K. K. Zentral-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 6. (Wien, 1907)

Johann v. Diviš-Čistecky: Stadtarchive in Ostböhmen

Stadtarchive in Ostböhmen. 91 Ein anderer Teil der Sammlungen befindet sich in zwei bescheidenen Stuben des Rathauses. Es sind meistens ethnographisch denkwürdige Objekte, namentlich die in der Stadt selbst, sowie in der Umgegend gesammelten Möbel, Hausgeräte, Volkstrachten und Stickereien. Die beiden letzteren sind in Truhen und Schränken aufge­speichert und weil ein Lüften und zeitweises Ausklopfen der Stoffe nicht möglich ist, fand ich zu meinem Bedauern die wertvollen Stoffe der schädlichen Einwirkung von Staub, Motten und Schimmelbildung preisgegeben. In dem beregien Wratslawer (Prager) Turme sind meistens nur Archivalien aus dem 17. und 18. Jahrhundert aufbewahrt, die älteren archivalischen Schätze, welche der Stadt Hohenmauth zum Stolze gereichen können, sind im Stadtarchive deponiert. Meine Aufmerksamkeit fesselte im alten Thurme vor Allem eine Pergamenturkunde folgenden Inhaltes: Kolin a. d. Elbe 1379. Der Stadtrichter (Judex) und die übrigen Stadtältesten von Kolin bestätigen das Besitzrecht eines Hauses. Siegel der Stadt Kolin an Per­gamentstreifen schön erhalten. Der Schild (mit dem Löwen) reicht mit seinem Fuße weit nach unten, auf Unkosten der Zinnen. Oberhalb des Schildes ein nicht gut zu unter­scheidendes Ornament (vielleicht schon die bekannten zwei in einander verschlungenen Drachen?). Legende: Colonia super Albea. Die Namen der Stadtschöffen sind auch durch andere mir bekannte Quellen beglaubigt’). * I. ') Nicolaus judex kaufte das erbliche Richtamt (rychta) im Jahre 1371. (Libri erectionum) — W a cz law Coler stiftete eine Kapelle in Kuttenberg (Lib. contr. I. Fol. 56 Stadtarchiv in Kolin, — Johannes Sechsei war Schöffe vom Jahre 1361 und stiftete bei seinem Altar in Kuttenberg die Fundation für einen Kaplan (Lib. erect. I. p. 33). — Peschlinus hieß eigentlich Peter (= Pesl, Peslin. Peschlinus) Ruthard. — Henslin = Hans Ruthard kaufte im Jahre 1382 ein Haus in der Klostergasse in Kolin und es hat sich sein Grabstein in der dortigen Bartholomäikirehe erhalten. Leider liegt der­selbe in der Pflasterung in der Nähe des Hauptaltares. Man sieht noch die Gestalten eines Mannes und einer Frau mit der Aufschrift „Ruthardus

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