K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 4. (Wien, Leipzig 1899)

A. Czerny: Das neue Landes-Archiv in Linz und seine Ausgestaltung in der Zukunft

106 A. Czerny und Actenfascikeln, angefangen vom J. 1137, erreicht. Drei kostbare Stücke ältester Zeit konnten gerettet werden, nämlich 8 Codices mit den Werken des großen Abtes Ger- hoch (1132—1169), das alte Saalbuch aus dem Ende des 12. bis in das letzte Decennium des 13. Jahrh. und das sogenannte Promtuarium, von Dechant Erhärt Pilch (1420) geschrieben, welches die Abschriften aller älteren Urkunden enthält1). Die werthvolle Reichersberger Chronik des Dechants Magnus f 1195 machte Propst Peter 1818 dem Erzherzog Johann zum Geschenk; sie wird jetzt im steyrischen Landes- Archiv aufbewahrt. Des Archiv erfreut sich einer sorgfältigen Obhut. Von dem so romantisch im Kremsthal gelagerten Kloster Schlierbach ord. Cist. haben wir, obgleich es spät ent­standen ist, viele Documente seines Daseins aus dem Mittel- alter erhalten. Es wurde erst i. J. 1355 von Eberhard III. von Wallsee aus einem Schloß in ein Kloster von Cistercienser- Nonnen umgewandelt. In den Stürmen der Reformation löste es sich zwischen 1554 und 1566 auf. Es stand leer und öde unter der Administration des Landesherrn bis 1620, worauf Ferdinand II. es den Cisterciensern als Männer­kloster übergab. Was allenfalls an Büchern und Hand­schriften zur Zeit des Nonnenaufenthalts vorhanden war, wurde in der langen Zwischenzeit verschleppt. Anders steht es mit den Urkunden. Aus derZeit vor den Klosterfrauen sind 24 vorhanden; aus der Zeit der Klosterfrauen, von 1355—1560, etwa 400 ; aus der Periode der Administration, 1560—1620, beiläufig 196; seit Schlierbach dem Männer- orden übergeben worden ist, circa 760. Das Archiv besitzt auch ein altes Urbárium auf Pergament aus dem J. 1365—95, ') Im Jahre 18)2 an das bayerische Eeichs-Archiv auf Ansuchen eingeschickt, wurde der Codex erst 1870 auf Requisition des Stiftes und Beschluß des bayr. Staats-Ministeriums des Innern vom allgemeinen Reichs- Archiv, wo er 58 Jahre aufgehoben war, extradirt. Über das Obenstehende siehe Meindl, Schicksale des Stiftes Reichersberg; Passau 1873 S. 181 und Sebastian Brunner, Chorherrnbuch; Wien 1883 S. 448. 449. 467.

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