ARHIVSKI VJESNIK 1. (ZAGREB, 1958.)

Strana - 324

werden sich sicherlich mit den italienischen Socialdemocraten verbinden, venn nicht aus anderen Gründen schon um gegen die Wucherer und Erpresser, als welche die dortigen Signori geschildert werden energischer auftreten zu können. Der Delegirte aus Zara Schneidergehilfe Anton Calich erzählt, dass nicht nur die Arbeiter sondern auch die Bauernbevölkerung für die socialdemocratische Idee eingenommen sind. Ausserdem fänden sich auch unter der Intelligenz, den Studenten und den Professoren wackere Proselyten. Es habe sich in Zara bereits ein politischer Verein auf socialdemocratischer Grundlage gebildet. Cossutta Ludwig (Pola) ist über den Gang der Organisation in Pola nicht befriedigt. Die Arbeitermassen seien zwar für die Idee eingenommen, sie werden aber anderen Bethätigung durch die seitens des k. u k. Seearsenals­Commando geübte Pression gehindert. Die Arbeiterveraine in Pola sind der Socialdemocratie abhold und verwenden ihre Fahnen, ihre Musikbanden und ihre Mittel überhaupt nur zu Gunsten der Feinde der Socialdemocratie. Unter solchen Umständen konnte für die V. Curie wohl wenig erwirkt werden. Cossutta klagt ferners, dass die Gewerbeordnung in Pola nicht angewendet werde, dass die Unfalls-Kranken-Cassen schlecht functioniren. Malfatti Ludwig (Triest) welcher längere Zeit in Pola weilte, bestätigt die Ausführungen des Cossutta und ergeht sich in Anklagen gegen das k. u k, Seearsenal. Zum Schlüsse sprechen noch Pugliese Josef für Isola und Luis Sisto für Cormons und geben alle der Hoffnung Ausdruck, dass die socialde­mocratische Bewegung in der Bauernbevölkerung Eingang finden wird. Strafvertheidiger • Camber hebt noch als Gegenmittel gegen die Vexationen des k. u. k. Seearsenals in Pola die Publicirung vorkommender Fälle in dem Parteiorgane II Lavoratore hervor. Zum IV. Punkte der Tagesordnung »Parteitaktik-Verhalten gegenüber den na­tionalen und religiösen Fragen, ferner bezüglich der Propaganda auf dem flachen Lande und unter den Schiffern und Fischern« sprachen Ludwig Do­mokos, Anton Gerin, Ludwig Malfatti, Richard Camber und Victor Gherson. Conform den Beschlüssen vorhergegangenen socialdemocratischen Parteitage in Österreich wurde auch hier beschlossen, sich gegenüber den nationalen und religiösen Fragen ganz indifferent zu verhalten. Der als Secretär der hierländigen Organisation fungirende, von der Centrai­organisation correspondiren. Zu diesem Zwecke seien ja die Agitatoren Etbin Centraiorganisation für die Bildung einer ausschliesslich italienischen Section in Triest ein und auch das hierländige Secretariat sollte nach seiner Ansicht ausschliesslich italienisch sein. Die slavische Abtheilung sollte auch im Küstenlande und in Dalmatien von dem Parteisecretariate unabhängig sein und direct mit der Wiener-Centrai­organisation correspondiren. Zu diesen Zwecke seien ja die Agitatoren Etbin Kristan, Josef Zavertnik und Josef Kopač von Wien hieher entsendet worden. Obwohl' der Antrag Gerin im Sinne der Beschlüsse des Sechsten Österreich­ischen socialdemokratischen Parteitages in Wien vom 6. Juni 1897 von Dr Ellenbogen wärmstens unterstützt wurde, wurde derselbe doch mit 50 gegen 6 Stimmen abgelehnt und der Antrag des Strafvertheidigers Camber zum Beschluss erhoben, wornach die küstenländisch-dalmatinische Regional-Secti­on bezw. das Regionalsecretariat im Küstenlande und Dalmatien ohne Rück­sicht auf die Nationalität der Angehörigen eine einzige socialdemocratische Organisation constituiren solle. Dieser Beschluss hat den Gerin und seinen getreuen Anhänger Malfatti Ludwig ziemlich verschnupft und wird der hieraus entstandene Zwiespalt zwischen den Genannten und den übrigen Parteiführern täglich schärfer. Bezüglich der Agitation und der Organisation auf dem flachen Lande und Provocirung einer Agrarbewegung konnte man Mangels der nothwendigen — 324 —

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