Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)
Domonkos Illényi, Die Gestaltung der Position der sorbischen Nationalität in der DDR (1945-1975)
73 Domowina und den Sowjets fort. Immerhin hat man in der Domowina auch den Mangel an Vertrauen den Deutschen gegenüber formuliert: "... wir wollen nicht verheimlichen, dass die wahre Verwirklichung der Gleichberechtigung und damit die Gewährleistung der Existenz unseres Volkes noch ein zu weites Feld ist."^ Auch sorbische Bürger beteiligten sich an der Bodenaufteilung, der Verstaatlichung, der Gründung der Genossenschaften verschiedener Provenienz, im Aufbau des Landes. Im Jahre 1947 wurde in Bautzen, auf dem Grundstück der Lessingsschule, das Haus der Sorben wieder aufgebaut, wo man bald sorbische und ins Sorbische übersetzte deutsche und russische Theaterstücke aufführte. Unter dem Titel "Nowa doba" erschien eine sorbischsprachige Zeitung, und der folgten für Kinder und Jugendliche herausgegebene Presseprodukte. Der antifaschistisch - demokratische Block des sächsischen Landtages legte am 25. 2. 1948 einen Gesetzentwurf mit dem Titel "Die Wiederherstellung der Rechte des sorbischen Volkes" vor, der von der friedlichen Koexistenz und der Notwendigkeit der wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Entfaltung der Nationen und Nationalitäten ausging. Laut dem 2. Paragraphen des Gesetzes "Über die Verteidigung der Rechte der sorbischen Bevölkerung" vom 23. 3. 1948, wurden sorbischsprachige Grundschulen und weiterbildende Schulen gegründet. Für die Pflege der Nationalitätenkultur war die Domowina zuständig, die politische Representation oblag den sorbischen Referenten der sich in die Nationale Front gescharten demokratischen Parteien. Vom 13.11.1948 an organisierte der sorbische Theaterverein das Laienspiel in der Lausitz, und der deutsche Rundfunk meldete sich zweiwöchentlich mit einer sorbischsprachigen Sendung von 30 Minuten. Im nächsten Jahr, am 10.6. 1949, wurde an der Hochschule im Schloss Radibor eine sorbischer Abteilung ins Leben gerufen. II. Nach der Gründung der DDR am 7. 10. 1949 erhielten die Sorben auch verfassungsrechtliche Garantien zur Entfaltung des beginnenden nationalen Seins. Der 11. Paragraph der Verfassung der DDR gewährte den Ausbau des sorbischen Schulsystems und des kulturellen Netzes.ermöglichte den Gebrauch der Muttersprache in den Schulen, in der lokalen Verwaltung und vor dem Gesetz. Die sorbische Bevölkerung und ihre nationalen Organisationen begriissten mit Vertrauen die Leitung des neuen Staates. Am 16.2. 1950 empfing W. Pieck eine sorbische Delegation. In der offiziellen Besprechung wurde die Praxis des oben genannten sorbischen Gesetzes erörtert. Es kam zu einem der üblichen Kompromisse: alle Parteien und