Szladits Károly (szerk.): Magyar Jogászegyleti értekezések 8. kötet (72-82. füzet) - Magyar Jogászegyleti értekezések 8. (Budapest, 1893)
Liszt Ferencz: A jövő büntetőjoga [76., 1892]
35 den ältesten Zeiten bis in unser Jahrhundert. Aber in diesem gewinnt er andere Gestalt und erhöhte Bedeutung. Verschiedene Umstände haben zusammengewirkt, um dieses Besultat zu erzielen. Ich erinnere an die Begründung und Ausbildung der Anthropologie, die sich zunächst auf Schädelmessungen stützte; an den unerwarteten Fortschritt der Psychiatrie; besonders aber an die scharfe Betonung des Gesetzes der Vererbung. Alle diese verschiedenen Vorarbeiten haben Lombroso und seine Anhänger zusammengefasst. Grosse Verdienste erwarben sie sich durch den Ernst, mit dem sie den Satz durchführten, dass, wer das Verbrechen bekämpfen will, den Verbrecher, d. h. den Menschen, und nicht den Begriff, studieren muss. Unermüdlich wurden neue Gesichtspunkte herangezogen, neue Erforschungsmethoden aufgestellt; kein Glied am Körper des Verbrechers ist sicher gewesen vor ihren Untersuchungen. Schädel und Gehirn, Nase und Augen, Arme und Beine, Sprache und Schrift, Liebe und Hass des Verbrechers wurden mit wissenschaftlichen Instrumenten gemessen, um ein vollständiges Bild von ihm zu gewinnen, und um zu zeigen, wie jene Eigenart beschaffen ist, die mit unabwendbarer Nothwendigkeit zum Verbrechen führt. So ist das Bild des Verbrechers entstanden, wie es vor aller Augen steht. Da sehen wir den homo delinquens vor uns; einen tätowirten Mongolen, stark und schwer, mit langen Armen, mit grossen Schädelabnormitäten, hervorstehenden Backenknochen, vorspringenden Kinnladen, mit tiefliegenden Augen, krummer Nase, reichlichem Haupthaar, mit spärlichem Bart- wuchse. Wir finden krankhafte Erscheinungen und Störungen der Bewegung des Herzens, der Lunge, der Leber, des Magens ; die Empfindlichkeit ist herabgesetzt, daher Grausamkeit gegen andere und gegen sich selbst, Todesverachtung, Lust und Freude am Tatowiren; Gehör, Geschmack, Geruch, sämmtlicho Sinnesempfindungen sind reduzirt; vom moralischen Standpunkte erscheint uns der Verbrecher als lügnerisch, unbeständig, den Weibern und dem Wein ergeben, in Orgien Ersatz für das ihm versagte gesellschaftliche Leben suchend; eigenartig scheidet er sich durch Sprache und Schrift, ja sélbst durch seinen Gang von seinen glücklicheren Mitmenschen. 169 3*