Bizalmas Értesítések 1926. február

1926-02-20 [1468]

Wien, 20,Február. /Ung.Tel.-Korr.-Bureau./ Die Blaet­ter, darunter die Neue Freie Presse, die Stunde und der Abend spreehen von einer kritischen Wendung in Budapest infolge vorzeitiger Schlies­sung der parlamentari3Chen untersuchung in der Faelscherarfaere. Das Neue Wiener Abendblatt laesst sich aus Budapest darüber berichten*' Die Frage hat plötzlich eine sehr krifcische Wendung genommen. G-estern um 12 ühr Nachts wurde unvermutet eine offizielle Mitteilung ve röf­fen tlicht, wonach der parlamentarische Untersuchungsaussehuss das Be­weisverfahren über die Faelschungsangelegenheit bereits abgeschlossen hat. Hinter dieser überraschenden Mittcilung vérbe rgen sich die tief gehenden Gegensaetze zwischen Regiorungspartei und opposition. Die op­positionellen Ausschussmitklieder hatten eine Srgaenzung des Beweis­verfahrens, die Einvemahme neuer Personen, darunter Nikolaus Bánffy und Oberstaatsanwalt Sztrache verlangt, welche Forderung offenbar von den Regierungsmehrheitmitgliedem nicdergestimmt wurde. Diese Wendung der Dinge wurde noch im Laufe der Nacht in den Kreisen der Opposi­tion bekannt und rief betraechtliche Srregung hervcr, die noch geateí­f ert wurde als man erfuhr, dass der Berichterstatter des Ausschusses er naturgemaess der Mehrheit angehört, schon in der . .^A^*^ya Naeh­mittagsitzung des Ausschusses den Textcntwurf seines heutigen Berichtes vorlegen wird. Es scheint nun ziemlich sicher, dass der Aus­schuss zu keinem einheitlichen Boricht an die Nationalversammlung kom­men wird. Der Berioht der Mehrheit wird die Regierung ffüríden Fael­schungsskandal nicht verantwortlioh machen, waehrend der"Mindérheits­bericht die Verantwortlichkeit der Regierung feststellen wird. Der Abend meldet über die Angelegenheit unter dem Titel nEinneuer Betrug Bethlen's«: Das Ganze war ein abgekartetes Spiel.Der Abgeordnete Rubinek, der aufgefordcrt mirde dem Ausschuss einen Be­richt. vorzulegen, hatte den fertigen Bcricht bereits im Sack und stell­te den Antrag, diesen Bericht der Nationalversammlung zu unterbreiten. Seine Mitteilungen riefen einen wütenden Stürm bei der Opposition her­vor, derén yertreter den Bericht entreissen wollte. Der Zweck der über­rumpelung war, der Minderheit unmöglich zu machen. dass sie in ihrem Mindérheítsbericht die Wahrheit erklaere. Die Absíimmung konnte infol­ge der grossen Aufregung gestem nicht durchgeführt werden und die Si­tzung musste auf heute vertagt werden. Die Oppositionsparteien werden eine Kundgebung an die Bevölkerung veröffentlichen, worin sie von dem Hand8treich Bethlen's Mitteilung machen wcllen. Sie werden in der heu­tigen Sitzung des Ausschusses zu den staerksten Kampfmitteln greifen. Die Sitzung wird bis nach Mittemacht dauern, damit sie laut der Haus­ordoung Montag fortgesetzt werden 30II. Weiter heisst es im Abend unter dem Tit^l «Bethlen will die Opposition mit Gewalt im Reden hindem*;, d3 * schon heute bekannt ist, dass in der Nationalversammlung. opp03itionellen Rednern das Wort in der Fraokfaelschungsangelegenheit nicht erteilt werden soll, hat die Opposition schon heute beschlossen den Weisungen des Praesiaenten kei­ne Folge zu leisten. Ihre Mitglioder worden ohne Erlaubnis und trort des Verbotes das Wort ergreifen. Bethlen - heisst es weiter in dem Be­richt - liess heute der opposition wissen, dass er in diesem Falle die oppositionellen Redner aus dem Sitzungssaal durch Parlamentsdiener mit Gewalt wird entfernen lassen.

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