adam Trauner (1723—1805) vorgenommen6). Kaum ein anderes Land wird einen Mann zu verzeichnen haben, der im 18. Jahrhundert mit solchem Bienenfleiß und so prak­tischem Sinn Archivordnungen durchgeführt hat wie Trauner. Die besten Jahre seines Lebens hat er dieser mühevollen und wenig einträglichen Arbeit gewidmet und in der Zeit von 1766 bis 1796 nicht weniger als 21 Archive mustergültig geordnet. Schloßbesitzer, Klöster und Städte bewarben sich um diesen vortrefflichen Menschen, der überall den Ruf eines verläßlichen und verschwiegenen Archivars genoß. Obwohl er das Rüstzeug für wissen­schaftliche Arbeiten nicht besaß, hat er doch durch seine mehr auf die praktische Seite x) Blittersdorff Ph., Andreas Graf Thürheim. Oberösterreichische Männergestalten aus dem letzten Jahrhundert, herausgegeben von E. Straßmayr (Linz 1926), S. 158 ff. Ein genaues Verzeichnis der Schriften bei (Thürheim), Die Reichsgrafen von Thürheim, S. 137 ff. 2) Gablenz R., Beschreibung der Herrschaft Weinberg (Linz 1917), S. 5 ff. 3) Da Platzmangel die Schloßinhaber zu größeren Adaptierungen zwang, wurde das Archiv in einen anderen, übrigens auch ganz günstigen Raum des Erdgeschosses verlegt. 4) In dem Vorwort zum Archivinventar der Herrschaft Weinberg, 2. Teil, S. 9 ff., führt G. Grüll, der die Archivbestände 1947/48 neu ordnete, kurze, aus dem 17. Jahrhundert stammende Verzeichnisse über Kauf-und Lehenbriefe und ein ausführliches Repertorium über das Herrschaftsarchiv Bibrachzell (1608) an. 5) Darunter ist wohl der bayrisch-französische Einfall in Oberösterreich 1741 gemeint. 6) Seine Wirksamkeit behandelt ausführlich Straßmayr E., Archivar Johann Adam Trauner. Ein Beitrag zur oberösterreichischen Archivgeschichte des 18. Jahrhunderts. Jahresberichte des ober­österreichischen Musealvereines, Bd. 81 (1926), S. 255 ff.

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