Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1994. Germanistische Studien. (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 22)

Louis Rougien Die Hauptsache fur den Versprung des Westens

Die Ziele, in deren Dienst das Abendland Wissenschaft und Technik gestellt hat, sind uns iiberkommen von den Propheten Isra-els, von den Weisen Griechenlands, von den Rechtsgelehrten Roms, von den Kirchenlehrern des Mittelalters, von den Humanisten der Re-naissance, von den protestantischen Schriftstellern, von den Philoso-phen des 18. Jahrhunderts, von den Liberalen und den Sozialisten des 19. Jahrhunderts. Es ist ein Ideal sozialer Gerechtigkeit und per-sönlicher Freiheit, gegründet auf die unbedingte Achtung der menschlichen Person, diese Achtung, zu welcher der Stoizismus und vor allem das Christentum weitgehend beigetragen haben. Die alten vorchristlichen Kulturen beruhten auf der Vergöttli­chung des Staates. Der Pharao in Ágypten, der Groftkönig der Perser und Meder, der Kosmokrat von Babylon ist Sohn eines des Gottes oder selbst ein Gott Die römischen Kaiser werden zu ihren Lebzeiten von den Bewohnern der Provinzen als Götter, "Divi", von den Römern als Gottgleiche, "Divi", verehrt In dem MaiJe wie das Reich sich asiatisiert, verliert sich diese Unterscheidung. In den demokratischen Stadtstaaten Griechenlands und selbst im republikanischen Rom wird der Bürger durch das Gesetz geschiitzt, aber das Gesetz greift auch in sein Privatleben ein, und die Abhán-gigkeit des Einzelnen vom Staat ist sehr eng. Im "Kriton" erklárt Sok-rates, er sei der Sklave der Gesetze des Staates. Die Zensoren in Rom werfen indiskrete Blicke sogar in die Intimsphare der Familien. Diese Abhángigkeit des Einzelnen vom Staat, diese "Statolatrie" hat das Christentum beseitigt Der Staat hat nicht mehr das Recht, alles zu tun. Über dem staatlichen Gesetz steht das moralische Ge-setz. Über dem irdischen Staat gibt es den Gottesstaat Man trennt das, was man dem Kaiser geben muft, von dem, was man Gott ge-ben muft. Daher riihrt die Unterscheidung von Weltlichem und Geist-lichem, diese Unterscheidung, welche 64

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