Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
I. Archiv-Wissenschaften - 6. Walter Pillich (Wien): Staatskanzler Kaunitz und die Archivforschung (1762-1794) ....
Staatskanzler Kaunitz und die Archivforschung 1762—1792. 113 eigen allerhöchste Ueberzeugung zum Grunde, und keineswegs ihre in- oder auswärtige Belobung zum Gegenstände hätten“; dies fand die Zustimmung des Kaisers. Der als Geschichtsschreiber bekannte sachsen-weimarische Kammerrat Georg August von Breitenbauch x) übersandte am 17. August 1783 2) aus Bucha bei Naumburg, ebenfalls in Unkenntnis der Zensur Vorschrift, dem Staatskanzler Kaunitz das ,,Leben der Kaiserin Adelheid“ 3), in dem er Parallelen mit der Kaiserin Maria Theresia zieht, und das „Leben der Kaiserin Mathilde“ als Zueignung für den Kaiser. Darauf erteilte Kaunitz dem Autor bloß die formlose Nachricht4), daß über Auftrag des Kaisers das Werk der Hofbibliothek übergeben wurde. Darauf wandte sich Breitenbauch neuerlich, diesmal mit dem Hinweis, daß er der Sohn jenes kursächsischen Kammerherrn sei, der 1741 mit dem Glückwunsch des Kurfürsten bei der Geburt des Kaisers nach Wien geschickt worden wäre, doch wieder ergebnislos an Kaunitz. Auf diesen Vortrag des Fürsten vom 26. Dezember 1793 5) schrieb der Kaiser: „dient zur Nachricht und sind diese Bücher ohne weitere Antwort in der Hofbibliothek zu hinterlegen.“ Mit dem Ansuchen des Schriftstellers Joseph Grafen von Windischgrätz6) vom 14. Juli 17847) an das Hausarchiv um Kopierung von Urkunden seiner Familie und der Bitte eines Grafen von Diesbach vom 9. Mai 1788 8), durch Vermittlung des Grafen Cobenzl, beglaubigte Abschriften von Akten einiger Schweizer Familien aus dem Hausarchiv zu erhalten, tritt die Genealogie in Erscheinung, die sich damals noch ausschließlich auf den Adel beschränkte. Als dritte von Kaunitz für die historischen Forschungen und Ausarbeitungen bevorzugte Persönlichkeit sei neben Schrötter und Rosenthal noch der am 15. Juli 1783 verstorbene Direktor der Hofbibliothek zu Wien, Hofrat Adam Franz Kollar von Kereszten 9), kurz erwähnt. Die oftmalige und fruchtbare Benützung der Bestände des Hausarchivs durch diesen Rechtsgelehrten und Geschichtsforscher für seine bekannten Quellenwerke sind hinlänglich bekannt und verdienen, in einer eigenen Arbeit behandelt zu werden. Ein Verzeichnis der auf „allerhöchsten Befehl“ von Kollar bis 1772 10) verfaßten Arbeiten weist 34 „unmaßgebliche Meinungen“, Deduktionen und andere Schriften auf. Nach dem Tode Kollars erhielt das Hausarchiv aus seinem Nachlaß 1784 die größtenteils heute noch erhaltenen 54 Manuskripte seiner Arbeiten 11). Der 1785 einige Zeit in Wien weilende Altdorfer Professor Georg Andreas Will12) stellte an das Hausarchiv ein Ansuchen um drei Abschriften von Urkunden von dem 1268 zu Neapel enthaupteten Konradin von Hohenstaufen. Hofrat Schmidt rät der Staatskanzlei am 13. April 1785 13) dazu, diese drei Urkunden kopieren zu lassen, die „einerseits ganz und gar nichts enthalten, welches auf irgend eine Weise verfänglich seyn könnte, andererseits aber dienen, einiges Licht über die noch ziemlich im dunklen liegende Geschichte dieses unglücklichen Prinzen zu verbreiten.“ Dies wurde von der Staatskanzlei auch „ohne Anstand“ zugelassen. *) *) ADB., 3. Bd., S. 296. 2) St. K. W., Fasz. 2. 3) Gemahlin Kaiser Otto des Großen. 4) Am 21. Jänner 1784, St. K. W., Fasz. 2. 5) St. K. V., Fasz. 208. 6) Wurzbach, 1. c., 57. Bd., S. 60. 7) K. A. 1784/10. 8) K. A. 1788/5. 9) Wurzbach, 1. c., 12. Bd., S. 324 f. und ADB., 16. Bd., S. 472. 10) Beilage zum Vortrag Kaunitz an Maria Theresia vom 10. November 1772 in K. A. 1772/13. 41) K. A. 1784/12 und vgl. Bittner, 1. c., III. Bd., S. 262—265. 12) ADB., 43. Bd., S. 241. 13) K. A. 1785/14. 8