Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)
III. Der Einfluß des Hofkriegsrates auf die militärische Führung. - b) Beispiele aus der Kriegsgeschichte - 6. Die Franzosenkriege 1792—1815
60 stellen. Die umfassenden Heeresreformen des Hofkriegsratspräsidenten Harrach hatten ihre Früchte getragen und das Kräftebild für 1756 stellte sich folgender Art dar: Friedrich II. Daun • Bataillone 26 35 Grenzkompagnien — 31 Eskadronen 64 81 Mann 28.500 hievon 28.200 (25.700?) hiezu ' Reiter 10.000 7.150 (7.600 ?) Geschütze 98 (größeren Kalibers) 94 (kleineren Kalibers) Auch dem F. M. Daun war 1757 vollste Handlungsfreiheit eingeräumt und er machte gründlich hievon Gebrauch. Er hielt sich nicht an den Vorschlag Neippergs, der eine Teilung der Kräfte ins Auge faßte, sondern zog im Gegenteil alle seine verfügbaren Kräfte zusammen und erfocht den Sieg von Kolin, der in seinen Auswirkungen Franzosen, Russen und Schweden gegen den Preußenkönig zur Aktion rief und Österreichs Truppen bis nach Berlin führte. Im selben Jahre gelang es Brownes ureigenster Führungskunst, die Preußen zur Räumung von Böhmen zu zwingen, was für Österreich vorteilhafte außenpolitische Folgen nach sich zog. 6. Die Franzosenkriege 1792—1815. Am 12. Mai 1791 wurden im Staatsrat Anträge auf Ersparungen im Wehrbudget eingebracht und Staatsrat Friedrich Freiherr von Eger bemängelte den zu hohen Stand des österreichischen Heeres1). Da auch von anderer Seite Abrüstungsvorschläge eingelaufen waren, hatte der Hofkriegsrat schon am 12. April zu diesen Stellung genommen. Er warnte davor, das spanisch-englische Abkommen, das die gegenseitigen Flottenstärken regelte, ohne vorhergehende Einigung der Großmächte automatisch auf die Abrüstung zu Land zu übertragen und wies darauf hin, daß das Fehlen einiger 1000 Mann im November 1789 in den Niederlanden die Schuld daran war, daß für vermeintlich einges'parte zwei bis drei Millionen nachher viele Millionen geopfert werden mußten. Der Hofkriegsrat sei nicht für ein ziffernmäßig großes Heer ohne Qualität, sondern für ein den Staatskräften angepaßtes, stets verwendungsfähiges Heer. Kaiser Franz lehnte auf Grund des hofkriegsrätliehen Gutachtens eine einseitige Abrüstung Österreichs ab, was sicher ein zutreffender Entschluß war, denn im April 1792 wurde an Österreich der Krieg erklärt. Hinsichtlich der militärischen Führung geben die Franzosenkriege so ziemlich dasselbe Bild wie die Preußenkriege. Franz II. übte einen nicht unerheblichen Einfluß auf die Gesamtkriegführung aus, ließ aber den Feldherren auf den Einzelkriegssehauplätzen ihre Selbständigkeit. Als Koalitionskriege brachten die Feldzüge gegen Frankreich reichlichen Konfliktstoff in der außenpolitischen Konzeption und in der Zusammenarbeit mit den Verbündeten. Der Beginn der Franzosenkriege, von denen Lacy vorausgesagt hatte, daß der „Spaziergang“ nach Paris lange dauern werde* 2), war nicht ermunternd. Zunächst mußte wieder ein Oberbefehlshaber aus außenpolitischen Gründen hingenommen werden,' es war der Herzog von Braunschweig,der nicht nur alsFeldherr, sondern mit seinem Manifest an die Franzosen auch als Diplomat versagte. Kaiser Franz übertrug ihm am 3. April 1792 den Oberbefehl in der Hoffnung, es werde von Vorteil sein, „wenn nur ein General an der Spitze der ganzen Monarchie stehe, nach dessen Befehlen alle Kommandanten der verschiedenen Armeekorps sich zu richten hätten.“ In einem Handschreiben vom 7. April an den Fürsten Hohenlohe sorgte b „Kriege unter der Regierung des Kaisers Franz“, I. Einleitung S. 192 f. 2) Criste. „Erzherzog Karl...“, I., S. 51. 60