Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)
Vesa Dittinen (Helsinki), "Öko-Faschismus" - eine Fallstudie aus Finnland
42 dem eremitisch lebenden Sonderling wurde plötzlich ein Gestalt der MedienÖffentlichkeit, der, in den schlichten Arbeitsanzug eines Fischers gekleidet, bei Paneldiskussionen den Vertretern des Establishments und der Presse seine ökologische Predigt aggressiv vortrug. Für seine schriftstellerische Tätigkeit erhielt er neulich den angesehenen Eino Leino-Literaturpreis. Heute gibt es kaum einen Finnen, der nicht zur Botschaft Linkolas Stellung genommen hätte. Im Ausland ist er demgegenüber vorwiegend noch unbekannt. Als die finnischen Grünen - damals noch nicht in einer Partei konstituiert - im Juni 1985 in Turku einen Bundeskongress hielten, trat auch Linkoladort auf. In seiner Rede forderte er, dass die Grünen von den Nazis lernen sollten. Die Zerstörung der Natur sei so weit vorangeschritten, dass äusserste Massnahmen vonnöten seien. Auch Völkermorde sollte man akzeptieren, wenn man nur die Belastung der Umwelt damit erleichtern könne. Hitler war damit eigentlich ein Wohltäter, da er die Anzahl der Menschen um einige Zehnmillionen reduzierte. "Das Wort 'weich' soll aus dem Vokabular der Grünen ausgerottet werden", verkündete Linkola. Wenn das als Provokation gemeint war, so gelang das. Die Grünen nahmen entzürnt und geniert Abstand von den Thesen Linkolas, die Presse jubilierte mit Schlagzeilen. Seitdem haftet die Etikette des Öko-Faschisten Linkola unaustilgbar an. 3. Ein wenig später verfasste Linkola ein 50 Seiten starkes Programm für die grüne Bewegung, die zwar Diskussionen auslöste, aber von den meisten Grünen a limine abgelehnt wurde. Im Programm legt er sein eigenes Gedankensystem vor, das er "Überlebenslehre" nennt. Aufgrund dieser "Lehre" bietet er den Umriss eine grünen Zukunftsgesellschaft, die einige Kritiker mit dem Pol Pot-Regime in Kampuchea verglichen haben. Das grüne Denken, die grüne Philosophie, bedeutet einen nie vorhergesehenen Sprung im abendländischen Denken, einen totalen Wechsel des Blickpunkts", schrieb Linkola in der Einleitung seines Programms. "Der Mensch steht nicht im Zentrum; die Wünsche und Träume des Menschen sind gar nicht der Ausgangspunkt. Die Produktivkraft, der Reichtum, die Tragfähigkeit der grünen Natur bilden den Ausgangspunkt" (1) Nach Linkola seien "die Forderung des Fortschritts und die des Fortbestehens des Lebens reziprok" (2). Das Überlel>en setze eine "riesige Reduzierung der Technosphäre" voraus (3). Das Stehenbleiben auf dem wirtschaftlichen Niveau der 80er Jahre genüge