K. K. Zentral-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 6. (Wien, 1907)
Diözesanarchiv und Pfarrarchive der Diözese Linz
Piözesanarchiv und Pfarrarc'iive der Diözese Linz 55 zu einem Acte kleine, lose Zettel gehören, was besonders bei Rechnungen häufig der Fall ist, wird es sich empfehlen, das Zusammengehörige mit einem Umschläge zu versehen. § 6. Behandlung der Urkunden. Sind sämtliche Urkunden eines Archives zusammengetragen, so sind sie chronologisch zu ordnen. Zu diesem Behufe wird vor allem das Datum jeder einzelnen Urkunde festzustellen sein. Dies hat für den im Archivwesen nicht geschulten Laien mitunter kleine Schwierigkeiten, da in alter Zeit wohl das Ausstellungsjahr, nicht aber der Monatstag, sondern statt dessen ein kirchlicher Festtag oder ein einem Festtag vorangehender oder nachfolgender Wochentag angegeben wurde; z. B. Margaretentag 1618, Montag nach Martini 1496 oder Palmtag 1465. Solche Datierungen sind in die heute übliche Art, das Datum anzugeben, zu übertragen. Das erste der angeführten Beispiele ist leicht aufzulösen, da jeder Kalender angibt, daß der St. Margaretentag auf dem 13. Juli fällt. Im zweiten Falle jedoch muß man wissen, daß im Jahre 1496 der Martinitag auf einem Samstag fiel, um festzustellen, daß der darauffolgende Montag der 13. November war. Zur Auflösung des dritten Beispieles muß bekannt sein, daß im Jahre 1465 das Osterfest am 14. April begangen wurde. Da die zur Auflösung solcher Datierungen erforderlichen chronologischen Tabellen nicht überall vorhanden sind, so mag es zur Not genügen, die Daten in der überlieferten Form zur Grundlage der chronologischen Ordnung der Urkunden zu machen. Es sei noch erwähnt, daß es im 15., besonders aber im 16. Jahrhundert Brauch war, von der Jahreszahl nur Zehner und Einer anzugeben, z. B. St. Michaelstag im 56sten Jahre. Wenn auch solche Urkunden in den meisten Fällen dem 16. Jahrhundert angehörten, so wird doch bei der Auflösung solcher Datierungen auch auf andere Merkmale, besonders auf den Schriftcharakter zu sehen sein.