Evangélikus Elemi Iskola, Budapest, 1882

18 dergleichen Strafarbeiten keinen besonderen Nutzen haben, wohl aber schädliche Folgen, wenn das Kind daran die halbe Nacht hindurch zu arbeiten hat, vielleicht in Folge dessen die Versäu­mung der ordentlichen Schulaufgaben auch veranlasste und durch all dies als unausbleibliche Folge eine Verstimmung des Eltern­hauses herbeiführt. Welche Strafform immer aber auch angewen­det wird, stets richte sie sich nach der Indivi­dualität des Zöglings, nach der Beschaffenheit und Quelle der Handlung. Sollten indess alle versuchten Strafen und Massregeln nicht den gewünschten Erfolg erzielen, dann darf als äusserstes Mittel auch die körperliche Züchtigung, der Stock nicht verschmäht werden. Ich und mit mir ge­wiss di 3 meisten Lehrer möchten dieselbe am liebsten ganz aus der Reihe der angewendeten Strafmittel gestrichen sehen und wenn man in Erwägung zieht, dass vor hundert Jahren viel mehr erziehliche Prügel ausgetheilt wurden, als vor fünfzig, vor fünfzig Jahren mehr als vor zehn, und dass bei alledem die Erziehungs­und Unterrichtsresultate keine geringeren, sondern erheblich bes­sere geworden sind, kann es beinahe als bestimmt angenommen werden, dass diese Strafform als etwas Unwürdiges ganz aus der Schule verbannt werden wird. Ein guter Theil der Rohheit älterer Zeit ist sicher durch die den Kindern strafweise verab­folgten Schläge hervorgerufen und gross gezogen worden. Ein Knabe, welcher wegen geringer Ursachen gewohnheitsmässig hart gezüchtigt wird, dürfte schwer davon zu überzeugen sein, dass er unrecht handelt, wenn er z. B. Thiere misshandelt; er wird vielleicht sogar eine gewisse Genugthuung dabei empfinden, auch einmal einem andern Wesen gegenüber das vermeintliche Recht des Stärkeren üben zu können. Wohl führen die Vertheidiger der Prügelstrafe als Grund zu derselben die zunehmende Roh­heit und Zuchtlosigkeit unserer Jugend an; doch dürfte der Grund dieser Erscheinung nur darin liegen, dass überhaupt noch zu wenig erzogen, und zu viel gestraft wird. Der an Schläge gewöhnte Zögling wird auch später meist nur bei stren­ger Disciplin sich gut aufführen und Tüchtiges leisten und es wird ihm schwer fallen, aus eigenem Antriebe das Rechte und Gute zu thun. Mit dem Stocke ist es zwar leichter und beque­mer, einen wilden Jungen oder eine Schaar von Knaben zu re­gieren; aber das schliessliclie Erziehungsresultat ist sicher ein besseres, die anerzogene Tüchtigkeit wird zuverlässiger sein, wenn

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