Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)

IV. Das Werk des österreichischen Hofkriegsrates 1556-1848

69 hätten unterlassen werden können. . . des Ordens würdig sind, z. B.: wenn ein Offizier ohne besonderen Befehl einen Angriff waget. . . ohne Erwartung der Ordre. . . von sich selbst. .. Der Orden wurde somit grundsätzlich nur für tapfere und solche Taten verliehen, die restlos der eigenen Initiative entsprangen. Wie hätten im Jahrhundert von der Ordens­gründung 1757 bis 1848 38 der bedeutendsten Generale den höchsten Ordensgrad erwerben können, wenn sie nicht vollkommen Herr ihrer Entschlüsse, sondern in allem vom Hof­kriegsrat abhängig gewesen wären! Bei dieser Gelegenheit muß mit einer weiteren Geschichtslegende, nämlich mit der Auffassung aufgeräumt werden, der Maria Theresien-Orden wäre für Taten verliehen worden, die gegen den erhaltenen Befehl unternommen wurden. Diese Meinung ist grund­falsch, durch die zitierten Statuten widerlegt, sie wurde auch von Kaiser Franz Josef I. gelegentlich der Ergänzung der Statuten im Jahre 1878 ausdrücklich dahin richtiggestellt, daß Taten „aus eigener Initiative und ohne Befehl vollführt“ nie mit einer „Nichtbefolgung erhaltener Befehle“ verwechselt werden dürfen 4). Ein großer Widerspruch in der Kritik am Hofkriegsrat liegt auch darin, daß dieser Hofkriegsrat zum überwiegenden Teil von den namhaftesten Feldherren organisiert und geleitet wurde. Die Liste der Präsidenten (Anlage 1) zeigt die glänzendsten Namen und es ist nur eine Hand voll, von denen gesagt werden kann, sie hätten den Erwartungen nicht entsprochen. Von Mannsfeld wird behauptet, er habe im Feldzug 1701—1703 die Rüstungen nicht vorwärts gebracht und sei der Schwierigkeiten nicht Herr geworden: 1702 verweigerten aber die vorderösterreichischen und obderennsischen Stände zugleich mit Krain, Salzburg, Regensburg u. a. m. die Verpflegung, Steuern, Truppenstellungen und Unterkünfte * 2). Mit Prinz Eugen harmonierte Mannsfeld gar nicht und in der Armee war er „unbeliebt und von der Generalität gehaßt“3 4). Ein anderer ungünstig beurteilter Präsident war der im Kampf sehr erprobte Markgraf Hermann von Baden-Baden und ein dritter der General Tige. Beiden wird vorgeworfen, dem Einflüsse nichtmilitärischer Kreise zu stark unterlegen zu sein. Radetzky sagt über Tige, er habe sich ganz dem Staats­rat gefügt und im Hofkriegsrat das Wort dem vertrauten Thuguts, Hofrat Türkheim überlassen4). Königsegg mußte 1738 abberufen werden, als der Türkenkrieg schlecht geführt wurde. Diesen vier Präsidenten steht jedoch eine erdrückende Mehrheit von hervorragendsten Gestalten gegenüber, die nicht nur als siegreiche Heerführer, sondern auch als erfolgreiche Diplomaten und Staatsmänner der Geschichte angehören. Sech­zehn Präsidenten waren Ritter vom Goldenen Vliese, vier Präsidenten besaßen das Großkreuz, zwei das Großkreuz, Kommandeur- und Ritterkreuz, fünf das Komman­deur- und Ritterkreuz, einer das Kommandeur- und einer das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Wie sollte eine Behörde versagt haben, an deren Spitze ein Monte- cuccoli, Starhemberg, Prinz Eugen, Daun, Lacy, Hadik, Erzherzog Karl und Schwarzenberg gestanden sind? Man zerrt in Österreich so gerne einen Mack wegen Ulm oder einen Mel as wegen Marengo in das Rampenlicht geschichtlicher Verurteilung und verbindet damit die Behauptung, an solchen Niederlagen wäre der Hofkriegsrat schuld gewesen — Blücher wurde aber nicht genug bestaunt, der wohl bei Waterloo zum Siege beigetragen hat, der aber nicht weniger als zwölf mal von Napoleon geschlagen worden ist — ohne einen Hofkriegsrat. Von den Hofkriegsratspräsidenten besitzen ihrer sieben in Wien ein Denkmal (Erz­herzog Karl, Prinz Eugen, Lacy, Hadik, Daun, Starhemberg, Schwarzenberg), nach fünfzehn Angehörigen des Hofkriegsrates sind Straßen benannt (außer den soeben genannten noch Gonzaga, Bellegarde, Lobkowitz, Montecuccoli, Hardegg, Löbl, J) „Statuten des löblichen militärischen Maria Theresien-Ordens.“, Wien 1878. 2) „Feldzüge des Prinzen Eugen...“, I„ IV., S. 47 f. 3) ebendort, I., V„ S. 30. 4) Radetzkys Selbstbiographie in „Mitteilungen des k. k. Kriegsarchivs“, 1887, S. 32. 69

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