ARHIVSKI VJESNIK 19-20. (ZAGREB, 1976-1977.)
Strana - 156
erst ihre Strafe ausgestanden haben, gleich wiederum in neuen Missethaten verfallen sind. Uiberhaupt hat das Volk, absonderlich das Kroatische, zu wenig Ehrgeiz, aber desto mehr Verschlagenheit; liebt das Geld, verabscheut aber die Arbeit und ist faul, ausserdem aber in allen ungehorsam. Die Ursach hiervon liegt in dem Mangel des Unterrichts, und von daher fehlt es auch an den geläuterten Religions—Begriffen,(wohnen hero in diesem Königreich Kroatien eine grössere Anzahl der Pfarer, als allen mehr gesittenten Gegenden unentbährlich erfordet wird.) Ausser den Mädchen—Schulen in den Königlichen Frey—Städten Korlstadt, Warasdin, (Agram und) Posega, wo diese in den ihrem Geschlecht eigenen Handarbeiten zugleich unterrichtet werden, sind in diesem meiner Leitung Allergnädigst anvetrauten Agramer Distrikt noch keine eigentliche Arbeit-Schulen eingeführt, wodurch bey dem Volk der Hang zur Arbeit und Sparsamkeit erweckt und dadurch der sicherste Grund zur bessern Sittlichkeit gelegt werden könnte. So wie die hierendige Schul— Direction untern 12ten Junius sich geäussert hat, solle sie noch im Jahr 1785. den Vorschlag, die Jugend auf dem Land in den Seiden—oder Tobackbau zugleich zu üben, Hohen Orten gemacht haben, und ein gleiches soll Vermög ihrer weitern Aeusserung wegen der Seidenkultur auch von der Syrmier Gespanschaft geschehen seyn, worauf der Versuch, die Seidenpflege mit den Nazionalschulen zu verbinden, nach dem Höchsten Orts genehmigten Vorschlag der besagten Gespanschaft, für dieses Jahr in dem Kreise derselben veranstaltet worden wäre, und man sehe nun dem Erfolg entgegen, um derley Anstalten auch in diesem Distrikt einführen und verbreiten zu können. Um der allgemeinen Sittlichkeit eine vortheilhaftere Richtung zu geben, finde ich kein zweckmässigeres Mittel, als die Pfarren zu vermehren, weil a) das hiesige Volk zu roh ist und einen öfter wiederholten und in das Gemüth des wilden Bauers dringenden Unterricht braucht. b) Sind nicht nur die Dörfer, sondern auch selbst die Häuser der Dörfer zu weit von ein ander entlegen; und wenn ein Pfarrer eben nur die nämliche Anzahl von Seelen zu versorgen hat, als ein anderer, zum Beyspiel in Hungarn oder anderwärts, so hat er sie dannoch nicht beysammen, um mit ihnen täglichen Umgang zu haben, sich vertraulich mit ihnen zu unterhalten und sie mit liebreichen Unterredungen von ihren christlichen und bürgerlichen Pflichten, vom häuslichen Wohlstand und von Beförderung seines zeitlichen Glücks nebst der ewigen Wohlfahrt zu unterrichten, welche Belehrung—Art um so mehr bey solchem rohen Volk notvendig und die einzige ist, welche ihm eine bessere Richtung zu geben vermögend wäre, als die bisher gewöhnliche Kanzelreden, absonderlich auf dem Land, der Erfahrung nach, keine andere Wirkung haben, als das Volk, welches schon im Hingehen müde worden ist, desto sanfter einschlafen zu machen. Der Fond der Errichtung mehrer Pfarrern wäre unmaasgeblich: a) der Religions—Fond, welchen Seine Majestät ohnehin dazu allergnädigst zu verwilligen geruhet haben. Sollte aber dieser nicht hinreichend seyn, so wäre 156