Bizalmas Értesítések 1921. november

1921-11-11 [1450]

W i e n, 10«November. /Privatmeldung: des UTKB/ Nach Meldungen der Abendblätter ist der heute M morgens gemeldete Besohluss der Botschaf ter-Konferenz, der Ost erreich zur Ratifizierung des Protokolls von Venedig auffordern soll» an Wiener massgebenden Stellen bisher noch nicht notifiziert Warden» Wenn der authen­tische Text das Beschlusses tatsächlich so lauten wird, wie er gemeldet wurde, aei dennoch kein Anlasa zum Pessimismus vor­handen. Man ist nämlich der Ansicht, dasa die Botaohaf ter-Kon­ferenz, wenn 8ie eine solche Aufforderung ausspricht, damit in­direkt besagt, da es das Venediger Abkommen vor der Ratifizierung ungültig ist, Nun ist festzustellen, dass diese Aufforderung vor allem an Ungarn hätte gerichtet werden müssen, da Ungarn bisher Oberhaupt nichts dafür getan hat, während Österreich den ersten Schritt zur Ratifikation bereits machte. Es wird also gehofft, dass dieselbe Aufforderung an Ungarn ergehen wird. Im übrigen wird * betont, dass auch, die 'Äünsehe Österreichs bezüglich der Abstim­mung sformalitäten vorgelegt wurden und dass über deren Annahme oder Ablehnung zur Stunde überhaupt noch keine Antwort vorliegt^, Die Entscheidung darüber wird aber naturgemäss viel wichtiger sein, als die prinzipielle Aufforderung der Botschafter-Konferenz, . Wien, 10,November* / Privatmeldung des UTKB/ Die Arbeiterzeitung veröffentlicht einen Bericht , wonach einige Österreicher, die vor kurzem luron die Intervention des österreichischen Gesandten in Budapest aus dem internierungaläger in Zalaegerszeg befreit wurden, von ihren dortigen schau­Jer haften Erlebnissen erzählen, üaifeh ihren Angaben waren sie zuerst in Hainas­«er interniert, wo viele von ihnen infolge der schlechten Behandlung und; des Hungers zugrunde gingen, Sie musaten bei Sannes und Kälte ohne Schuhe in den Yfnld, um Holz für die Küche zu holen«, Auch mit Hieben wurde nicht ge — spart,Einige kamen später ins Spital als Wärter, wo sehr viele Soldaten mit •cabiea lagen. Sie bekamen nämlich nie eine Seife und «Internierte ebenso wie? Bewachungsmannschaft erstickten halb im Schmutz« Auch im Spital herrschte grosse Hot, oft gab es 14 Tage hindurch kuin Brot. In der Früh nur Kaffee ohne Zucker, Mittags wieder Kaffee ohne Zucker oder eingelegte Rüben, die bestialisch gestunken haben^ am Abend nicht viel Besseres.Manche Leute sind buchstäblich vor Hunger gestorben. Die Internierten kamen dann nach Zala­egerszeg, wo es aber nicht viel besser war. Das Militär schos3 bei jeder Ge­legenheit auf die Internierten, Ein 19-jähriges polnisches Mädchen wurde von einem Posten erschossen, der dafür zum Korporal befördert wurde. Wien, 10,November, / Privatmeldung des UTKB/ In Wiener parla^ mentarischen Kreisen hat man seit drei Tagen den Eindruck, dass die Abstim­mungabedingungen für Osterreich doch günstiger sein werden, als man ur ­sprünglich befürchtet hatte. Vor allem scheint Marchese della Torretta sein Versprechen einlösen zu wollen, dass entweder interalliierte Truppen die Abstimmung sichern oder aber italienisches Militär oder Ententeoffiziere die Ruhe und Ordnung während der Abstimmung aufrechterhalten. Wien, lO^November, / Privatmeldung des UTKB/ Nach einer Meldung der Arbeiterzeitung sind hier Nachrichten eingetroffen, dass die Ungarn eine neue Gegenwehr planen, wenn die Österreicher ins Burgenland einmarschieren sollten, um sie zum neuerlichen Verlassen des Landes zu zwingen. In einzel­nen Ortschaften wurden unbewaffnete Banditen zurückgelassen, die den Nachrich­tendienst bescigen sollen. An der neuen Grenze stehen Banden und reguläres Militär. Der Hauptort der Truppen und Freischärler-Ansammlungen ist Szombat­hely« Der Telenhonverkehr zwischen Sopron und Wr/Neustadt ist unterbrochen. .Oer Terror der Banden, insbesondere im'Sopronar Abst immungsgebiete ,geht unausgesetzt weiter. Die Disziplin der Banden ist sehr stark gelockert und hängt zumeist bloss von dem Einfluss der einzelnen Führer ab. W .1 e n, 10, November, / Privat meidung des UTKB/ Das Net© Acht­uhrblatt a»ldet aus Sopron: Während von einer äste rre ich lachen Tätigkeit für die Abstimmung naturgemäss noch nicht? zu merken ist, wird die amt ­liehe ungarische Propaganda von Tag zu Tag reger. Man scheut in Budapest nicht davor zurück, durah das UTKB, alle möglichen Lügen In die Welt setzen za lassen, die die Burgenländer zu Ungunsten Österreichs beeinflus­sen sollen, namentlich über die Gefahren, die von den In Wr,-Neustadt und in anderen Orten Nied er Österreichs angeblich installierten Kommunist en so fau­len drohen sollen. 9 werden in den schwärzesten Farben geschildert. Es wird auch mitgetef.lt, dasa die Bevölkerung der durch daa Venediger Abkommen oh­ne Abstimmung an Österreich fallenden Zone mit allen Kräften bestrebt sei* bei Ungarn zu bleiben und daea sie kein Mittel unversucht lassen wl rd , um ebenfalls zum Plebiszit zugelassen zu werden,Zrotz aller dieser Ausstreuun­gen hat mar. in Wien das Gefühl, dass man sich in Budapest seiner Sache gar nicht sicher fühlt. Da man weiss, dass die Bauernschaft geschlossen für Ost erreich stimmen wird, sucht man namentlich die Stimmen der Arbeiterschaft zu gewinnen» Ein Teil der städtischen Bevölkerung ist angewichts der unga­rischen Drohungen noch unschlüssig und es ist daher notwendig, dasa die Sop­roner Ententevertreter endlich dafür fergen, dass auch die Aufklärungsarbeit von Österreich!acher Seite in kürzestfer Zeit beginnen kann* \i /

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