K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 2. (Wien, Leipzig 1894)

Die Einrichtung eines Archives bei der k. k. Statthalterei in Nieder-Österreich

242 Die Einrichtung' eines Archives systemmäßig auch nicht vorhanden sein mußten, welche über das zur Ausführung der ertheilten Bildungsbefehle unbedingt erforderliche Können verfügt hätten. Wären nun der nieder - österreichischen Regierungs­stelle zu allen Zeiten hinreichend große Räumlichkeiten zu Gebote gestanden, um ihre in steigendem Maße wachsenden Actenhestände sammt und sonders bequem unterbringen zu können, so mochte ein derartiges Vorherrschen eines ein­seitigen Registratur-Standpunktes keinen besonderen Nach­theil bringen. Man hätte die alten Archivalien bewahrt, weil das Beseitigen derselben Arbeit erforderte. Solch’ glückliches Los war jedoch dieser Behörde ebensowenig wie irgend einer anderen beschieden. Raummangel in größerem oder gerin­gerem Maße stellte nur zu oft sich ein, und da war es nun von ganz unheilvoller Wirkung, dass man, und zwar in dem gegenwärtigen Jahrhunderte in erhöhtem Grade von dem Werthe älterer Actenhestände eine so herzlich geringe Meinung hatte. Man entschloß sich oft und leicht zu Acten- scartirungen und nahm dieselben stets in möglichst aus­giebigem Maße vor. So ist denn ein sehr beträchtlicher Theil der alten nieder-österreichischen Regierungs-Acten dem Moloch der Scartirung zum Opfer gefallen. Und wenn die übriggebliebenen Reste noch immer von ganz bedeutendem Umfange sind, so lässt sich daraus nur entnehmen, welch’ geradezu imposantes historisches Material bei der nieder­österreichischen Statthalterei vorhanden sein könnte, wenn etwas mehr historischer Sinn in vergangenen Zeiten bei derselben gewaltet hätte. Was von der Scartirung verschont blieb, litt seit geraumer Zeit zum Theil recht empfindlich unter der Ungunst der in den Aufbewahrungsräumen herrschenden Verhältnisse. Soviel erhoben werden konnte, waren bis in die sechziger Jahre die gesammten Actenhestände der Statthalterei in geräumigen Sälen zu ebener Erde und im ersten Stockwerke des Statthalterei-Gebäudes untergebracht. Das stete Anwachsen der Actenmassen und vielleicht noch

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