Az Egri Ho Si Minh Tanárképző Főiskola Tud. Közleményei. 1972. (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 10)
Kollektiv entwickelt sich ständig. Neue Anforderungen führen zu neuen Verhaltensweisen, die nicht immer vom ganzen Kollektiv bezeugt werden. Durch negative Einzelerscheinungen kann bisweilen ein ganzes Kollektiv falsch beurteilt werden, obwohl sich dieses mit negativen Auffälligkeiten auseinandersetzt, daran wächst und sich so weiterentwickelt. Das Gesetz und seine Erscheinungsformen sind also nicht unmittelbar identisch, wohl aber sind die äußeren Erscheinungsformen solche bestimmter Gesetze. Wenn man weiß, wie und warum sich beispielweise die Gesetze, die das Kollektivgeschehen bestimmen, in diesen oder jenen Formen äußern, dann kann man auch Kollektive in ihrer Dialektik beurteilen sowie neue Erfahrungen richtig analysieren. Infolge ihrer Abhängigkeit von vielen subjektiven und objektiven Faktoren sind pädagogische Prozesse und Erscheinungen sehr kompliziert, veränderlich und keineswegs eindeutig. Wir können selten lineare Ursache-Wirkung-Relationen ermitteln. Der Mensch als gesellschaftliches, andere und sich selbst veränderndes Wesen verlangt ein komplexes Herangehen an seine Persönlichkeit auf der Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen, um ihn zur allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit zu erziehen. Man muß das Wesen einer Erscheinung erfassen, wenn man Gesetze formulieren will, die eben dieses Wesen ausdrücken. „Der Übergang von der Erscheinung, von den Sinneswabrnebmungen zum Wesen einer Sache ist gefunden, wenn die Invarianten gefunden sind, die allen Erscheinungen gemeinsam sind. Das wirkliche Abbild einer Realität ist — eine Invariante. Erst diese Invariante hat den Charakter der Objektivität. Alles andere sind Projektionen auf irgendwelche mit subjektiven Momenten behafteten Bezugssysteme" [15], Nun ist im pädagogischen Bezugssystem der subjektive Faktor selbst eine Invariante. Das eben verkompliziert das Aufdecken pädagogischer Gesetze und Gesetzmäßigkeiten. Uns ist die Aufgabe gestellt, zu Verallgemeinerungen zu gelangen, die einer breiteren Praxis wirksame Hilfe erweisen. Dazu müssen wir die den jeweiligen Fragestellungen innewohnenden theoretischen Probleme klar erkennen und formulieren. Beachten wir nur einige allgemeine Erkenntnisse und gesetzmäßige Zusammenhänge und unsere beschränkte individuelle Erfahrung, kennen wir oder verarbeiten wir nicht die bereits verallgemeinerten Erfahrungen anderer (aus Geschichte und Gegenwart), so können wir nicht allgemeingültige Aussagen treffen. Wir tun es oft trotzdem, sogar im Brustton der Überzeugung. Formulieren wir dabei originell — und daran mangelt es in der Pädagogik viel zu oft — so findet man uns sogar schöpferisch. Aber — der Gefahr entgehen wir trotzdem nicht, illusionäre Ziele und Aufgaben zu verkünden. Selbstverständlich setzt die Gesellschaft „Sollwerte", bestimmte zu erreichende Ziele. Nur, wer ist das: „die Gesellschaft"? Makarenko schrieb, daß die pädagogische Ziele durch die Politik bestimmt werden. Sehr wahr! Aber wer macht die Politik? Natürlich die Arbeiterklasse und als ihre führende Kraft die marxistisch-leninistische Partei, damit 55